Erdinger Literatentreff
(Termine, Aktionen)
Gedanken-Sprung Nr. 4 S6-Kulturforum










Summer in the City!

Eine tolle Bühne, Superheißes Wetter, gut gelaunte Akteure, reibungslose Organisation; die Heimstettener "Plattform" -Initiatoren Brian Burger, Thomas Walter und David Molnar hatten Alles fest im Griff.

David Molnar, das in jeder Beziehung versierte Multitalent, führte nach den einleitenden Worten von Brian Burger den Reigen der Akteure an.
Mit dem selbstironischen Lied über einen misslungenen Song, schaffte er es, die Zuschauer schon zu Beginn zum mitklatschen zu bewegen. Doch die Zeit lief.
10 Minuten waren für jeden der Protagonisten vorgesehen, und diese Zeit ist, wie jeder weiß, der schon einmal auf den "Brettern (oder Bühnenelementen) die die Welt bedeuten" gestanden hat, durchaus knapp bemessen.

Rhymemantiker Martin Pollok legt los. Untermalt, begleitet von verschiedenen Jingles aus der Extremanlage, die zur Verfügung stand und professionell betreut wurde, schleuderte er das ätzende Salz seiner Gesellschaftskritik ins Publikum.
Ein Gitarist der Gruppe "Gegenstrom", später zusammen mit einem weiteren Bandmitglied, lässt Gitarren und Stimmen klingen.
Gelassen die Hitze ertragend die Zuschauer, was ist man nicht von Open-Airs schon alles gewöhnt.

Brian Burger kommt auf die großzügig dimensionierte Bühne. Bissig, witzig, abgründig in seinen Wortorgien, Profi wie immer.

Mit dem Geläute der Kirchenglocke kämpfend setzt sich dann "Shewaya" auf die Bühne. "Wer wird stärker sein?", so fragt er, "ich oder die Glocke?" Das gusseiserne Monster hat Einsehen und gibt auf. Shewaya meditiert über das Leben, betreibt die ihm eigene Situationsanalyse, und fädelt schließlich die ihn bezeichnende und so überaus deutlich werdende "Metaphysik der individuellen Tatsachendynamik" in eine mit eben dieser Komponente nicht mehr lapidar, banal oder skurril wirkenden Erzählung über den Inhalt einer Tüte Popcorn ein. - Ob gesalzen oder gezuckert blieb im Unklaren Thomas Walter, Mitbegründer und philosophische Kopf der Heimstettener "Plattform", liest, ein eher seltenes Ereignis, ein kurzes, prägnantes, sinniges Gedicht.

Dann erklimmt der Held des Tages die Stufen zur Öffentlichkeit, fest entschlossen, seine Persönlichkeit zu vertreten. Über Würste redet er, Weißwürste könnte man meinen, - an einem solch herrlichen Tag mit entspannter Volksfestatmosphäre.
Doch Nein.
Scheiße ist es, (über) die er spricht. In allen Formen, und, symptomatisch auch in Flaschen gefüllt.

"Raum!" fordert im Anschluss Monika Kleeblatt von der Wortfamilie aus Germering. Still, ruhig, im Inneren des Wortsinnes selig taumelnd, doch glasklar.
Und tatsächlich ist inzwischen genug Raum im Zuschauerraum, angesichts der prägnanten Auswahl des primitiven, naiven Fäkalien-Expressionismus des Vorredners. Ein wenig enttäuscht über diejenigen Gäste, die den Schauplatz verlassen haben, sind auch die nachfolgenden Akteure.



Immerhin läßt der Jingle von "Wetten dass...?" die Zuschauer, die zum großen Teil im Schatten Zuflucht gesucht haben aufhorchen.
Die "Erdinger Literaten" sind an der Reihe:
Walter Koppe als Moderator tritt auf die Bühne, beginnt schließlich mit zwei weiteren Akteuren (Wolfgang Hofer und Thom Delißen) ein Zwiegespräch über Prostitution, Pfarrhäuser, die abgerissen werden sollen, Umgehungsstraßen, die geplant sein sollen, bis hin zur Haaranalyse des nicht existierenden Toupets von Bundeskanzler Schröder.

Nach Petra Winters "schrecklicher Geschichte, die aber leider wahr ist", setzt Florian Kleeblatt, von der "Wortfamilie" aus Germering, kurz vor seinen Abschlussexamina den Schlußpunkt; lässt seine Aggressionen und Frustrationen in wortgewaltiger Lautstärke über den Marktplatz hallen.
Ein fast mittelalterlich anmutendes, martialisches Schaustück.

Nur allzu schnell ist die Zeit vergangen, doch der Organisationsaufwand hat sich sicherlich gelohnt, wenn auch wohl etliche erwartete Gäste lieber bei einem Bier aus dem häuslichen Kühlschrank 44 Ledersohlen hinterhergesehen haben, die einen Ball aus Kunststoff verfolgen, ihn aber immer wieder von sich selbst wegschießen.

"Wie es Euch gefällt" hätte Moliere treffend bemerkt.