xED:
brian burger, du bist initiator und motor der plattform heimstetten. derzeit versucht du dich zum ersten mal als regisseur.
was können wir von der inszenierung erwarten? versuchst du dem klassiker eine spezielle handschrift zu verleihen?
b.b.:
ich inszeniere das stück in der grausam-amüsanten atmosphäre eines
raritätenkabinetts mit rumpelkammer mit dem touch absurder komik in
richtung karl valentin. d. h. ich inszeniere dieses sehr ernste stück in einer
komödiantischen manier, denn was die leute heute mit dem unrecht
machen, ist: darüber lachen.
die größte innovation meiner inszenierung ist die starke
rock-musikalische
umarbeitung durch die musikalische leitung von robert neussendorfer und
richard glaser.
jedoch werde ich als gegengewicht zu der musikalischen
neubearbeitung den schauspiel-text des stücks im original präsentieren.
das ist ein interessanter kontrast: neue musik mit altem text.
er unterstützt
die von brecht intendierte "harte fügung" innerhalb einer epischen
dramaturgie. ausserdem wurden bis jetzt immer große teile der texte in
den liedern und dialogen gestrichen - teils aus feigheit, teils aus
unverständnis.
da sich seit 1928 ja nicht sehr viel im bewußtsein der menschen
geändert
hat, lasse ich die sprache so wie sie war. es gibt auch leichte objekt-
und
puppentheaterelemente... besonders klar wird die spielfreude der
laiendarsteller. den hauptrollen wird viel abverlangt: eine menge text
und
viel gesang. es ist ein stück für ein reihenhauskeller-proletariat des
21.
jhdts. mit dem motto: "Miese Typen, rockiger Sound und Moral".