Hat jemand Herrn Koppe gesehen?
Das ist jener Herr mit Oberlippenbart.
(umschalt)
Es ist tatsächlich so, dass ich derzeit manchmal zweimal betrachtet
werde.
Worauf die Frage folgt: „Kennen wir uns?“
Vorgestern wurde ich von einer fremden Frau zum Café eingeladen. Sowas
ist mir mit Bart noch nie passiert.
Ich lerne derzeit das Leben eines Nicht-Bartträgers kennen.
Tatsächlich.
Dabei komm ich mir vor wie eine neue Comic-Figur.
Das Leben lebt von der Situationscomic.
Ein Beispiel:
Ich arbeite ja am Airport.
Das geht dann in der Frühschicht teilweise ab 4 Uhr los.
Eugen, ein Arbeitskollege, fragte mich letztens
müde, und nur recht angestrengt, das eine Auge offen haltend:
Walter, bist Du das?
Ich antwortete, in dem ich das andere Auge offen hielt:
Nein Eugen, aber ich komm sicher noch irgendwann.
Schreiben hat etwas Befreiendes an sich.
Worte aneinanderzuketten, Sätze ineinanderzuschachteln,
dabei weder Anfang noch Ende zu finden.
Eine Bekannte beschwert sich deswegen häufig
Ich schreibe zu lange Sätze, meint sie.
Wobei, Manfred hat eine Tante, die redet ellenlange Sätze
Sie kennen Manfreds Tante nicht?
Ich kenne sie auch nicht.
Aber ich kenne Manfred, und Manfred kennt seine Tante
Sie wohnt in der Einflugschneise des Flughafens
Und dort muss man die Zeitspanne zwischen den Flugzeugen halt nutzen.
Ab 4 Uhr früh zwischen den Starts und Landungen
Eigentlich ist Betty Simmerl schuld daran, dass ich heute hier sitze.
Sie hat mich einfach eingeteilt,
ich solle etwas aus meinem Gesamtwerk vortragen.
Dabei falle ich in meinem normalen literarischen Leben lieber anderen
zur Last, als Moderator beim Erdinger
Literatentreff werfe ich Fragen in den Raum wie:
Was hat sich der Autor dabei gedacht?
Heute merke ich zum ersten Mal, wie gemein solche eine Frage ist.
Was habe ich mir z. B. bei meiner folgenden Geschichte gedacht?
Vielleicht fällt irgendjemanden im Anschluss etwas dazu ein?
2:30 Min
H u n d s j a h r e 7:00 Min
Immer noch, wenn ich draußen vorm Gartentor diese
mir bis heute doch recht fremdgebliebenen Menschen
wahrnehme, die mich aus meinen Hundgedanken reißen, überwinde ich mich,
und tue ein wenig mit künstlicher Aufgeregtheit
das, was mein Herrchen von mir auch erwarten darf, welche die meisten
Zweibeiner an unsereinem am besten verstehen.Dabei,
und genau darüber drehen sich immer noch viele meiner Tagträumereien,
hatte ich einmal das Gefühl, irgendwann einmal
genauso zu werden wie sie; als man mir nach dem Herausreißen aus dem
trautem Familienkreis in meinen jugendlichen Jahren
gestattete, meinen Horizont zu erweitern, als ich täglich Neues erfuhr,
neue Wege, andere zwei- bis vierbeinige Lebewesen,
aber auch einiges des Wortschatzes meines Herrchens. Irgendwann dachte
ich, wohl all die Worte verstehen und dann auch
bald selbst diese Sprache zu sprechen, genauso wie ich es schon recht
bald beherrschte, Stöckchen zu apportieren, oder
zumindest auch zeitweise schon auf zwei Beinen zu balanzieren. Und
zusammen mit der allmählichen Entwicklung meines
Instinkts, jener Sinnesart, die den meisten Zweibeinern abgeht, glaubte
ich, jenen demnächst ganz sicher überlegen zu
sein. Ich erinnere mich gerne an diese Welpen- und jugendlichen
Hundsjahre. Dann sehe ich mich selbst wie in einem jener
Spiegel der eitlen Menschen, wie ich den Kopf zur Seite geneigt, jedes
Wort meines Herrchens gebannt und mit großen runden
Augen genau abwiege.Und dann erinnere ich mich an einige Sternstunden
meiner Hundejahre ganz besonders gerne:Eines abends
meinte ich von meinem Herrn das Wort "Fernbedienung" vernommen zu
haben; wobei sich dieses Wort innerhalb einer größeren
Ansammlung von Worten aufgehalten hatte, und er sich dabei wohl eher
mit sich selbst unterhielt. Trotzdem arbeitete es in
mir, mein Instinkt nahm den Faden auf. Irgend etwas wollte und suchte
Herrchen, der sich gerade müde in seinem gemütlichen
Sessel bequem gemacht hatte. Also die Hausschuhe können es nicht sein,
denn die hat er bereits an, fand ich; streckte
meinen Hals zum Fenster: den Regenschirm kann er auch nicht meinen,
denn draußen ist das schönste Wetter. Dann fiel mir
ein, daß er gestern um diese Zeit jenes dunkle Ding in der Hand hielt,
um damit diese Lichtbilder in dem Kasten zu
steuern; und dann kam mir, daß ich dieses Ding vor einiger Zeit beim
aufräumen in Oskars stinkenden Stiefel hineingetragen
hatte."Oskar" ist übrigens die Bezeichnung meines Herrchens, die wohl
Freunde für ihn ausgedacht haben, und welches ich in
meinen vertraulicheren Gedanken selbst für ihn verwende. Ach ja, mich
nennen sie übrigens "Gustav", was mich als
Schäferhundmischling, wie ich finde, nicht gerade aufwertet.Doch
bleiben wir noch einen Moment bei jener Situation, als
Oskar ganz verdutzt jene Fernbedienung aus meinem Maul in Empfang nahm,
und mich noch längere Zeit nachdenklich und
erstaunt betrachtete.Mir kam es danach so vor, als überlegte Oskar nun
recht genau, was er zu mir sagte. Manches mal, wenn
er problembeladen nach Hause kam, schloß er mich in seine Gespräche
ein; doch die meisten Worte kannte ich auch beim
besten Willen nicht; und es half auch nicht, wenn ich noch so
lernbereit auf Oskars Lippen sah. Ich fand keine
Möglichkeit, den Schwall von Worten irgendwann zu ordnen und zu
verstehen.Immerhin wußte ich, daß ich mich bei "Platz" auf
den Boden zu legen hatte, daß bei "Fressi" ganz automatisch das Wasser
in meinem Maul zusammenlief, oder ich bei "Gassi"
die Leine vom Haken nehmen durfte, um mich übrigens die meiste Zeit
selbst damit zu führen - als Zeichen des
Vertrauens.Das Problem waren schließlich die viel zu vielen, für mich
überflüssigen Wörter, ganze Sätze, die für mich ohne
jede Bedeutung blieben.Immer häufiger, wenn meine Konzentration nach
Wortsalaten wie "nachdem Du weggegangen bist, warst
Du nicht mehr da" nicht länger aufrecht zu halten war, begann ich zu
gähnen; stellte allerdings immer wieder mit
Befriedigung fest, wenn sich auch Oskar davon anstecken ließ, er also
auch von mir zu lernen schien.Einmal allerdings
merkte ich hinterher, daß er das diesmal gar nicht toll fand; als er
nämlich mit einer jungen Frau am Tisch eines Cafés
saß, und mir gegenüber hinterher meinte, daß das Gespräch zwar wirklich
nicht besonders tiefgründig war, daß in manchen
Momenten das Gesprächsthema der optischen Reize wegen allerdings auch
sekundär sein könne; auch, weil er Angst hatte,
"durch falsche Worte etwas kaputt zu machen, wofür man Zeit bräuchte".
Dies war für mich dann auch der Grund, den
bisherigen Eifer aufzugeben, irgendwann selbst doch noch jene
Menschensprache zu erlernen.Man stelle sich nur vor, ich
könnte mich irgendwann mit meinem Herrn tatsächlich über ein Thema
unterhalten, aber nur "dummes Zeug" reden, wie Oskar
das nennt; oder noch schlimmer: mit ihm zu streiten anzufangen, an
dessen Ende mir Oskar schließlich die Gartentür von
draußen zeigt.So habe ich mich also entschlossen, das Leben von seiner
weniger komplexen Seite innerhalb des
überschaubaren Gartenbereichs aus Hundeaugenhöhe zu betrachten und ab
und zu zu bellen, wie es meiner Aufgabe als Wächter
zusteht, Vögel zu beobachten, oder jenen geheimnisvoll geschmeidigen
Geschöpfen zuzusehen, die ich heimlich beneide, wenn
sie sich frei und beinahe mühelos über alle menschengeschaffenen
Gartenbegrenzungen hinwegsetzen. Das schlimmste aber ist:
ich glaube tatsächlich, ich habe mich die Katze unseres Nachbarn
verliebt.
Um die Frage von zuvor aufzunehmen: Was habe ich mir bei „Hundsjahre“
gedacht?
- man kann sich die Frage durchaus ernsthaft stellen,
Also mich als Autor würde es reizen, einem Moderator oder Kritiker erst
mal eine lange Nase zu machen.
„Du suchst mein Inneres! Aber so einfach mach ich es Dir nicht“.
Der Autor und sein Kritiker, das ist wie Räuber und Gendarm.
Wenn der Kritiker gut ist, findet er sämtliche Leichen im Keller des
Autors.
Gott sei Dank hab ich in der Buchhandlung von Jane Clouston nur eine
halbe Stunde zur Verfügung. Eigene Texte.
ausserdem ist eine halbe Stunde viel zu kurz um sich ernsthaft mit dem
Leben auseinanderzusetzen.
Naja, vielleicht kann man von einer halben Stunde (sagen wir mal)
zumindest 10 Minuten dafür verwenden.
Im letzten Gedanken-Sprung hab ich versucht, einige für mich wichtige
philosophische Gedanken zu spinnen, die mir auch in
diesem Kreis wichtig sind.
Die Frage etwa nach dem Sinn des Lebens.
Wo liegt er verborgen?
Ich meine, irgendwo in den Kurven, jedenfalls nicht auf der geraden
asphaltierten Sprintstrecke.
Kulturelle Angebote als Möglichkeit sich mit fremden Menschen und ihren
Ansichten auseinanderzusetzen. Nur das Neue
bringt Aha-Erlebnisse, bringt einem weiter.
Leider gibt es zu oft ängstliche Leute, auch in führenden Positionen,
die über Kultur entscheiden. „Kultur? so was brauch
ma ned, denn so was ham ma no nia ghabt“.
- um dann mit ihrer Meinung gleich über deren Bürger mitzuentscheiden.
Ob diese Bürger je ihren Sinn finden?
2:00 Min
Gesamt: 11:30 Min
Start:
22:27:
Aus dem Gedanken-Sprung 8:
„In der Kurve verborgen ...“
5:00 Min
Gesamt: 16:30 Min
Für mich ist das ein ganz wichtiges Motiv:
Das Experiment, sich in verschiedenen Rollen auszuprobieren,
sich zu trauen, in Theater-Rollen, als Sänger, Tänzer oder Musiker vor
Publikum,
sich dabei selbst zu finden, die eigenen Fähigkeiten, die Erkenntnis:
in welche Roille, in welche Richtung will ich
eigentlich?
Das Motiv beim Erdinger Literatentreff war es, im Bereich des
Schreibens, auch der innern Seelenlage ein Angebot zu
schaffen, auch eines der zwischenmenschlichen Kommunikation.
Brücken zu bauen zwischen Alt und Jung, zwischen Rechts und Links,
zwischen Volkstümlich, bayrisch, romantisch, heiter,
ernsthaft,
auch Musik, Kabarett, Theater einzubeziehen,
sich ernsthaft mit grossen Autoren auseinanderzusetzen, Workshops
anzubieten, aber auch der spielerische Umgang mit
Literatur.
Mir macht das Erfinden von witzigen Stories am meisten Spass.
Ich kann hier nicht alles vortragen. Nennen möchte ich ein Interview
mit Esel Max aus dem Erdinger Stadtpark. „Sie sollen
mich besuchen kommen“.
dann aber auch die Mischung, um mit Hilfe einer eigentlich witzigen
Idee ein ernsthaftes Thema anzusprechen.
Ich denke tatsächlich, wenn man etwas bewirken möchte, auch durchaus zu
eigenem Denken anregen, muss man zunächst einmal
populistisch sein – irgendwie kabarettistisch. Unterhaltsam jedenfalls.
Als Beispiel nun meine Komma-Geschichte.
Hier geht es um die Rechtschreib-Reform, damit um den Untergang der
Kommas, und der langen Sätze.
Wie zu Beginn angedeutet: Eigentlich liebe ich lange Sätze, denn sie
stehen für eine komplexe Gedankenwelt, die viele
Meinungen und auch ein Abwägen zulässt. Die Sensibel ist.
Mir ist eine Personen lieber, die nachdenkt, und in Folge dessen zu
langen Sätzen kommt, - damit ohne Kommas nicht
auskommt. Lieber als jemand, der zuschlägt, weil sein Satz ein einziges
Ausrufezeichen ist.
2:00 Min
Komma-Geschichte
Es gab einmal eine Zeit,,,,,,,,, ,,, ,,, , ,,,,,, ,,, , ,, ,,,,,
in der gab es eine riesige Anzahl von Kommas auf der Welt.
In der griechischen Mythologie galten sie als Geschenk Selenes, der
griechischen Mondgöttin an die Freiheit der Dichter,
an die Gedankenkunst der Poeten.
Die Inquisatoren christlicher Klöster betrachteten sie dagegen als
ketzerische Zeugen einer feindlichen, komplexeren
Gedankenwelt.
Viele wurden verbrannt, andere aus den Büchern gestrichen oder
gekreuzt.
Nur wenigen gelang die abenteuerliche Flucht bis in die neue Welt nach
Amerika.
In unseren Landen brachte vor allem die Zeit der Aufklärer, wie
Rousseau, aber auch andere Philosophen, Forscher,
Wissenschaftler, Schriftsteller, ...
welche ewig lange und komplizierte Gedankengänge schufen, und damit
verschlungene Sätze, die Notwendigkeit, auch
hierzulande erst vereinzelt, dann aber immer häufiger, Kommata wieder
einzubürgern ,,,
Als Zeichen der modernen Zeit schien ihnen ein langes Leben sicher,
doch seit kurzem gelten sie erneut als bedrohte Art. Unter dem
Mäntelchen der sogenannten "Rechtschreibreform" haben sich
die Gegner der gekrümmten Zeichen neu formiert. Bald wird es der
fehlenden Kommas wegen in Büchern und Zeitungen der
Übersichtlichkeit halber vermehrt kurze Sätze geben.
In der Literatur wird dies zur "Neuen Sachlichkeit" führen. In der
Politik werden komplexe Sachverhalte, wie das Problem
hoher Arbeitslosigkeit, künftig mittels einfacher Antworten gelöst
werden
- und selbst die F.D.P. träumt von solch populistisch-österreichischen
Verhältnissen, und würde sich zu gerne als
18-Prozent-Partei verkaufen, natürlich auch ohne Komma zwischen den
beiden Ziffern!
Doch noch ist nicht alles verloren. Auch wenn es den Gegnern
tatsächlich wieder einmal gelingen sollte, unsere Zeichen zu
verbieten und zu beseitigen, diese haben sich probeweise bereits in
eine passende Richtung geradeverbogen.
Die mit ihnen verbündeten Philosophen und Geschichtenschreiber haben
mit ihnen den Plan gefaßt, so auch künftig auf jene
Striche zurückzugreifen
- zu mindest in der vermehrten Anwendung von Gedankenstrichen.
2:30 Min
Gesamt: 21:00 Min
Eigentlich komm ich selbst viel zu wenig zum Lesen. Leider. Es gibt zu
viele Dinge, die mich in der Realität halten.
In der Politik. Oft kommt mir komisch vor, dass ich viele Dinge anders
sehe als viele andere. Mir stinkt das gewaltig.
Franz Xaver Krötz hat das zu Theaterstücken animiert.
Mir fallen manchmal comic-artige Zeichnungen ein. Aber ich halte sie
nicht fest, nicht genug fest, denn dann fallen mir
wieder andere Dinge ein. Am liebsten suche ich nach Lösungen.
Mit meiner Partnerin Inna Janssen hab ich in den letzten Jahren eine
Mitfahrzentrale im Internet entwickelt. Es hat lang
gedauert, aber nun ist sie wohl die intelligenteste seiner Art. Auch
dazu kann ich einiges erzählen. Aber das geht nicht,
denn Sie fragen natürlich mit recht, was hat die Konzeptbeschreibung
einer Mitfahrzentrale mit einer Lesung zu tun.
Obwohl solche Details zum Bild des Autors Walter Koppe gehören – ich
fühle mich nur sehr begrenzt als Autor oder Künstler
–
möchte ich nun zum Ende hin doch noch Lyrisches vortragen.
Etwas von meinem Inneren Preis geben. Seelenbilder irgendwie.
Gesamt: 22:30 Min
Ich hielt einen Glücksstreif
Einsamer Pfad
Sternaugen
Zeitenwind
3:30 Min
Gesamt: 26:00 Min
Um die halbe Stunde voll zu machen, sind dann noch möglich:
Eine Geschichte über die verschiedenen Wahrheiten
Wolfsblut
Erding zurückbleiben
Die Gedanken eines Gepäckfahrers
Beiträge als freier Mitarbeiter beim Erdinger Anzeiger
(überleg ich mir noch)