Bereits
zum dritten mal fand Erdings Literatentreff im Atelier von Gastgeberin Sabine
Penzenstadler statt, und war schließlich mit 20 Personen so gut gefüllt, dass
selbst der letzte Sitzplatz seiner Bestimmung erlegen bzw. ersessen war.
In seiner Einführung verwies Walter Koppe noch mal auf Sinn und Philosophie der
Treffen. Einerseits möchte man für jeden offen sein, um Interessierten
Möglichkeiten der schriftstellerischen aber auch rhetorischen Entwicklung zu
bieten, andererseits auch anspruchsvolle öffentliche Lesungen anbieten, um die
errungenen Qualitäten dann ganz prakitsch auch präsentieren zu können. Das
nächste Treffen am 04.11. im Röckelturm in Landshut sei dafür ein Beispiel,
so Sibylle Böhmer-Rawas. Hier wird ein festes Programm geboten, auf dem sich
acht Autoren präsentieren, mit einem klassischen musikalischen Rahmen.
Der Kreis der
Vortragenden begann mit Marta Melniczuk. Nach ihrer Ausstellung im Rathaus von
Ebersberg und der Buchpräsentation "Geh-Dichte" versucht die
Deutsch-Ukrainerin derzeit den Wandel von der Lyrik hin zur Prosa.
Ihr Text "Eine Frauenhand" führt ins ehemalige Kriegsgebiet Jugoslawiens. Eine Liebesbeziehung
zerbricht im Kugelhagel.
Der Dichtkunst
dagegen weiter treu bleibt Wolfgang Ammer. Kaum daß sein erstes Büchlein
"Bayrische Vampire" im Verlag M. Naumann erschienen ist, präsentiert
der Mundartdichter im Atelierhaus schon wieder Neues, auf gewohnt heiter bis
witzige Art.
Am 13. Januar revanchiert sich der aus Haag an der Amper
stammende Autor mit einem Heimspiel. Zur Lesung in der Schulaula seiner
Heimatgemeinde ist der Erdinger Literatentreff geladen; zu einer ähnlich
bunten Veranstaltung wie in Landshuts Röckelturm.
Veit-Peter Walther aus Fürstenfeldbruck, einen guten Landkreis Amper-Stromaufwärts
folgt mit "Fremde Schiffe im Hafen", wobei dem stimm- und wortgewaltigen
Poetry-Slam-Sieger eine seltene Einheit von Texthandlung und Sprachrhytmus gelingt.
Manfred
Trautmann, aus zahlreichen satirischen Lesungen bekannt, läßt seine „Tante
Anne“ folgen. Die schrullige alte Dame aus Eitting hat sich im Gespräch 20
Sekunden dauernde Pausen angewöhnt; exakt so lange, wie ein Jet braucht, bis er über den Ort gedonnert ist.
Nach
der eindrucksvollen Schlußszene mußte tatsächlich eine Pause folgen. Diese
hielt genau so lange, bis der an jenem Airport beschäftigte Bruno Neri am
Rednertisch Platz nahm. Der in Langenpreising ansässige schildert eine ganz spezielle Sehnsucht,
die ihn umtreibt und eben
nur die Lippen einer sinnlichen Frau auslösen kann. Wieso nähert er sich ihr nicht ganz
einfach fragt man, doch das Problem ist gar nicht so einfach zu lösen...
Eine
ganze Reihe von Eindrücken hat die gastgebende Künstlerin Sabine
Penzenstadler von ihrer Reise nach Peru mitgebracht, klappt den wie eine
Ziehamonika funktionierenden Skizzenblock auf, stellt ihn auf den Schreibtisch
und
beginnt aus ihrem Tagebuch vorzutragen. Sie sucht den geheimnisvollen Ort mit
seinen Bergen und Plätzen zu beschreiben, läßt die Runde an ihren
Eindrücken teilnehmen, die
sie zu neuen Werken veranlaßt.
„Jedem
Abschied liegt ein Anfang inne“. Das Zitat von Hermann Hesse gilt derzeit
ganz besonders für Ludwig Zaccharo.
Da der
Freisinger derzeit für sich keine Perspektiven in Deutschland sieht zieht es
ihn für eineinhalb Jahre als Entwicklungshelfer nach Afrika. Das
„Aussteigen“ ist der Autor von „Achava – wir kommen wieder“ immerhin
schon gewohnt, und so trägt er ein Kapitel aus seinem autobiografischen Roman vor.
In diesem erfährt ein Spezl von dem anderen von einem paradiesischen Ort, und
der kann es kaum erwarten diesen Ort zu finden. Doch ernüchtert kehrt er nach Hause zurück
...
Zahlreich
sind die Wege und gemachten Erfahrungen, die das Leben mit sich bringt, und gerade
an diesem 45. Treffen im Atelierhaus in Erding bot das Mittel von Kunst und
Literatur eine Reihe eindrucksvoller Wege und Pfade, einen guten Ausschnitt lebendig
und anschaulich darzustellen.
Speziell
für die 9. Ausgabe der Literatenzeitschrift „Gedanken-Sprung“ werden
weitere solche „Wege“ und Eindrücke gesucht, Wege nach Innen oder Außen,
Wege in Textform, aber auch als Illustration.
Am
02.12. soll das Ergebnis im Rahmen eines literarisch-bunten Programms mit
Vernissage aller beteiligten Künstler in „Galerie & Wein“ in
Taufkirchen der Öffentlichkeit präsentiert werden.