23. Literatentreff in Dorfen
mit Präsentation mit Gedanken-Sprung V

Um Viertel nach 8 etwa waren die letzten Freunde der Heimstettener Plattform in Jane Cloustons Bücherei eingetroffen, und verpaßten so knapp die einleitenden Worte von Walter Koppe und Thom Delißen (hier), die sich, nach Verteilung der ersten ca 40 Exemplare der neuen Ausgabe von Erdings Literatenzeitschrift "Gedanken-Sprung" an die Anwesenden wandten.

Dialog und Kommunikation forderten die beiden in ihren Ansprachen, berührten dabei ohne Scheu das etwas gespannte Verhältnis zu den Kulturträgern der Stadt Erding.
Nach kurzer Hinterfragung der Situation war man sich allgemein im Klaren darüber, daß der weitere Weg nur in Form einer gesprächsbereiten Zusammenarbeit begangen werden kann, die Literaten hierzu auch weiterhin jederzeit offen und empfänglich seien.

Wolfi Hofer aus Niedergeiselbach machte sodann den Anfang , eröffnete den Reigen der vortragenden Literaten. "Gedankensprung" so hieß einer seiner Texte, welchen er kunstvoll aus Wortfetzen zusammengeschweißt hatte, welche er beim letzten Literatentreff gesammelt hatte.

Brian Burger ließ in die Abgründe der Seele eines Drachen blicken; Bruno Neri las sein für eine Anthologie des Deutschen Buchhandels vorgeschlagenes Gedicht "Kinderstimmen", und ließ mit dem Text "Ein Glas Wasser" eine sensible Beschreibung italienischer Lebensgefühle folgen.

Bayerisch erheiterndes war angesagt, als Wolfgang Ammer in dem großen Korbstuhl Platz nahm, zu dem sich an diesem Abend alle Vortragenden begaben.
Er philosophierte über Apfelkuchen, der vor lauter künstlichen Bestandteilen gar keinen Apfel mehr benötigt; zweifelte zynisch die Wahrheit hinter den Geschichten über einen herrlichen Urlaub an.

Sibylle Böhmer-Rawas trug zwei ihrer Gedichte vor, flammende Anklagen gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhaß. Schließlich einen ihre Enttäuschung über deutsche Touristenmentalität nicht verbrämenden Text über eine Reisegruppe in Indien, dem Land, aus dem sie erst vor kurzem von einer Studienreise zurückgekehrt war.
Eine Diskussion um den Sinn von Bildungsreisen in Dritte-Welt-Länder entspann sich;
und Thom Delißen hakte mit seinem provozierenden Text "Wer zoid schafft o" ein, stellte mit seiner Proklamation, die Realität der Demokratie in Frage.
Nachdem er ein bedrückendes Textbild dreier Personen in einem Keller "Der letzte Herbst" vortrug, schloss sich ein intensives kontrovers und ideenreich geführtes Gespräch über die Möglichkeit und die Art einer möglichen militärischen Katastrophe an.

Die dunkeln Wolken verscheuchte die Dorfenerin Betti Simmerl.
Mit "Mathilde unterm Dach" trug sie ihre Erzählung vor, wie sie mit viel Liebe und Geduld einem Taubenpärchen bei der Aufzucht ihrer Jungen geholfen hatte.

Nach einer ausgiebigen Pause mit ebenso ausführlichen Gesprächen und Diskussionen las der junge Erdinger Schriftsteller Wolfgang Böcker passend zur bereits fortgeschrittenen Stunde seine Erzählung "Eine Geistergeschichte" vor.
Sie handelt von einem Mann im Schaustellermilieu, der durch eine seltsame Trauer in diesem unserem Leben gefangenhalten wird, und erst als er in einer Kirche eine Vision hat, von seinem irdischen Dasein erlöst wird, und sich in Nebel auflöst.
Manch kalter Schauer, und Gespräche, nun über Religion, Philosophie und Übersinnliches, aber auch über Träume folgten.

Durchaus in diese Stimmung passend, las im Anschluß Christian P. Hartl ein spannendes Teilstück aus seiner Trilogioe "Die Sage von Xyr";
ein Mann verwandelt sich in einen Adler, erlebt die Freiheit der Winde und strebt mit all seinen Kräften einer auf einem hohen Berg gelegenen Burg zu.

Das Ende machten kurze Texte von André Körber, einem in Brasilien arbeitenden Deutsch- und Englischlehrer.

Nach einem Gruppenfoto der noch anwesenden Autoren durch die Pressevertreter von SZ und EA löste sich das Treffen gegen Mitternacht auf.
Zufriedenheit und Erleichterung bei den Mitwirkenden wegen des gelungenen Abends.
Und immerhin: auch ein neuer "Gedanken-Sprung" ist geboren.

TD 2002 .

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