Beim 25. Erdinger Literatentreff
trennen über sieben Jahrzehnte den jüngsten vom ältesten Autor

Das Herbstlaub schimmert bunt derzeit im nahem Stadtpark. Einige dieser Blätter hatte man mit poetischen Mitteln in Erdings Fischers Seniorenzentrum getragen, flatternde Papierdrachen hinein in den Herbstwind steigen lassen.
Knapp Dreissig Gäste waren dem Weg zum herbstlichen Treffen der Erdinger Literaten gefolgt; ein Drittel der Anwesenden aufgeschlossene Senioren.
So entwickelte sich der Abend, mit und über die vorgetragenen Texte zu einem selten fruchtbaren Dialog zwischen den Genrationen, einem interessanten Austausch unterschiedlichster Gesellschaftströmungen und geprägter Erfahrungsidentitäten.
Ein farbiger Regenbogen entspann sich vom manchmal etwas wehmütigen Blick der Senioren zurück, der allerdings auch Humorvolles barg, bis hinüber zur positiv geladenen Vision von manch Jungautoren, oft mit viel Phantasie die Zukunft beschreibend.
Nach den einleitenden Worten von Moderator Walter Koppe begann die Reihe mit der 88-jährigen Helene Niedermeier.
Anekdoten, unter anderem über das frühere bäuerliche Leben, trug die älteste der rüstigen Bewohner des Seniorenheims aus ihrem im Selbstverlag erschienenen Buch vor.
Wolfi Hofer ging es nach einem subtilen makabren und doch humorvollen Gedicht über die Kontrollen am Flughafen-Check-in um Gräber und das "Sanfte Entschweben".
Der agile, 82-jährige ehemalige Schnitzer Johann Eisenburger, der sich seit geraumer Zeit der Literatur widmet, schloss sich der Stimmung an, las aber auch Witziges aus seinem Gedichtband.
Jung wechselte mit Alt: Brian Burger, der Heimstettener Theaterphilosoph, sang zu aller Überraschung nach dem Vortrag zweier Gedichte mit voller Stimme ein Valentinsches Lied, "Romanze in C Moll".
Während sich kreativ und gut auflegt wie immer Wolfgang Ammer mit zwei humorvollen Gedichtblättern präsentierte, gab sich Thom Delißen pathetisch süß, indem er die Begrifflichkeit "Poesie" anschaulich werden lässt, und erntet anschliessend mit der ein wenig Sarkasmus fettleibigen Türkeitouristen gegenüber anklingen Kurzgeschichte "Erdbeben" einen Überraschungseffekt.

Nach manch persönlichem oder organisatorisch wichtigem Pausengespräch kam die Reihe an die Siebenbürgerin Seniorin Mader; Kindheitserinnerungen trug sie aus ihrem, ebenfalls im Selbstverlag erschienen Buch vor.
Der gebürtige Westfahle Wolfgang Böcker jun. gab sich diesmal philosphisch; den Geschichten zum November läßt er die Gedichte "Erinnerungen" und "Fragen" folgen.
Christian P. Hartl, Autor historischer Phantasieromane, hat den Weg zur realen Welt gefunden, schwärmerisch versteht er seine Zukunftsvisionen als Kontra zu Bekhs düstrem Beitrag im aktuellem "Gedanken-Sprung".
Hier wiederum widersprach die Siebenbürgerin Gierlich, die das Leid der Kinder und Mütter und die ungeheure Verschwendungssucht der modernen Zeit beklagt.
Nepomuk Hauser, mit 17 Jahren der Jüngste im Kreis, setzte dem noch einen drauf, in dem er hinter dem Lesetisch einen kurzen prägnanten Text folgen läßt, eindringlichst zur Versöhnung zu mahnen: "Frieden für Palästina" seine Forderung.
Den vom Austausch der Generationen geprägten Abend beendete die bekannte Dorfener Mundartdichterin Betti Simmerl, in dem sie versöhnend mit einem Herbstgedicht und kurzweiligen Erzählungen aus ihrer Jugend auf dem Land für die letzten Farbtupfer des Abends sorgt; an einem Abend, zu dem gleich eine ganze Schar weiterer Schreibender auch für Erdings nächste Ausgaben der Literatenzeitschrift "Gedanken-Sprung" gewonnen werden konnte.

Ausgemacht gilt sogleich für 19.12. eine weitere, diesmal weihnachtliche Lesung im Fischers Seniorenheim
- Ein weiterer Austausch auch gegen das weit verbreitete Kästchendenken, so die Initiatoren.


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