Wir haben längere Zeit durchaus kontrovers diskutiert, ob es unsere Aufgabe als Erdinger Literatentreff ist, Werke fremder Autoren hier in unserem Kreis zu behandeln.
Sind übereingekommen, dass dies eher die Ausnahme bleiben soll, doch hin und wieder ist es nicht bloss ein Farbtupfer mehr, der unsere Bandbreite erweitert.
Ist es nicht grade unsere Offenheit, sowohl bezüglich Textrichtungen, Lokalitäten, Typen, Generationen, die uns auszeichnet?
Lernen wir aus dieser Buntheit, und strecken unsere Fühler dann und wann auch in Randbereiche aus.

Auf Kipphardt bezogen liegt dieser Randbereich nicht weit von hier, denn er lebte die letzten Jahrzehnte seines Lebens nur wenige Kilometer entfernt,
vor allem denke ich, er wäre vielleicht einer von uns geworden, denn er war einer, der hier in diesem Umfeld Augen und Ohren offen hielt, und unsere Versuche sicher mit Sympathie begleitet hätte.

Ich kann mich noch erinnern, an die wöchentlichen Mittwoch-Treffen der Erdinger Grünen im inzwischen genauso legendärem Gasthaus Zum Hirschwirt; es war eine höchst lebendige Zeit mit genauso legendären Protagonisten wie den Leutners etwa, kreative Köpfe, die mit ihrer ehrlichen Art andere begeistern konnten. In den frühen 80ern wurden in Erding nicht nur Ideen besprochen, Projekte wie "Tagwerk" lernten hier das laufen. All das machte mir einfach Spass.
- und auch jener etwa 60jährige Herr mit dem eigentlich eher bayuwarisch-ländlich-rustikalem Aussehen, dem dann allerdings sein norddeutscher Dialekt als doch nicht wirklich Einheimischen verriet schien von dem kreativen Haufen fasziniert, er sollte ein regelmässig wiederkehrender Gast werden.
Regelmässig - Jedoch nur für einige Monate.
Irgendwann war jener Herr mit Hut und dem dunklem Jagdhund nicht mehr gekommen, der gross gewachsene Sohn holte ihn nicht mehr ab, der dunkelgrüne Geländewagen wartete nicht mehr draussen vor der Wirtschaft.
Er kam nie wieder.
Ich wollte damals diese persönlichen Erinnerungen an Kipphardt, die wenigen Eindrücke vertiefen, wollte wissen, um wen es sich da gehandelt hatte; doch „März“, eines seiner bekannten Werke war mir damals, nach der Hälfte der Seiten, zu anstrengend, irgendwo liess ich das Buch liegen, irgendwann vergass ich Kipphardt.

Um so mehr freut es mich, 20 Jahre später mein ganz persönliches „Buch“ heute doch noch irgendwie beenden zu können.
Denn natürlich haben manche viel bessere und intensivere Erinnerungen an Kipphardt und dessen Werk, und sind auch weit besser berufen, Heinar Kipphard vorzustellen.
Herzlich willkommen: Peter Heim.