Krieg oder Frühling?
30. Erdinger Literatentreff in Dorfens Buchhandlung bei Jane Clouston


Eigentlich hätte man das alles auch im Laufe eines Monats erreichen können, meinte Walter Koppe, um zu Beginn auf das Jubiläum des 30. Treffens anzuspielen.
Wenn man bedenkt, welche Entwicklung sich seit den Anfängen ergeben hat, z. B. mit dem "Gedanken-Sprung" gleich eine eigene Literatenzeitschrift entstand, weiß man, daß dies nur ironisch gemeint sein konnte.

Thom Delißen, Chefredakteur der Zeitschrift, nahm den Faden auf, knüpfte an die Tatsache an, daß dies das erste Treffen während eines Krieges sei, und beschrieb das eigene Unwohlsein. Er stellte die Erde als Bühne für ein Weltuntergangsszenario dar, stellte in den Raum, dass der aktuell grassierende Lungenvirus gut in dieses Bild passen würde.

Wolfgang Hofer, der zum ersten Mal die Moderation übernahm, berichtete von künftigen Aktivitäten. So sei man z. B. am 30. Mai im Rahmen einer Benefizveranstaltung des Flughafenvereins "Mit Sicherheit für eine Gute Sache" mit eigenen Auftritten in Erdings Stadthalle präsent, zu der man noch Teilnehmer sucht. Mehr als die Hälfte der Anwesenden trug sich auf der Aktivenliste ein.

Sibylle Böhmer-Rawas sprach das heikle Thema der Finanzen an. Um die weiteren Ausgaben der Zeitschrift finanzieren zu können, sei die Solidarität der Anwesenden angesprochen.

Um Zwanzig Minuten nach Acht fängt Betty Simmerl aus Dorfen den Ball auf und setzt sich in den Lesesessel zu einem Heimspiel.
Mit blumigen Worten, teils im Dialekt führt sie die etwa 20 Zuhörer in ein Universum voller, leider vergänglicher Löwenzahnblumen, skizziert noch einmal die Vergänglichkeit im schnöden Tod eines Schmetterlings an der Windschutzscheibe eines Autos, bevor sie zum ernsten Teil ihrer Lesung kommt.
"Probealarm", ein autobiographisches Wortgefüge über die Zeiten des 2. Weltkrieges, - der Text über die Flucht in Bombenschutzbunker erhält durch die momentanen Geschehnisse erschreckende Realität.

Mit brennenden Worten führt Sibylle Böhmer-Rawas das Thema weiter, beschreibt die bis in die Gegenwart reichende Traumatisierung eines Kriegskindes, das die erfahrenen Schrecken ein Leben lang nicht verwinden kann und letztlich als nervliches "Wrack" ("Das Wrack", - so der Titel der Story) endet, und woran sich eine intensive Diskussion über den Krieg und Kriegserlebnisse anschließt.

Dann hat Lea Tomaschowski ihren ersten Auftritt im Kreise der Literaten.
"Der Träumer" so nennt sie ihre Kurzgeschichte über das Leben einer kleinen Katze, die von den Geschwistern getrennt und in eine andere Umgebung gegeben wird.

Die Zeit ist rasend schnell vergangen, man erinnert sich der Flasche Pro Secco, die zu dem feierlichen Jubiläum des Literatentreffs gekauft worden ist und legt eine Pause ein. In der Zwischenzeit ist Peter Hackel, der auch aus Dorfen stammende virtuose Gitarrist eingetroffen. Nachdem die von Jane Clouston liebevoll hergerichteten Brötchen zum großen Teil vertilgt sind und ein Dreißigfaches Hoch auf den Erdinger Literatentreff ausgebracht ist, eröffnet er mit einer melodiösen, komplizierten Melodie von Baden Powell, einem südamerikanischen Kollegen, den zweiten Teil der Lesung.

Christian Hartl, zum allgemeinen Staunen in einem Jeansrock, philosophiert passend zu seiner Bekleidung, über die Irrwitzigkeit von Konventionen und Vorurteilen der Gesellschaft, gerade wenn es um ihre Kleiderordnung geht.
Als Mann einen Rock zu tragen, sei eine Methode sich dagegen zu wehren. Q.ed.

Bruno Neri führt uns in einen Garten am Meer, lässt Zitronenbäume duften, geleitet uns in die Träume eines italienischen Landarbeiters.

Auf der Suche nach Typen und deren ihnen eigenem Lebensgefühl ist Thomas Ponten. Mit etwas bitterem Humor beschreibt er einen kurzzeitig trockenen Alkoholiker, der nach diversen Zwischenfällen feststellt, dass für ihn die Trinkerei und Fernsehschauen untrennbar zusammenhängen. Ein weiterer Text trägt den Titel "erfroren in Berlin".

Erneut greift Peter Hackel zur Gitarre, eine brasilianische Variation von "Masurka" erklingt.

Horst Theiss aus Taufkirchen, schon bei mehreren Treffen dabei, erklärt humorig "was in Bayern a Hund is, a verreckter gar."

Mike Landau setzt sich in den Lesethron und referiert, ein wenig zynisch, gar nicht prüde, über Uschi und Muschi, wobei sich im Laufe des Textes herausstellt, dass letztere lediglich ein harmloses Kätzchen ist. Ein weiterer Text, "Jahre später", folgt.

Nachdem mit Erna Anders' Gedicht "Lenz" mit den grünen Blumenfeldern der Frühling und die Hoffnung einzieht, stimmt noch einmal Peter Hackel seine Gitarre und überrascht mit einer Eigenkomposition "Hommage an Baden Powell".

Den Schluss macht Thom Delißen mit dem Wortbild "Die Quadratur des Kreises" in dem er versucht, die innersten Anliegen eines Mannes auf einen Irrweg durch eine verschneite Moorwaldlandschaft zu projizieren.

Der Abend findet sein Ende, auch wenn sich noch längere Zeit in kleinen Grüppchen eifrig unterhalten wird.

Das nächste Treffen ist für den 08. Mai im Atelierhaus in Erding geplant. Die neue Ausgabe des Gedanken-Sprung wird präsentiert werden, zu diversen künftigen Events kann man sich noch beteiligen.

Vorbestellungen oder Abonnements jederzeit unter lited22@yahoo.de


Die nächsten Termine von Erdinger Literatentreff & Friends:

25.04., 19.30 Uhr: Plattform in Heimstetten
08.05., 19.30 Uhr: 31. Erdinger Literatentreff, wahrscheinlich im Atelierhaus (ist noch zu klären)
30.05.: "Mit Sicherheit für eine gute Sache" Beteiligung in Erdings Stadthalle


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