.37. Erdinger Literatentreff
. in Wartenbergs Mediothek


"Achava - Wir kommen wieder" von Zaccaro Ludwig,
erschienen im Magic Verlag, ISBN 3-936935-11-4
Siegi Unterhubers Bemerkung, das Haus stecke voller Abenteuer bezog sich anfangs wohl auf die Qualität des Hauses, als Ort von Harry Potter und Co. Am Ende des Abends konnte diese Bemerkung des Hobbyautors aus Schwindkirchen sicher auch für das mittlerweile 37. Treffen gelten, nebenbei bemerkt auch auf die geheime Weise, wie Unterhuber der Runde entschwand.
Kennzeichnend für die Treffen ist das stete Auftauchen neuer Gesichter, Namen und damit auch Qualitäten. So war mit Friedeborg Stisser (siehe unten) zum ersten Mal eine Autorin mit in der Runde, die sich u. a. mit einem Märchenroman einen Namen machen konnte. Mit "Die gläserne Kugel" war sie zuletzt z. B. mit Lesungen auf der Leipziger Buchmesse vertreten.

In den nächsten Wochen geht es innerhalb eines Autorenforums mit Workshops über Prosa und Lyrik nach Nürnberg. Eine andere Besonderheit der Treffen, das Wechselspiel zwischen professionellen und Hobbyautoren, und der Möglichkeit, sich von grossen Namen inspirieren zu lassen, um daran zu wachsen.
Dies merkt man etwa bei Erna Anders. Durchaus gekonnt variiert die Erdingerin inzwischen ihre Texte. Bei der munteren Beschreibung der Dorfener Duid etwa verwendete sie den Dialekt ganz gezielt als Gewürz, um so näher inmitten des bunten Treiben zu sein.
Anders Unterhuber: Im Anschluss an seine kurze Selbstbetrachtung im Spiegel sowie der Identifizierung mit einer glimmenden Zigarette folgten lebhafte Diskussionen, ausgelöst etwa von Franz Tomaschowski über die Berechtigung moralisierender Texte.
Mit einigem Stolz präsentierte dann Ludwig Zaccharo seinen eben erschienenen Roman "Acavar - Wir kommen wieder" Der Freisinger beschreibt den realen Ort Soria auf den Kanaren, in dem sich in den 80ern eine Gruppe unterschiedlicher Personen zusammengetan hat - auf der Suche nach einem alternativen Leben. Die wirklichen Begebenheiten und die Tiefe der Eindrücke, wie der menschlichen Beschreibung des Pokerspielers Willi und dessen letztendlichen Untergang böten reichlich Potential für eine Verfilmung, dies die Meinung vieler der Anwesenden.
Dass der Vorsitzende des Reitvereins Taufkirchen ausser Vierbeiner auch den Schreibstift richtig zu halten versteht, zeigte er schon des öfteren. Passend für die Zeit um Allerheiligen trug er eine Grabrede vor, mit dem er einen Vereinskameraden ins "himmlische Reitstüberl" verabschiedete. Vielleicht als Tip für nicht allzu ernste Trauerreden - der Anlass ist traurig genug!
Rege Gespräche zwischen den Texten: v.l.: Neri, Stisser, Unterhuber und Theiss
Passend auf die Grabrede von Theiss der Text von Sibylle Böhmer-Rawas, in der ihre Träume die Zeit anhalten, als sie die Nachricht vom Tod ihres Chefs trifft, und damit gemeinsame Erinnerungen zum Leben erwecken. Beinahe abenteuerlich und skuil, ja ins Groteske und Absurde umschlagend die hektische Suche nach dem richtigem Friedhof und dem richtigen Trauerzug.
Der ehemalige Kollege Bruno Neri lächelte wissend, denn er war in diesem Text einbezogen; liess im Anschluss seine Kindheit lebendig werden, als er in den Engen Gassen seines Geburtsorts sich in einen Zehnjährigen wandelt, ein Erlebnis vor seinen Augen aufsteigt: ein Mädchen in Todesgefahr. Doch der Faden reisst, denn der erwachsene Neri findet die Athmosphäre nicht mehr vor; der Stadtteil von damals zerbröckelt, von tristen Neubauten umgeben, die wenigen Türen sind verschlossen ...
Als Verfasser bedeutender Texte, die niemand braucht, so Ammer über Ammer, hat sich der Mann von der Amper einen Namen gemacht, und bringt in seiner gewohnt humoristischen Art häufig das Gegenteil, nämlich Texte mit hintersinnigen auf den Punkt gebrachten Aha-Erlebnissen. Etwa wenn er feststellt, dass man die Vorweihnachtszeit noch weiter nach vorne verschieben sollte, dann stünden die Schokoladenweihnachtsmänner irgendwann wieder rechtzeitig in den Ladenregalen.
Die Vielfalt und Buntheit der Treffen soll sich auch beim nächsten Literatentreff am 04.12. in der forensischen Klinik des Bezirkskrankenhauses Taufkirchen fortsetzen; dann vor knapp hundert vorwiegend weiblichen Zuhörern, wobei es ganz wichtig ist, die Patientinnen als aktiv Mitwirkende einzubeziehen, um ein Fenster in der geschlossenen Einrichtung zu sein. Deshalb wurde auch mit "Integration" das Hauptthema der im Januar erscheinenden Nr. 8 der Literatenzeitschrift Gedanken-Sprung nicht ganz zufällig gewählt, so Walter Koppe vom Erdinger Literatentreff.
Und auch ein Workshop des Kreativen Schreibens ist geplant. Zu einem Samstagvormittagskurs im Januar mit Wolf Schneider können sich noch weitere Interessierte melden, und zwar über Petra Neumayer, Tel. 08083/9477.

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