Lauf so schnell Du kannst, Herr Fischer, - ich bin neben Dir!
(Thom Delißen: 23.01.01.)
So bemerkt der Mensch, daß er seiner Identität, die sehr wohl aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besteht, nicht entkommen kann, ja, daß dieselbe durch Öffentlichkeit und Publikationen, genauso, wie durch Verfälschung und Verschleierung fast nach Belieben manipuliert werden kann.
Sicher ist, daß das Individuum selber gewiß großen Einfluß auf jedwede Verzerrung dessen, was es sich als Image geschaffen hat, besitzt, genauso sicher jedoch, daß selbst die Vergangenheit, als feststehende Tatsache, nach Belieben in diesem oder jenem Licht gesehen werden kann und wird, sie zu drehen und zu wenden, schlicht sie in die gewollte Form zu pressen, eine reine Frage des Machtpotentials ist.
Sicher spielt auch die Stabilität, die wahre (was für ein hehres Wort!) Größe der geschaffenen Persönlichkeit eine Rolle, - wen würde es heute tangieren, wenn Einstein schwul gewesen wäre, oder Brandbömbchen auf seine ideologischen Widersacher geworfen hätte?
Der Erfolg, die geschehene Tat zählen, - und da tun sich wohl einige unserer politischen Personen der Öffentlichkeit, welcher Gruppierung auch immer, reichlich hart.
Nichtsdestotrotz muß man hinzufügen, daß eine realistische Form der Auseinandersetzung mit der jeweils momentanen Gegenwart, mit politischen Strömungen, gesellschaftlichen Zielen und den verschiedenen Formen der Versuche diese Strömungen in Kanäle zu leiten, diese Ziele zu erreichen, ein immens wichtiger Faktor zur Erlangung eines glaubwürdigen Images, eines Persönlichkeitsbildes, daß auch durch geballte Säureangriffe von mit unglaublicher Macht ausgestatteten potentiellen Gegnern im Geiste nicht zu beschädigen oder gar zu zerstören, negativ zu verändern ist.
Doch im Gegensatz zu einer aus Erleben und Wissen und Erfahrung entstandenen Persönlichkeit, ist die öffentliche Meinung, die diese Persönlichkeit ja in jeder Weise trägt, eine Figur aus frischem Lehm, aus Plastilin, - und die Zeitspanne, die vergeht, bevor die Masse, aus der diese öffentliche Meinung besteht, sich verhärtet und, in welcher Form auch immer, Zugang zu Bestand und Dauer hat, enorm groß ist. Es sei denn, das Machtpotential, das aufgewendet wird, das ungebrannte, ja sogar das schon gebrannte Figürchen zu verändern, ist so groß, daß die ?physikalischen? Tatsachen einfach an Bedeutung verlieren, ja, nicht mehr existieren.
Die Figur der Öffentlichkeit, der Meinungsträger kann, bis hin zur martialischen Unkenntlichkeit nach Belieben verändert, oder eben ganz einfach zu einem bedeutungslosen, kleinen Häufchen ohne Form und Aussage transformiert werden.
TD Textdesign 2001