Auch wenn man Frau Dr. Poeschl, KV-Vorsitzende im Bund Naturschutz das lachende Auge nur schwer ansieht, versucht sie auch dieses manch bösem Spiel zum Trotz stets abzugewinnen.
Natürlich weis sie, daß man den Aktiven gegenüber auch gewisse Erfolgserlebnisse schuldig ist;
und natürlich auch, daß der überalterte Kreis der Aktiven einer Blutauffrischung dringend bedarf, grade um die diversen Aktionen auch weiterhin ausführen zu können. Doch wie stellt man das an?
Der derzeitige Hoffnungsschimmer kommt aus dem Ortsverband Dorfen, der wieder aus dem Schlaf erweckt wurde - wohl auch dem Kampf gegen die Isentaler A94-Trasse zu verdanken.
Und es ist erstaunenlich, mit welchem Elan, aber auch Sachverstand die Gruppe um Heiner Müller-Ermann, Jakob Baumgartner oder Wolfram Honsberg, um nur einige zu nennen, ihre Argumente gegen diese von "oben" favorisierte Strecke vorbringen; ebenso logisch wie Poeschl, doch mit unendlich mehr Kraft, Mut, Klarheit, Selbstsicherheit. Und ganz wichtig: auch zuhören und auf Leute zugehen könnend!
Müller-Ermanns Argumente treffen wie Pfeile, zielsicher den schwarzen Punkt in der Mitte anvisierend. Und es passen denn auch jene "Neunundneunzig Prozent", mit denen er sich des Urteils sicher sei - Dorfen, das Dorf der Gallier in tiefer Erdinger Provinz gegen die mächtigen Römer aus München.
Nun, zwar haben die Dorfener keinen Zaubertrank aus ihrem Städtchen in die erlahmte Landkreismetropole mitgebracht, doch immerhin Hinkelsteine. Naja, zumindest beinahe; denn diese bildhafte Sprache paßt tatsächlich zur Dorfener Gruppe; die in Körben "Steine des Anstoßes" zum Kauf feilhält, um damit einen Teil der Prozesskosten für den Kampf gegen die Trasse zu finanzieren.
Andreas Hartl, ebenfalls aus Dorfen, paßt gut in diese Gruppe hinein. Seine Leidenschaft für ökologische Zusammenhänge hat der Mann aus dem Rathaus in Jahrzehnten mit der Fotokamera gesammelt und auf Dias festgehalten.
Faszinierend und lebendig sein Vortrag und seine Ausflüge ins Isental, an den Thenner Weiher aber auch in Richtung Inn oder Chiemsee. Abenteuerlich und häufig fremdartig wirkt das Reich unbekannter und seltengewordener Tierwelten.
Wenn sich z. B. bis zu 500 Frösche in einem Waldtümpel von kaum 10 m² zum laichen begeben. Immer wieder faszinierend, das Entstehen und Verwandeln der Lebensformen, vom Laich zur Kaulquappe, zum Frosch. Und dann wiederum auch sehr menschlich: das Werben der Männchen. Welch unterschiedliche Formen und Strategien doch das Leben entwickelt hat. Die einen Arten tun das in hartem Kampf - manchmal frißt der Stärkere den Mitbewerber einfach auf; oder mit friedlichen Werben, bei Fröschen etwa, mit lärmenden und teils gar brüllenden Tönen; andere beeindrucken mit Gesang oder Farben.
Man stellt Parallelen zu Menschentypen fest - und läßt sich plötzlich viel lieber als "bunter Vogel" titulieren.
Hartl stellt uns verrückte, noch nie gesehene Tiere vor, die aber tatsächlich in unserer Nähe existieren;
100-Millionen Jahre in etwa gibt es den Triops praktisch unverändert in unserer unmittelbaren Umgebung, und es gab nie eine Notwendigkeit für ihn, sich im darwinistischem Sinne weiterzuentwickeln.
Ist sich der Mensch eigentlich bewußt, was er dagegen grade derzeit in wenigen
Jahrzehnten mit seiner Umwelt anrichtet; vieles unwiderruflich zerstört?