Ende Juni gab es auf Erdings Stadtmauerfest ein erstes Treffen zwischen Mitgliedern des Erdinger Literatentreffs und der Friedensinitiative Bad Tölz / Wolfratshausen.

Am Samstag den 29.06. 2002 trafen wir uns mit Thomas Krahe (2. Bild) und Helmut Groß (3. Bild) von der Friedensinitiative aus Bad Tölz.
Im Gespräch, bei der Vorstellung eigener Ziele und deren Verwirklichung, wurde klar, dass die Arbeit der Friedensinitiative durchaus parallel zu den Intentionen der "Erdinger Literaten" läuft.
In erster Linie geht es um das Interesse, ein Netzwerk aufzubauen.
Die verschiedenen, in allen Winkeln des Landes verteilten kleinen Grüppchen von Initiativen und innovativen Menschen zu einem Netzwerk zusammen zu weben.
Viele nicht sehr große Vereine und Interessengemeinschaften bestehen, es gilt sie zu verbinden.
Kommunikation ist der Schlüssel, ist das Zauberwort.
Informationen weitergeben, veröffentlichen, die einzelnen Gruppierungen zu motivieren sich zu öffnen, der breiten Bevölkerung Zugang zu Perspektiven dieser Welt, dieser Gesellschaft zu bieten.
Hier eignet sich natürlich hervorragend das Internet.
Was jedoch auch selbstverständlich klar wurde, ist, dass das Netz keineswegs die persönlichen Kontakte ersetzen kann, fruchtbare Diskussionen entstehen doch wohl eher im menschlichen Miteinander.

Thomas Krahe:
"Unsere Arbeit konzentriert sich dabei auf die Information über Hintergründe von Krisen und Konflikten auf der Welt und der Werbung für gewaltfreie Lösungsmöglichkeiten.
Wir möchten Gerechtigkeit schaffen in Hinsicht gleicher Möglichkeiten und Zugänge aller Menschen zu wesentlichen Lebensgrundlagen, wie gesunder Natur, Einkommen, Bildung und Mitbestimmung. Wir kritisieren die ausgeübte Praxis der Globalisierung. Eine Abwendung von rechtem Traditionsdenken, Rassismus und Ausgrenzung, ein Überwinden von Gewalttendenzen in der Gesellschaft.
Ein Werben für Friedenserziehung.
Wir wollen an einem grundlegenden Wertewandel in der Gesellschaft arbeiten. Wir vertreten die Prinzipien von Vergebung statt Vergeltung, konstruktive Problemlösung statt Recht des stärkeren, Teilen statt horten, soziale Verantwortung und Gemeinschaft statt fortschreitende Individualisierung und übersteigerter Egoismus, globales Denken und lokales Handeln."

Der im Mai 2001 von Thomas Krahe, dem Motor der Friedensinitiative im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, ins Leben gerufene Verein betreibt Öffentlichkeitsarbeit, organisiert und beteiligt sich an Festivals, Demos, Gesprächsrunden.
Ein "Peace Camp" (von 12. bis 18. August in Kerschbach bei Tutzing) könnte evtl. in Verbindung mit ATTAC durchgeführt werden.

Kontakt tkrahe@gmx.de


Friede und Kunst, - irgendwie wundert es mich, dass es zwei Begriffe gibt, die das vollkommen selbe bedeuten, jedoch keinen einzigen Buchstaben gemein haben. Doch das ist wohl nur eine sehr oberflächliche Betrachtungsweise.
Kunst ist die Form der Kommunikation schlechthin. Sie kommt ohne Worte aus, dringt in das innerste Wesen der Menschen ein, sprengt alle Gedankengrenzen, ist frei von Ideologie.
Ja, Kunst ist, ohne wenn und aber, frei von Ideologie.
Natürlich wird jedem sofort der Begriff "entartete Kunst" aus dem 3. Reich einfallen. Das beweist das Gegenteil, möchte man meinen- und doch ist es nicht so. Denn Kunst ist Ideologie in Reinkarnation und genau deswegen hebt sie diesen Begriff auf, macht ihn nichtig.
Kann Kunst Machtideologisch ausgenützt werden?
Ja, werden Sie sagen, alleine das Verbot einer Form des künstlerischen Ausdruckes ist ja schon Einflussnahme. Doch sprengt die Kunst nicht die Grenzen jeder Einflussnahme? Was bedeuten etliche Jahre zum Beispiel eines 1000 - jährigen Reichs, angesichts der Höhlenmalereien in Loutrec? Angesichts der fein ziselierten Schmuckstücke, der Goldschmiedefertigkeit der Majas? Wird hier nicht deutlich, wie erhaben die Kunst über jeder Begrifflichkeit steht? Und gerade deswegen, als erhabenes Medium der Kommunikation, des Ausdruckes des Ursächlichen, ist sie der ideale, nicht tangierbare, grenzenlose freie Weg den ursprünglichen Sinn des Menschseins, das Zusammenleben in Frieden zu erreichen.
Kunst ist.
Ohne Sachzwänge und eigentlich Inhaltsfrei. Kunst ist Frieden, weil sie Freiheit bedeutet, Gedankenfreiheit. Oder: Friede ist das Ziel der Suche im Menschsein, Kunst ist grenzenlose Kommunikation und Kommunikation der Weg zum Ziel, dem Frieden.
Sich über alle Barrieren hinweg, durch alle Mauern, gelöst von Vorurteilen und Beeinflussung, jenseits von Machtinteressen auszudrücken, zum Zuhörer zu sprechen, dem Beobachter aufzuzeigen.
Ihn vielleicht zu lösen aus seiner ihm aufgezwungenen, verkrusteten Gedankenstruktur, ihm wirklich und tatsächlich die Möglichkeit zu geben, sich frei zu machen von Einflussnahme irgendeiner Richtung, im Universum der Universen das eigene Ich zu erkennen.
Ihm überhaupt erst begrifflich und begreiflich zu machen, dass dieses eigene Ich in vollkommenster Freiheit existiert, formlos geformt, unsichtbar, nicht greifbar sichtbar gemacht.
Kunst.
Frieden.
Hehre, allzu oft benützte Worte.
Doch benützen wir diese Begrifflichkeit als Podium, als Untergrund, als Fundament, so erwachsen uns schillernd bunte, köstlich duftende, von keiner menschlichen Macht negierbare Blumen der Hoffnung, in einem Labyrinth des Größenwahnsinns.

Thom Delißen 2002