Thema Transrapid und 3. Startbahn vom Jan. '02

Nachtflug - Dritte Startbahn - Infrastruktur

Die Initiative aufgeMUCkt in Erding lud für Montag, den 9. September, 19.30 Uhr in den Eittinger Fischerbräu zu einer Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2002 ein.

v.l.n.r.:
Peter Warlimont (SPD)
Dorothea Sahlmüller (FDP)
Diskussionsleiter Max Lehner (Geschäftsführer des kath. Bildungswerks)
Wilhelm Reim (Grüne)
Jörg Kästl (ÖDP)
Jens Beckmann (PDS)


Immerhin gut 50 Interessierte fanden den Weg zum Fischerbräu nach Eitting; zur Info-Veranstaltung der Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 216, zu der nebst den Landkreisen Freising und Pfaffenhofen auch der nördliche Bereich des Kreises Erding zählt.
Als Kandidaten präsentierten sich die aus Papferding (Gemeinde Bockhorn bei Erding) stammende Freisingerin Dorothea Sahlmüller, die sich dank Listenplatz 9 innerhalb der bayerischen FDP durchaus Hoffnung auf einen Platz in den neu zu wählenden Bundestag macht, und als eigentlichen Schwerpunkt den Bereich Sozialpolitik angibt; der erst 22-jährige Willi Reim, der in Scheyern (Lkr. PAF) die Berufsoberschule besucht; der recht versiert auftretende Freisinger Krankenkassenfachwirt Jörg Kästl, der als ÖDP-Kreisrat auf immerhin sieben Jahre Lokalpolitik-Erfahrung zurückgreifen kann; der aus der Berliner Einflugsschneise stammende und inzwischen in Finsing, also in Erdings Landkreissüden beheimatete PDS-Kandidat Jens Beckmann, dem das Thema Tag- wie Nachtflug offenbar verfolgt, sowie der aus Freising stammende Fachoberschullehrer und SPD-Kandidat Peter Warlimont. Er wie alle anderen, Kandidaten wie Zuhörer, bekundeten immer wieder, nicht gegen den Flughafen sein zu wollen, aber gegen dessen offenbar ungezügeltem Wachstum; bzw. diesen in der Pflicht sehen.
Sie alle betonten die Notwendigkeit, sich zu arrangieren. Somit wäre an diesem Abend eigentlich tödliche Langeweile vorprogrammiert, wenn es innerhalb des gemeinsamen Ansinnens und der meisten Punkte nicht derart unterschiedliche Facetten und Betrachtungsweisen gegeben hätte; der Austausch der Argumente rund um die Thematik auch nicht einen derart großen Marktplatz an Informationen hätte entstehen lassen.

Einigkeitkeit herrschte bezüglich der angespannten Verkehrsituation, und der Forderung nach Ausbau im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs.
Doch während Warlimont eine Verbesserung des Busanschlußes zwischen Erding und den Flughafen, sowie den Ausbau des S-Bahn-Systems, konkret des Ringanschluß, anstatt des Transrapids forderte, der kein Mittel zur Lösung der Nahverkehrsprobleme wäre, war die in einem Freisinger Architekturbüro arbeitende Sahlmüller der Meinung, den Transrapid nicht gegen die S-Bahn auszuspielen; einerseits wären unterschiedliche Finanzierungstöpfe betroffen, andererseits auch im Hinblick des Transrapid-Standorts Deutschlands.
Reim wiederholte nochmal Warlimonts Forderung, die ungeheueren Gelder in sinnvollere Projekte zu investieren, wie grad im Erdinger Hinterland den öffentlichen Nahverkehr.
Kästl war der Meinung, daß der Transrapid ein Transportmittel für lange Strecken sei; außerdem sei ein Bau in Konkurrenz zu etablierten S-Bahn-Strecken nicht sinnvoll.
Dieser Meinung schloß sich auch Technik-Freak Beckmann an: "die Verkehrssituation aus Sicht eines Berliners sei ein Witz".

Die erste Publikumsrunde eröffnete Erdings SPD-Stadtratschef Horst Schmidt mit der Forderung, das vor langer Zeit aus teuren Steuergeldern vom Land Bayern in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten den Landkreisen zur Verfügung zu stellen. Diese Information sei dringend notwendig, nicht nur um die Pläne der FMG gegenüber den Kommunen zu legitimieren, sondern auch umgekehrt.
Walter Koppe machte auf das von ihm mitinitiierte Konzept der lokalen Mitfahrzentrale MIFAZ aufmerksam. Jede zustandegekommene Mitfahrgelegenheit bedeute ein Auto weniger auf den Straßen, diese Art der Verkehrsentlastung koste nicht nur nichts, sie bringe übers Benzinpreisteilen auch noch Geld.
Während machte Erdings SPD-Stadtrat Draxler die Schuld am derzeitigem Zustand daran fest, daß es von Anfang an versäumt worden war, der FMG die Forderung nach einer Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel festzuschreiben, und statt für Kurzflüge für bessere Fernbahnanschlüsse warb, forderte ein Freisinger FDP-Rat von der FMG eine Infrastrukturabgabe.

Für Warlimont sei diese Abgabe auch im Wohnungsbau oder Kindergärten wichtig.
Während Sahlmüller an die Selbstverantwortung von FMG wie Grundstückseigentümer appelierte, wollte Reim die FMG in die Pflicht nehmen, und nannte als Beispiel VW, welche per Infrastrukturabgaben im Umland längst Kindergärten mitfinanziert.
Kästl berichtete über jene Freisinger Initiative, die erfolgreich für eine Busverbindung zum Flughafen warb, und immerhin erreichte, einen Teil der Kosten von der FMG erstattet zu bekommen.
Immer wieder die Forderung nach einem Ringanschluß, und dann die Frage: "Für wen ist der Transrapid attraktiv?". Sahlmüllers Erklärung nach einer Teststrecke beantwortet Beckmann: "die haben wir doch bereits im Emsland", und deren Befürchtungen, daß sich andere die Technik abschauen könnten: "es gäbe Patentrechte, die es China nicht erlaubten, die Technik so einfach nachzubauen".
"Wieviel Flughafen verträft die Umgebung noch?" fragte auch Herr Döllel von der Bürgerinitiative Neufahrn, und stellte fest, daß immer mehr Einheimische aus ihrer Heimat wegziehen, weil sie sich die teuren Mieten nicht mehr leisten könnten.

(Bericht im Aufbau)