Krieg im Irak?
Pax Christi hatte am 28.11.02 zu einer ganz speziellen Lesung eingeladen
Sämtliche, dort vorgetragene Texte wurden unten (unterhalb der Bilder) angefügt

Unter dem Motto "Krieg im Irak" stand die Veranstaltung am 28.11. im ev. Gemeindesaal in der Dr. Henkel-Straße in Erding, und Dr. Jürgen Bickhardt, Agnes Steinmetz, Hilde Czudnochowsky und Dieter Ruge (v. l.) trugen Standpunkte, Schlaglichter, Stellungnahmen vor;
- allesamt Zitate, die entsprechend ins Licht gerückt für sich selbst und zum Vergleich stehen sollten,
unversöhnlich miteinander wetteifernde Kontraste von Meinungen;
in 5 Blöcke zerlegt, vom Flötenspiel von Elisabeth Ringler

Unversöhnlich die Fronten, die Meinungen
- nicht nur zwischen Bush und Saddam, sondern auch zwischen der Bush-Regierung und dem Grossteil kirchlicher Kreise.
Im Zentrum stand die Bush-Doktrin vom September 2002, die immer wieder zitiert, mit weiteren Zitaten von Pax Christi, des Weltkirchenrats, der Bischofskonferenz, mit wichtigen Komissionen, Persönlichkeiten und Organisationen in Kontrast gesetzt wurde.

Es gibt keinen sauberen, oder gar gerechten Krieg. Und die Leidtragenden des Elends sind vor allem unschuldige Kinder, die im Irak derzeit immer noch zu Tausenden sterben, an Hunger, aber auch an den Langzeitfolgen des letzten Krieges.





Bush Doktrin (17.09.2002):

Die Vereinigten Staaten erfreuen sich gegenwärtig beispielloser militärischer Stärke und eines großen wirtschaftlichen und politischen Einflusses. Indem wir unserem Erbe und unseren Grundsätzen treu bleiben, nutzen wir unsere Stärke nicht für die Durchsetzung einseitiger Vorteile.
Wir streben dagegen nach einem Kräftefleichgewicht zu Gunsten menschlicher Freiheit: Bedingungen, die es allen Nationen und Gesellschaften ermöglichen, für sich selbst den Lohn und die Herausforderungen politischer und wirtschaftlicher Freiheit zu wählen. Eine sichere Welt ermöglicht es den Menschen ein besseres Leben zu führen.
Wir werden den Frieden gegen Bedrohungen durch Terroristen und Tyrannen verteidigen. Wir werden den Frieden durch den Aufbau guter Beziehungen zwischen den Großmächten bewahren. Und wir werden Frieden verbreiten, indem wir freie und offene Gesellschaften auf jedem Kontinent fördern.



Völkerrecht statt Bomben
Einstimmiger Beschluss der pax christi-Delegiertenversammlung, Mainz, 3.11.2002

pax christi schließt sich den weltweiten Protesten und insbesondere den vielen christlichen Stimmen in den USA und Großbritannien gegen einen drohenden Krieg an und bekräftigt sein früher bereits geäußertes Nein zu einem Krieg gegen den Irak. ...
Opfer eines Krieges ist zuerst und vor allem die Zivilbevölkerung. Die Menschen im Irak leiden bis heute an den Folgen des Krieges von 1991, der politischen Unterdrückung durch das Bath-Regime und an den Folgen des Krieges von 1991, der politischen Unterdrückung durch das Bath-Regime und an den Folgen eines unverhältnismäßigen UN-Embargos.
Ein erneuter Krieg fügt so der Not leidenden Bevölkerung neues Unheil zu. Er vergrößert die Gefahr eines regionalen Krieges, in dessen Folge Atombomben und Massenvernichtungsmittel zum Einsatz gelangen können.
Auch die technologisch hochwertigen Raketen der US-amerikanischen Armee werden nicht verhindern können, dass im Falle eines Angriffs der Irak seine Waffen zum Gegenschlag auf Israel einsetzen wird. Diese Ausweitung des Nahost-Konfliktes bedeutet gleichfalls die unmittelbare Gefahr einer Vertreibung der Palästinenser.
Sie wird zu einem kriegerischen Flächenbrand in der Region beitragen mit nicht vorgersehbaren Folgen für den Weltfrieden ...

pax christi ist sich der Gefahr bewusst, die von Massenvernichtungswaffen und Fernlenkraketen in den Händen diktatorischer Regime ausgeht. Diese Gefahr wird aber nicht durch Militärschläge gebannt, sondern kann nur durch eine international verantwortete Rüstungskontrolle und eine weltweite Ächtung aller ABC-Waffen wirksam bekämpft werden.
Das hartnäckige Festhalten der US-amerikanischen Regierung an einem militärischen Schlag deutet deshalb daraufhin, dass es der Bush-Administration vor allem auch um die Behauptung geostrategischer Interessen in der Region mit den weltweit größten Ölreserven geht.
Die Hinweise verdichten sich, dass ebenfalls auch militärische Maßnahmen gegen den Iran geplant sind. Allen derartigen einseitigen machtpolitischen Strategien ist durch die internationale Staatengemeinschaft eine deutliche Absage zu erteilen. Frieden kann es in der Region nur geben, wenn die Interessen der Erdölförderländer mit denen der Industrienationen einvernehmlich gelöst werden können. Hierzu zählt auch der Aufbau regenerativer Energien in den hochtechnisierten Ländern.

Bad Vilbel, den 4.11.2002 sekretariat@paxchristi.de



Die von den USA geplanten Mini-Atombomben sind gefährlicher, als das Pentagon glauben macht
SZ, Wissenschaftsteil 19.3.02

Große Hoffnungen setzen amerikanische Waffenforscher zurzeit auf kleine Bomben.
Mit Unterstützung von Präsident Bush soll eine neue Generation von Nuklearwaffen für die Schlachtfelder der Zukunft entwickelt werden. Das hat das Pentagon in der vergangenen Woche angekündigt.
Unterirdische Bunkersysteme, versteckte Biowaffenlabors zum Beispiel, nannten US-Militärplaner als potentielle Ziele für die künftige Bombergeneration. Doch die im Pentagon fast liebevoll "Mini-Nukes" getauften Sprengkörper sind alles andere als eine saubere Alternative zu konventionellen Waffen.



Längerfristiges Denken
EKD-Ratsvorsitzender Manfred Kock auf dem Forum der Ev. Kirche im Rheingebiet (wdr 14.11.02)

Ein gerechter Frieden statt eines gerechten Krieges ist das Leitmotiv, das die evangelische Kirche immer wieder beschwört.
"Saddam Hussein wäre heute vermutlich weniger stark und gefährlich, wenn die USA in der Vergangenheit weiter voraus geschaut hätten", beklagt Kock. Statt dessen sei er wirtschaftlich und militärisch unterstützt worden. Deshalb gelte es, weitsichtige Stategien für die Zukunft zu entwickeln.
"Erst durch eine Anit-Armuts-Koalition kann dem Terrorismus wirksam der Nährboden entzogen werden", so Kock. Weil ein völliger Verzicht auf Gewalt aber in der Welt noch nicht möglich sei, plädiert die Kirche für eine Neuordnung des Völkerrechts. "Ich stelle mir vor, dass das Völkerrecht in ein Welt-Polizeirecht überführt wird", sagt Militärdekan Horst Scheffler, Direktor am Militärgeschichlichem Forschungsamt in Potsdam.



Der in Genf tagende Ökumenische Rat der Kirchen in einer Erklärung am 02.09.2002
Quelle:www.religion.orf.at

Der Zentralausschuss appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, "sich dem Druck zur Beteiligung an militärischen Präventivschlägen gegen ein souveränes Land unter dem Vorwand des Krieges gegen den Terrorismus zu widersetzen".
Zuvor hatten US-amerikanische, kanadische und britische Kirchenvertreter in einem Brief die Regierungen in Washington und London aufgefordert, keine militärischen Maßnahmen zum Sturz von Präsident Saddam Hussein zu unternehmen.



Auszüge aus dem Text eines Selbstverpflichtungsprojekts aus den USA
Eine Initiative verschiedener Friedensgruppen in den USA, die u. a. von pax christi USA unterstützt wird
(vgl.: www.peacepledgle.org und www.paxchristi.org)

... Seit 1990 haben die Vereinigten Staaten einen verheerenden wirtschaftlichen Angriff und Luftangriffe gegen dieses Land durchgeführt. Dabei haben sie dem irakischen Volk geschadet und nicht dem irakischen Führer Saddam Hussein, wie es eigentlich ihr Ziel war.
Dieser Krieg hat zum Tod von Hunderttausenden von Menschen geführt.
Die Bush-Regierung setzt auf die Eskalation des Krieges gegen den Irak als nächsten Schritt ihres Krieges gegen den Terrorismus. Wir sind gegen den Krieg und fordern eine Lösung der Kriese durch die internationale Diplomatie.

Die Bürger der USA haben eine lange Geschichte von gewaltlosen Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Krieg. Gewaltfreier Widerstand wurde erfolgreich eingesetzt in der Frauenwahlrechts- und der Menschenrechtsbewegung und im Widerstand gegen den Kriege in Vietnam.
Lnadesweit organisierter gewaltfreier Widerstand ist ein Ausdruck unserer höchsten moralischen, geistigen und bürgerlichen Prinzipien - ein wirkungsvoller Weg um das Thema vor die Öffentlichkeit zu bringen und die US-Regierung unter Druck zu setzen.

Ich verpflichte mich im Fall der Entsendung von Kampfgruppen oder anderen Maßnahmen der Eskalation des Eingreifens im Irak gemeinsam mit anderen Aktionen gewaltfreien zivilen Ungehorsams in sattatlichen Einrichtungen, Kongressbüros, Militäranlagen oder anderen geeigneten Orten zu praktizieren, um amerikanische Militärmaßnahmen, die dem Volk des Iraks Tod und Zerstörung bringen, zu verhindern oder zu beenden.



Bush Doktrin (17.09.2002):

Um mit dieser Bedrohung fertig zu werden, müssen wir jegliches uns zur Verfügung stehende Mittel anwenden; militärische Macht, verbesserte innere Sicherheit, Strafverfolgung, nachrichtendienstliche Tätigkeiten sowie energische Anstrengungen zur Unterbindung des Finanznachschubs für Terroristen.
Der Krieg gegen weltweit agierende Terroristen ist eine globale Unternehmung von ungewisser Dauer. Die Vereinigten Staaten werden Nationen helfen, die im Kampf gegen den Terrorismus unsere Unterstützung brauchen.



Deutsche Bischofskonferenz, Vollversammlung, 27.09.2002

Der Krieg ist eines der schwerwiegendsten Übel und darf daher niemals zu einem gleichsam "normalen" Mittel der internationalen Politik werden.
Nach katholischer Lehre kann die Anwendung von Gewalt überhaupt nur ethisch verantwortbar sein, wenn einem bewaffneten Angriff, einem Genozid oder dauerhaften und schwersten Menschenrechtsverletzungen anders nicht wirksam begegnet werden kann. Auch muss der militärische Einsatz Bestandteil eines umfassenden politischen Handlungskonzeptes sein, das die Herbeiführung eines gerechten Friedens zum Ziel hat.
Die Beanspruchung eines Rechts zum "Präventivkrieg", der auf Verdacht und Vermutung hin erklärt würde, ist nicht zulässig.



Ramsey Clark (ehem. Justizminister der USA)
aus: Brief an Kofi Annan

... Es gibt eine rationale Grundlage für die Annahme, dass der Irak die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes Land bedroht. Die Gründe für einen Angriff auf den Irak durch die Bush-Regierung liegen denn auch anderswo.
George Bush versucht mit dem Krieg gegen den Irak vor allem, seine Präsidentschaft zu retten, die zu scheitern droht. Er hat eine gesunde Wirtschaft mit einem Überschuss im Staatshaushalt zu einem Verlustunternehmen mit einer dreistelligen Milliardendezizit gemacht - und dies nur wegen seines Traums von einer neuen Weltordnung, die den speziellen Bedürfnissen der Vereinigten Staaten dient. Dieser Traum ist ein Alptraum.
Bush hat außerdem noch andere Gründe: Er will die Familienfehde gegen den Irak siegreich beenden, die sein Vater begonnen hat; er will eine muslimische Nation schlagen, um den Islam zu schwächen



Erklärung von Pax Christi International gegen einen Präventivkrieg im Irak
Offener Brief an Regierungen und Internationale Institutionen
Ref.: ME. 104.G.02

Pax Christi, die Internationale Katholische Friedensbewegung, hat einen reichen Schatz an Erfahrungen in den Bereichen Friedensarbeit, Versöhnung und Menschenrechte. Diese Erfahrungen lehren uns, dass der Weg zu Frieden und wahrer Gerechtigkeit nicht über Krieg und Militarismus führt, sondern über internationale Kooperation, Konfliktvorbeugung, Konfliktlösung und die Überwindung der Ursachen von Ungerechtigkeit und Unterdrückung.
Wir schließen uns heute den Stimmen vieler kirchlicher Institutionen und christlicher Verantwortlicher in den USA, Großbritannien und der ganzen Welt an, die glauben, dass ein Krieg gegen den Irak illegal und unmoralisch wäre.

Es ist bedauernswert, dass die mächtigsten Nationen der Welt den Krieg und die Drohung mit Krieg weiterhin als ein akzeptables Instument der Außenpolitik ansehen und dabei sowohl das Ethos der Vereinten Staaten als auch die Morallehre aller Glaubensrichtungen einschließlich der christlichen verletzen.
Westliche Regierungen und Staatenbündnisse sollten alles in ihrer Macht Stehende tun, die menschlichen, ökonomischen, politischen und technologischen Ressourcen einzusetzen, um friedliche Lösungen für internationale Konflikte zu ermöglichen, um Demokratie und Menschenrechte voran zu bringen und eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu fördern.

Exekutivkomitee
Antwerpen, Belgien, 21.10.2002



Eine Gewissenserforschung zu zwei Seligpreisungen Jesu
(Quelle: Verfasserin Doris Donnelly, veröffentlicht unter www.paxchristi.org)

Selig die keine Gewalt anwenden, denn sie werden die Welt erben.

Sehe ich in Sanftmut und Gewaltfreiheit einen Wert?
Schrecke ich davor zurück, sanftmütig genannt zu werden?
Verstehe ich Gewaltlosigkeit als Weg, um das Böse mit dem Guten zu bekämpfen, und wähle ich diesen Weg?
Wie sehr sind Einschüchterung und Zwang Teil meiner Lebensart?
Arbeite ich für gewaltfreie soziale Veränderungen?
Leite ich meine Kinder zu partnerschaftlichem Geis an?

Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden

Liegt mir viel an Versöhnung oder gehe ich auf Konfrontation aus und sinne ich auf Rache?
Halte iche es für ein Zeichen von Schwäche, sich zu entschuldigen?
Habe ich mich mit dem Thema Frieden auseinandergesetzt und Initiativen ergriffen, um Gewalt und Krieg zu beenden?
Habe ich die zahlreichen offiziellen kirchlichen Stellungnahmen gegen das Wettrüsten, gegen atomare Waffen und Krieg gelesen und unterstützt?
Sehe ich es als Berufung des Christen, Frieden zu schaffen?
Ist meine Gegenwart für die Menschen miener Umgebung eine Quelle des Friedens?



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