Auch wenn es den ansässigen Genossen nicht jedes Jahr gelingen kann, einen Dr. Hans-Jochen Vogel in Erdings Stadthalle zu locken (siehe: 2002), so hinterließ auch ein "gewisser" Schösser in nicht ganz einfachen SPD-Zeiten nebst rhetorischen vor allem den so wichtigen emotionalen und kämpferischen Eindruck.
Nach der Begrüssung von Horst Schmidt, der unter den Vertretern zahlreicher Politiker, sowie sozialer, kultureller und ökologisch orientierter Vereine und Organisationen auch die "Gedanken-Springer" benannte, thematisierte Erdings Rathaus-Fraktionsvorsitzender den Irak-Konflikt und beschwor eine friedliche Lösung, denn "Krieg kann kein geeignetes Mittel sein". Bestätigt sieht sich Schmidt von der klaren Mehrheit der Bürger, aber auch der eindeutigen Stellungnahme der Kirchen und den international maßgeblichen Worten des Pabstes.
Die für Erding zuständige Landtagsabgeordnete Dr. Hildegard Kronawitter widmete sich zunächst der Familienpolitik.
Die Pflege und Erziehung der Kinder müsse den Familien vorbehalten bleiben, jedoch sei der Staat gefragt, die Familien durch Elternbildung und Beratung individuell zu unterstützen, z. B. im Sinne einer gewaltfreien Erziehung; vor allem aber, da 60 % der Mütter beruflich belastet sind, auch ca. 20 % der Kinder bei nur einem Elternteil aufwachsen, werden Kinderbetreuungseinrichtungen immer wichtiger.
So werden nun auch von der Staatsregierung die seit langem von der SPD geforderten Ganztagsschulen immer häufiger Realität; und sie weist darauf hin, daß diese Lösung mancherorts gar, wie etwa in Niederbayern als program- matische Antwort auf die Bildungskrise gilt, wo es darum gilt, die niedrige Quote der Gymnasiasten zu erhöhen.
Nachdem Kronawitter, das Stichwort "Konexität" und die Notwendigkeit einer Verfassungsänderung erklärt: es geht darum, den finanziell arg gebeutelten Kommunen von Landesseite Kosten zu erstatten, erntet sie für ihre Ankündi- gung grossen Beifall, die Initiative gegen das Klonen zu unterstützen, und fordert zur Diskussion um die Landesent- wicklungsplan und Flughafenerweiterung das noch fehlende halbe Dutzend Stimmen von Seiten der CSU, um die Flug- hafenerweiterung abzulehnen um den Ort Eittingermoos doch noch zu retten.
Bei der Trassenführung der A94 durchs Isental scheinen sich die Naturschützer immerhin durchsetzen zu können, hofft sie, denn immerhin habe sich die eigene SPD-Bundestags- fraktion dafür ausgesprochen, die Revision zum bayr. Ver- waltungsgerichtshofs der A94-Gegner beim Bundesgerichts- hof zuzulassen.
Nachdem Fritz Schösser, Bundestagsabgeordneter und ehem. bayrischer DGB-Vorsitzender, zunächst an bayrische Originale, wie Höcherl oder Valentin, oder den aus Erdings Stadtteil Siglfing stammenden ehem. Münchner Bürger- meister Thomas Wimmer erinnerte, zollte er Erdings Landtagsabgeordneten Dr. H. Kronawitter viel Lob für ihr Engagement.
Kritik ernteten dagegen jene Journalisten und Boullevard- blätter, die ein Gemengelage von Lügen und Gerüchten bezüglich der Eheprobleme Schröders aufbauschten, die nichts mit dem Wettbewerb der unterschiedlichen politischen Konzepte zu tun hätte.
Zum zentralen Thema erhob er in seiner Rede die Gerechtig- keitsfrage, forderte Solidarität grad von jenen, die im Über- fluß sorgenfrei leben und auf höchstem Niveau jammern, während sie keine Vorstellung von jenen haben, denen ohne reale Chance auf Arbeit das Arbeitslosengeld gekürzt wird. Diese hätten, im Gegensatz zu den Beschäftigten auch keinerlei Gewerkschaft, die sich zuständig fühlt. Hier, wie auch bei der gesetzlichen Rente sieht er keinen Spielraum.
Statt dessen forderte er eine Diskussion über eine Quellen- steuer auf Aktien, einen höheren MWSt-Satz auf Kunst- gegenstände, und eine Überprüfung unsinniger Subventionen wie bei Werbegeschenken.
Diese Solidarität gelte auch für das Gesundheitswesen. Wenn private Versicherungen den Jungen und Gesunden günstige Policen versprechen, würden sich die Kranken irgendwann selbst finanzieren.
Das angebliche Vorbild USA, in dem 15 % der Bevölkerung überhaupt nicht, weitere 30 % nur für die dringensten Maß- nahmen krankenversichert sind, möchte er sich lieber nicht vorstellen.
Die grossen Unternehmen sind heute Meister im Ausschöp- fen steuerlicher Vorteile; z. B. schreibt BMW Auslandsver- luste ab, um mit Hilfe der Subventionen seine Arbeitsplätze nach Großbritannien zu verlagern. Und ähnlich geschieht das mit dem Arbeitsplatzabbau ehemals hofierter Zukunfts- bereiche bei Dornier und Messerschmid-Bölkow Blom in Bayerns Luft- und Raumfahrtsindustrie, oder geschah dies mit den "Seifenblasen" auf dem "Neuen Markt". Zu viiele glaubten damals mit "Abzockerei" und Geldverschieberei ohne Arbeit das grosse und schnelle Geld machen zu können.
Darauf ist vor allem die Bayrische Staatsregierung herein- gefallen, und Schosser führte auch den Bereich der Medien als Beispiel auf, in der mit dem Kirch-Imperium eine Mono- struktur entstand, was nun an dessen Ende eine ganze Branche wegbrechen ließ. "Wieviel staatliches Geld dies verschlang!", rief Schosser ins Publikum.
Gegen Ende widmete sich der Redner dem Irak-Konflikt, wiederholte die anfangs von Schmidt formulierten Aspekte; so, daß sich neben dem Großteil der Menschen, auch die Kirchen eindeutig gegen einen Krieg aussprechen.
Für Schosser steht ausser Frage, daß es Bush jun. nur darum geht, das Werk seines Vaters zu vollenden. Saddam könne da machen was er will, es wird Bush nicht genügen.
Statt dessen sollte man sich endlich fragen, wieso sich junge Menschen, entgegen jeder Ratio in die Luft sprengen?
- Ob dies einfach daran liegt, daß sie keine Alternativen erkennen können, weil die Welt der Kriegs- und Actionhelden keinen Raum für Vernunft zuläßt?
Grad in diesem Zusammenhang interessant:
Die Neujahrsansprache von H-J Vogel im Jahr 2002,