Fenster in Erdings Vergangenheit
Führung "Vor- und Frühgeschichte im Landdkreis Erding" am 10.02.03 im Heimatmuseum

Mit viel Einsatz und Liebe ins Detail hatte man den Ausstellungsraum im Heimatmuseum hergerichtet, diesen chronologisch und sachlich gegliedert.
Um den Bürgern die Objekte und Fundstellen anschaulich darzustellen, einen Blick auf die Epochen und Kulturen im Lauf der Jahrtausende, auch die Methoden des Auffindens der historischer Schätze, hatte das Heimatmuseum mit Leiter Paul Adelsberger geladen.
Details und Spezialwissen wurden mit manch lockerer Geschichten verflochten.

So scheinen, laut Adelberger, Wirtshäuser für manche Idee gut. Zumindest war dies eines Freitagabends, als eine Gruppe von Hobby-Archäologen nach der Arbeit am Gräberfeld Moosinning noch beim Daimerwirt zusammensaßen, und als der Gruber Schorsch meinte, ob man zu all dem Gefundenen eine Ausstellung organisieren könnte.
- Nun, schließlich kam das 775-jährige Jubiläum in der Kreisstadt gerade recht.

Paul Adelsberger, sowie wie die Herren Sigl oder Kukhertz, gaben bereitwillig Auskunft; z. B. was die Methoden des Aufspürens historisch interessanter Orte aber auch Einzelobjekte betraf.
Vor 20 Jahren hatte man intensiver begonnen, die Umgebung mit Hilfe von Luftbildaufnahmen nach markanten Schattenlinien auszuwerten, und man wurde allein im Landkreis Erding hunderte mal fündig.
Dabei, so macht Adelsberger klar, bilden Grabungen für eine nähere Untersuchung die Ausnahme. Die meisten Orte erkennt und bestimmt man aus diesem Blickwinkel anhand der Form, und beläßt es bei einer Meldung beim Landesamt für Denkmalpflege, denn am besten sei das Gefundene im Boden aufgehoben. Außerdem seien Grabungen teuer.
Als interessantes Hilfsmittel bei der Feldbegehung hat sich die Magnetometer-Perspektion herausgestellt. An einem Wagen wird eine sensible Geräteeinheit über Felder oder Wiesen gezogen, welcher auf unterschiedliche Verteilung magnetischer Kräfte im Boden reagiert, die entstandenen Linien aufzeichnet und an einen Rechners übermittelt (mehr zu dieser Technik wird Dr. Faßbinder im Mai oder Juni erzählen).
Nicht ohne Seitenhieb auf manchen sogenannten Kollegen stellte Hobbyarchäologe Kukhertz, eine weitere Prospektionsmethode, die des Sondengangs vor, denn dieses Metallaufspürgerät kann auch zum aufspüren spezieller Edelmetalle eingesetzt werden, doch wie bereits der Leiter der Bodendenkmalpflege, Dr. Sebastian Sommer bei der Eröffnung der Ausstellung deutlich machte, stände dieses Gerät auch bei illegalen Plünderern hoch im Kurs.
Die wissenschaftliche ehrliche Ausgrabung gehe dagegen als Ausarbeitung am Schreibtisch weiter, wo die Ergebnisse interpretiert und in Richtung einer zumeist wissenschaftlichen Publizierung vorangebracht würden.

Wie arbeitsintensiv dies ist, zeigt das Gräberfeld in Erding-Klettham. Selbst nach 30 Jahren sei die Auswertung in diesem größten aller frühmittelalterlichen Gräberfelder in Bayern noch nicht abgeschlossen. Zu dieser Zeit, etwa 450 n. Chr. begann sich das aus Böhmen eingewanderte Volk der Bajuwaren mit Völkern der Alemannen, Gothen, Langobarden, Römern oder Kelten zu mischen, wie die Ausgrabung in Kleittham gelegt. Sogar hunnische Einflüsse ließen sich hier nachweisen.
Zuvor, ab Christi Geburt, hatten die Römer in Südbayern für einen Entwicklungssprung gesorgt. Sie erst dokumentierten die europäsiche Geschichte, benannten die Völker nördlich der Alpen, zogen mit den Römerstraßen ein bis dato nie bekanntes Verkehrswesen durch Germanien, und importierten ihre weit fortgeschrittene Architektur und Baukunst. So fanden Archäologen bereits Anfang der 60er Jahre bei Langenpreising die Reste eine Villa mit verputzter Ziegelwand und Bodenheizung.

Über die Kulturen Jahrtausende zuvor läßt sich dagegen nur spekulierten. Seit der späten Jungsteinzeit, dem allmählichem Seßhaftwerden der ehemaligen Jäger und Sammler und dem Beginn der Landwirtschaft sind Werkzeuge und Tongefäße als Zeugen der Vergangenheit nachweisbar - am Fuchsberg, dem östlichem Rand des Sempttals, südöstlich von Erding.
Die folgende Bronzezeit machte einen Handel der Rohmaterialien Kupfer und Zinn notwendig, aber auch der hergestellten Güter wegen, wie der landwirtschaftlichen Geräte und Schmuck war man auf den Tauschhandel angewiesen. Auf dieser Basis wiederum entwickelte sich ein erster bescheidener Wohlstand, der seinen Ausdruck der Macht bis ins Jenseits reichen sollte - Hügelgräber, z. B. bei Erding-Eichenkofen.

Die bis Ende August 2003 laufende Ausstellung im Heimatmuseum (So.: 14-17 Uhr) zeigt einen Überblick über diese Epochen, stellt anschaulich Puzzles zur öffentlichen Besichtigung, um die kontinuierliche Erforschung der Vergangenheit erlebbar zu machen.


18.03.03, Dienstag
Erding 20 Uhr Gasth. Mayr Wirt

Luftbildarchäologie und Keltenschanzen in Südbayern
Ref. zur Sonderausstellung "Archäologie im Landkreis Erding" mit Dr. Walter Irlinger

08.04.03, Dienstag
20 Uhr Gasth. Mayr Wirt

Die Römner in Südbayern und im Landkreis
Ref. zur Sonderausstellung "Archäologie im Landkreis Erding" mit Dr. Martin Pietsch

13.05.03, Dienstag
20 Uhr Gasth. Mayr Wirt

Probleme der Bodendenkmalpflege
Ref. zur Sonderausstellung "Archäologie im Landkreis Erding" mit Dr. Sebastian C. Sommer

03.06.03, Dienstag
20 Uhr Gasth. Mayr Wirt

Magnetometerprospektion
Ref. zur Sonderausstellung "Archäologie im Landkreis Erding" mit Dr. Jörg Fassninder