Eine Eingangstür im Jugend-Stil, daneben die Europakarte und das Firmenschild einer Änderungsschneiderei bilden die Kulisse des in Frankfurt ansässigen schwäbischen Türken, wenn er die kostengünstigen Schleier in vielen aktuellen Trendfarben wie Umbra anpreist, Beschneidungskosten auf Krankenschein, sowie die konsequente Anwendung moslemischen Rechts fordert.
Wenn sich die Türken damals nicht in Wien aufhalten hätten lassen, wären sie heute sicher die ersten Europäer, wären damit längst in der EU. Dann gäbe es auch keine Ausländerfeindlichkeit und die Griechen hätten die Hosen längst voll. Doch heutzutage könne man sich nicht einmal auf deren traditionellen Feindschaft verlassen; wennschon die Kurden nur eine Erfindung Karl Mays seien.
Statt dessen leidet der Türke unter Minderwertigkeitskomplexen, der sich Tagein Tagaus fragt, ob er nun ein Europäer oder ein Asiat ist.
Immerhin habe die große Denkernation um Goethe und Luther die Türken heute seßhaft gemacht.
Sinasi trampelt auf Vorurteilen, in deren Mitte er sich selbst irgendwo befindet, oder stellt diese auf den Kopf, denn es ist nicht einfach, sich zu definieren; wenn er in seinem Redeschwall über irgendwelche Ecken sogar einen echten Vollblutindianer in seine Verwandtschaft zwingt. Und so ähnlich bunt geht es dann auch in diesem "Still-Jugend-Haus" zu, in dem der deutsche Hausmeister immerhin mehr über Wirtschaft zu wissen scheint als der dafür zuständige Minister in jenem fernen Heimatland, in welchem heute Greenpeace zu hause ist, um auf die Schildkröten aufzupassen.
Er wäscht als Schwabe das Auto eines Polen, müht sich dabei redlich; wundert sich indes nicht, daß grade die Holländer nicht Auto fahren können, und er bringt Leben ins Haus, indem er die Nachbarn gegeneinander eifersüchtig macht und aufhetzt.
Auf die Frage, wie man am besten Deutsch lernt, warnt er vor den Goethe-Instituten. Da würde eine Sprache gelehrt, die kein Mensch spricht; höchstens die Österreicher - man sieht ja, wie schwer sie sich tun.
Aber auch Formulierungen wie "ich hab dich zum fressen gern" hätten ihn zu beginn ziemlich verwirrt, weil doch die katholische Kirche Kannibalismus nur in Ausnahmefällen gestatte.
Nur kurz streift Dikmen den Irak-Konflikt, als er Bushs Erfahrung mit Hinrichtungen in Texas nennt. Eigentlich eignen sich die moslemischen Staaten wegen der häufigen Feiertage nicht für den Krieg, wegen dem Ramadan wäre dafür auch viel zu wenig Zeit.
Jedenfalls nimmt Dikmen am Ende, nachdem er das Erdinger Publikum dem langsamen Verständnis der Pointen wegen, in tiefe Resignation stürzt, wieder in Schutz, da sie ja fern aller Zivilisation leben müssen.
So nimmt er alles wieder zurück.
Und wieder weis kein Erdinger, auf wie viele der Pointen dies rückwirkend gelten soll.