Geschichte auf xED Veranstaltungskalender S6-Kulturforum
Erding und die Säkularisation
Referat zur Buchpräsentation von Claudius Stein am 10.03.03

Zähen Gleichmut bescheinigt Claudius Stein den Erdingern vor 200 Jahren, zur Zeit der kulturellen Wende inmitten Europas.
Auf der anderen Seite bezeichnet er jene Aufklärer als Radikal, die immerhin die Befreiung der Bauern von der adeligen Grundherrschaft erreichten und unsere demokratische Gesellschaft erst möglich machten.

Was geschah damals, anno 1803; oder noch ein paar Jahre vorher?
Am Glauben wurde damals verdient.
- Und der Staat, der nach den Koalitionskriegen und der Schlacht von Hohenlinden (1800) dringend Geld nötig hatte, wollte sich jene Einnahmequellen erschliessen, die bisher die Säckel der Kirchen füllte.
Andererseits habe Minister Montgelas wohl sicher auch nicht alles mitbekommen, was die Säkularisation vor 200 Jahren auslöste; wenn etwa Reste von Klostermauern und Säulen für Viehställe der Bauern oder als Bauuntergrund für Straßen Verwendung fanden; so auch Claudius Stein am Ende als Resümee seines Referats über das "fatale Jahr" 1803, das in der Mitte Europas die bis dahin jahrtausendalte Grundherrschaft der Kirche beseitigte.

In Erding hat nur die Mauer einschließlich einer kleinen, 1697 eingeweihten Kapelle die Jahrhunderte überdauert, als Erinnerung an jene von 1639 bis 1803 existierende Wallfahrtskirche und dem Kloster der Kapuzinermönche auf dem Gelände zwischen Münchner Straße und Semptwehr, dort wo heute Amtsgericht und Gefängnis stehen.
Der Bauzustand der Gebäude, aber auch der Inneneinrichtung mußte am Ende in elendem Zustand gewesen sein, so daß der Abriß unumgänglich war; auch die Möbel wären nur mehr zum verbrennen zu gebrauchen gewesen, auch die Klosterbibliothek, die man ohne Ordnung vorfand.
Wie es hieß, gab es auch mit den rund 30 Kapuzinermönchen Probleme. Diese waren mit den Erdingern schnell unzufrieden und der Bettlereien wegen bei diesen auch nicht besonders beliebt.
So hielt sich die Anteilnahme der Bürger gegenüber der Bruderschaft in Grenzen, als die Gespanne um drei Uhr Morgens am 27. August 1802 nach Traunstein aufbrachen.

Allerdings kam der Befehl dazu von der aufgeklärten bayrischen Regierung in München, die den Erdingern nicht traute, und scharfe Verweise aussprach, weil man z. B. fürchtete, daß das Gelände wieder den Kapuzinern rückgeführt werden könnte.

So landete denn auch Verkaufsinserate im Münchner Anzeiger, Gemälde und Altäre gelangten an Kirchen der Umgebung. Bereits kurz zuvor, im Jahr 1800, hatte zur Zeit Napoleons die französische Generalität die Einrichtung im Frauenkircherl zerstören lassen. Die "entbehrliche Kirche", nur wenige Schritte von der Stadtkirche St. Johann entfernt, wurde ab 1805, ebenfalls aufgrund der Säkularisation, zum Feuerwehrhaus umfunktioniert, was es bis 1973 geblieben ist, bevor es seit 1986 den Künstlern der Umgebung für Ausstellungszwecke dient.
Das ehem. Altarbild des Frauenkircherl "Tod Mariä"


Im Rahmen der 775-Jahrfeier finden 2003 diverse weitere Veranstaltungen zur Vergangenheit Erdings statt.
Zum Beispiel die Ausstellung "Volksfrömmigkeit in Erding" vom historischen Verein.

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