Die Nachbarin weist in tiefem Bayrisch den Weg, das bunte Eingangsschild am Gartentürl bestätigt die Richtigkeit ihrer Aussage.
Für eine knappe Woche, bis zum Einzug des nächsten Mieters hat Silwe Däubner den Zimmern in der Eichenstrasse 4, irgendwo zwischen Stadthalle und Berufsschule, ihr gewohnt beschauliches Leben beraubt.
Der Plausch über die Person Däubner, ihren Bildern und der Ausstellung läuft locker und fern der großen künstlerischen Fachgespräche. "Das Bild im Obergeschoss soll laut eines Kunstsachverständigen in die Kategorie Neue Sachlichkeit gehören. Was meinst Du?".
Beschäftigt hat sich Silwe (der Name Silvia war ihrem Vater zu simpel) mit Astrologie. Doch die Wahrheit über Menschen läßt sich oft nicht so leicht verkaufen, meint sie, und hat die Beratungstätigkeit erst mal zurückgestellt, das Metier gewechselt, den zwölf Sternzeichen statt dessen einen ihrer Räume gewidmet.
Ob Bilder leichter zu verkaufen sind?
Auf den Versuch kommt es an. Die künstlerische Bewohnerin entstammt immerhin einer sehr musischen Familie; der Großvater war Komponist, der Vater ein Kirchenmusiker, da mußte sie natürlich auch Geige lernen, wechselte dann aber zur Gitarre, bevor sie sich aufs singen von Gospels und Balladen verlegte, welches sie zur Vernissage am Samstag den Gästen zum Besten geben will.
Damals, als ihre Tochter vor sieben Jahren das Licht der Welt erblickte, zog sie in die Semptstadt, und nun, sieben Jahre später hat die Siedlungsstrasse vor den Toren der Innenstadt eine weitere Attraktion mehr.