Wenn sich ein Bayer und ein Preiß' zusammenfinden, scheinen Missverständnisse oft vorprogrammiert.
Dieses Klischee zum Programm erhoben haben der zuazogne Preuße Klaus Schiermann und der Bayer Manfred Trautmann.
Schon seit Jahrzehnten mit diversen Aufführungen satirisch-literarischer Art auf Kleinkunstbühnen zu Hause gaben die beiden Erdinger am 21.10.03 nun auch im nahen wie neuen Wartenberger Medienzentrum ihre persönliche Premiere.
Laut Schiermann ist das Leben als Preiss in Bayern nicht immer einfach, erst recht in Gegenden wie der Oberpfalz, in der die Lautbildung noch nicht abgeschlossen sei, darum selbst den Einheimischen das Erlernen der hiesigen Sprache nicht leicht fällt. Urkomisch und dennoch glaubhaft miemt er sogar für uns Eingeborene die Angst, an der falschen Stelle zu lachen.
Den Reaktionen zufolge schien das Wartenberger Publikum dem Hochdeutschen immerhin soweit mächtig; um den Ausführungen Schiermanns zu folgen, der dann auf höchst
komplex wissenschaftliche Weise eine Reihe von Übersetzungen spezieller bayrischer Ausdrücke vornimmt, oder in der Rolle eines
Buchhändlers dem in manchen Szenen an Karl Valentin erinnernden Trautmann gewichtige Werke großer Philosophen
empfiehlt, obwohl der seinem Spezl ja bloß ein Buch zum Lachen kaufen wollte.
Während Schiermann vor allem mit ausdrucksstarker präziser Rhetorik, Mimik und Körpersprache überzeugt, schlüpft Trautmann
in die Rolle des griabig'n Weaner Travnicek (Qualtinger), oder hält uns als Bahnhofsvorsteher einen bauernschlau-bayuwarischen Spiegel vor.
Das Publikum amüsierte sich sehr über die Beziehungskisten der Beiden, grad auch über Trautmanns Text der flughafengeschädigten, eigentlich durchaus redseeligen Tante Anni, die ihre Umgebung mit einer Angewohnheit irritiert: Pausen von exakt 20 Sekunden dauerndem Schweigen - denn genau so lang braucht ein Jumbo, bis es über Eitting, dem Heimatort Trautmanns, hinweg ist.
Der fiktive letzte Zug nach Pilzding hat Wartenberg bereits verlassen, als um 22 Uhr das zwei Stunden dauernde heiter-spritzige Programm endet, ein Publikum zu heftigem Schmunzeln und auch Lachsalven veranlasst hat; einem Publikum, das
weiß Trautmann wie Gabriele Vogel, die Leiterin des
Medienzentrums, welches sich durch zahlreiche Aktivitäten, grad im Rahmen des Kulturmarkts, durchaus an Niveau gewöhnen durfte.
Übrigens gibt's demnächst einen ebenso garantiert satirischen Auftritt des Duos in der Aula des Gymnasium Erding.
Das Motto nennt sich der fortschreitenden Jahreszeit gemäss weihnachtlich: “Owielacht”; einer Lesung wie Feuer an den Christbäumen.