Offener Brief an Herrn Jakob Schwimmer, MdL
Sehr geehrter Herr Abgeordneter,
wir haben mit großem Interesse die Regierungserklärung unseres Ministerpräsidenten Edmund Stoiber am 6. November 2003 verfolgt und stimmen der Bayerischen Staatsregierung voll und ganz zu, wenn es darum geht, die bayerischen Universitäten zu fördern und zu stärken und dadurch die Qualität von Lehre und Forschung zu steigern. Auch das Vorhaben, die Betreuung der Studierenden zu verbessern, können wir nur unterstützen.
Allerdings ist es uns nicht klar, wie es möglich sein soll, diese Ziele zu erreichen, wenn gleichzeitig drastische Einsparungen - es wird hier von 10% für das nächste Jahr und bis 2008 von real 25% gesprochen - im Bildungsbereich geplant sind. Wie stellt sich die Bayerische Staatsregierung eine Qualitätssteigerung vor, wenn die Universitäten personell ausbluten, wenn junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler willkürlich auf die Straße gesetzt werden müssen, wenn zentrale Lehrveranstaltungen nicht mehr angeboten werden können? Wie soll ein qualitativ hochwertiges Lehrangebot und innovative Forschung realisiert werden, wenn die aktuellen Maßnahmen zur Folge haben, dass allein an der Ludwig-Maximilan-Universität München 600 Stellen - vor allem im kreativen Mittelbau - im Laufe des nächsten Jahres abgebaut werden sollen?
Die Regierung nennt diese Sparmaßnahme "strukturelle Neuausrichtung der Universitäten". Hier sollen besonders im Hinblick auf eine Profilbildung des Lehr- und Forschungsbetriebs Schwerpunkte an den einzelnen Hochschulen gesetzt werden um zukünftig "international erstklassig mitspielen zu können". Eigentlich ein lohnenswertes Ziel in Zeiten knapper Kassen.
Uns ist sehr wohl bewusst, dass in solch schwierigen Zeiten alle ihren Beitrag leisten müssen zur Sicherung eines zukunftsfähigen Bildungssystems.
Doch kann es hier nicht der richtige Weg sein am Zukunftsgut Bildung zu sparen und gleichzeitig an die Einführung von Studiengebühren zur Kompensierung der Einsparungen zu denken. Unsere Universitäten sind schon heute - im internationalen Vergleich - alles andere als erstklassig. Um den Abstieg in die bildungspolitische Regionalliga zu verhindern sind Anstrengungen von beiden Seiten nötig. Zum Einen ist der Staat gefordert die Hochschulen finanziell gut auszustatten, zum Anderen sind die Studenten sicherlich bereit z.B. durch eine nachgelagerte Ausbildungsabgabe zur Verbesserung ihrer Studienbedingungen beizutragen. Solch eine nachgelagerte Ausbildungsabgabe müsste dann als Drittmittel den jeweiligen Fakultäten der Studenten zufließen und würde somit den geforderten Wettbewerb im Bildungsbereich fördern.
Die plötzliche Etatreduzierung zwingt die Hochschulrektoren dazu, unstrukturiert zu kürzen. Um die Kostenreduktion zu erreichen ist es im personalintensiven Feld Universität erforderlich massiv Stellen zu streichen.
Dies kann jedoch aufgrund der kurzen Frist nicht gezielt geschehen, sondern muss dort passieren wo es augenblicklich möglich ist: Bei der Nichtverlängerung auslaufender Zeitverträge von wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie bei der Nichtbesetzung vakanter Lehrstühle.
Die Folgen sind vielfältig: Von der Reduzierung der Anzahl wissenschaftlicher Mitarbeiter über die Abschaffung von Lehrstühlen bis hin zur Schließung ganzer Fakultäten.
Besonders die wissenschaftlichen Mitarbeiter sind für die Betreuung von Studenten zuständig. Sie sind die nsprechpartner und Kontaktpersonen der Studenten. Folge wird eine nachhaltige Verschlechterung des Lehrbetriebs sein.
Schon jetzt sind Veranstaltungen mit oft mehreren hundert Studenten an der Tagesordnung. Wie überfüllt werden diese bei einer Reduzierung der Zahl an Vorlesungen, Übungen und Seminaren noch werden? Zudem wird der Wegfall von wissenschaftlichen Mitarbeiter und Lehrstühlen einen Rückgang des Angebots der Universitäten zur Folge haben. Letztendlich werden sich auch die Studienzeiten verlängern - bedingt durch Wartezeiten bei der Teilnahme an Seminaren.
Bisher beschritten sowohl die Bayerische Staatsregierung als auch die CSU immer den Weg für eine bessere Ausbildung, damit junge Menschen in dieser schwierigen Zeit gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt besitzen. Doch nun - so scheint es - wurde dieser Weg zugunsten kurzfristiger Ziele verlassen.
Wir fordern Sie auf sich gegen diesen bildungspolitischen Wahnsinn entschieden einzusetzen. Die hochgelobte Bayerische Hochschullandschaft darf nicht zerstört werden.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Dominik Ruderer, Tatjana Vogt, Romana Husch
(Studenten an der LMU München) Junge Union Erding
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JUNGE UNION ORTSVERBAND ERDING
Stellv. Vorsitzender Dominik Ruderer