Einsparungen im Bildungsbereich und die Auswirkungen des achtjährigen Erdinger Gymnasiums waren die Themen einer Veranstaltung der Grünen am 11.12. im Gasthof Mayr Wirt in Erding, in der neben Moderatorin Helga Stieglmeier auch Erzieherin Heike Redzovic, Grundschullehrerin Irene Neumüller, Elternbeirätin Doris Baumgartner, sowie Eugen Eder-Clouston, Englisch- und Geschichtelehrer am Gymnasium Dorfen auf dem Podium Diskussionsgrundlagen gaben.
Bei den Grundschulen sei die Situation bereits angespannt, nun verkümmert diese immer mehr zur Aufbewahrungsanstalt, so Lehrerin Irene Neumüller, für die die Einsparungen im Bereich ihrer Schule die bereits jetzt sehr angespannte Situation noch drastischer werden lässt. Was man in den ersten Schuljahren und damit in jener Zeit versäumt, bei der die menschliche Entwicklung am entscheidendsten geprägt wird, könne man im späteren Leben nicht nachholen; die Folgemassnahmen würden weit mehr Geld notwendig machen, so die Pädagogin.
Elternbeirätin Doris Baumgartner nannte die geplanten Massnahmen im Bildungsbereich einen Kahlschlag, dem auch höherbegabte Kinder zum Opfer fielen. Sie geht davon aus, dass durch die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit durch die Einführung der "G8" bereits zu Beginn des nächsten Schuljahrs nicht mehr sondern weniger Schüler aufs Gymnasium wechseln. Nicht nur Schüler und Eltern, sondern auch die Lehrer fühlen sich überfordert und reagierten konfus auf die straffen Lehrpläne, die nun anstatt innerhalb neun in acht Jahren zusammengedrängt werden; welche der notwendigen Nacharbeit wegen nur für Akademikerfamilien zu schaffen seien, bei denen ein Elternteil zu hause ist.
Auch Eugen Eder-Clouston geht das Paket der Sparpläne der Bayrischen Regierung zu weit. Die bereits in den letzten 10 Jahren gestiegene Zahl der Unterrichtsstunden soll demnächst auf 25 bei Gymnasien (auf über 30 als Fachlehrer bei Grundschulen) erhöht werden, wozu die Zeit der Vor- und Nachbereitung, auch von Beratertätigkeiten und Präsenznachmittagen noch einberechnet eine Erhöhung der Arbeitszeit von bis zu 20 %, und damit eine 48-Stunden-Woche die Folge ist. Ausserdem sollen die Möglichkeit der Verkürzung bei älteren Lehrerern bzw. der Teilzeit außer zum Zwecke der Kindererziehung entfallen. Diese Arbeitszeitverlängerung sei angesichts von immer größeren Klassen, von Streichungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld und bei der Abrechnung von Überstunden und Reisekosten absolut unzumutbar.
Während Stieglmeier von jungen Lehrerinnen berichtet, die das Lehramt aufgeben wollen, befürchtet Eder-Clouston Auswirkung auf der Qualität der Bildung, etwa durch Überlastung der Lehrkräfte und durch Zunahme der krankheitsbedingten Ausfälle, welches letztendlich nebenbei auch das Gesundheitssystem belasten dürfte. Kraft für bisher übliche freiwillige Leistungen, wie Schulfahrten, Austauschprogramme, Schulfeste oder Engagement in der Schulentwicklung gehörten dann der Vergangenheit an.
Michael Bibl vom Gymnasium Erding beschreibt die Stimmung bei den Lehrkräften zwischen Mutlosigkeit und Wut; wobei er auf die Macht der Argumente hofft.
Unterstützung scheinen die Lehrkräfte inzwischen von Seiten der Eltern zu erhalten. Zahlreiche Aktionen deuten darauf hin, als würde sich eine Protestbewegung formieren. Immerhin habe sich vor einigen Tagen der landkreisweite Elternbeirat einstimmig gegen das von Stoiber und Hohlmeier festgelegte Schulreform ausgesprochen. Eine Demonstration sei geplant.
Vor allem die grosse Eile mit der dies in die Wege geleitet wurde, aber auch mangelhafte Information und eine fehlende Diskussion, wird kritisiert. Und so sind sich viele Eltern unsicher, ob sie ihren Kindern den Stress einer G8 antun, denn aufgrund der einseitig leistungsorientierten Ausrichtung befürchten sie Defizite bei deren Persönlichkeitsentwicklung. Von abschreckenden Beispielen von Überlastungssymptomen wusste Rudolf Ulzhöfer, Vater vierer schulpflichitiger Kinder in Markt Schwaben zu berichten.
Grade im Flächenlandkreis Erding mit seinem grossen Einzugsgebiet hätten außerdem viele Kinder keine Möglichkeit ihre Mittagspause bei den Eltern zu verbringen. Da predigt man über gesunde Ernährung, und dann schickt man die Kinder, die nun noch häufiger Nachmittags Unterricht haben, zwischendurch zu Pizza und Cola, so Helga Stieglmeier.
Eder-Clouston stellte nochmal richtig, dass man grundsätzlich nichts gegen eine Ganztagsschule mit nachmittäglichen Unterricht habe; diese würde in anderen Ländern Europas zum Teil auch funktionieren, doch hierfür müsste ein vernünftiges Konzept vorliegen, in dem Entspannungsphasen mit der Möglichkeit des vertiefenden Wiederholens vorkämen. Dieses Nachlernen aber würde nun an Eltern delegiert, die zum vielfach überforderten Ersatzlehrer für viele frustrierte Kinder würden. Letztendlich würden nur mehr Akademiker-Eltern auch Akademiker-Kinder hervorbringen.