Mehr Transparenz fürs Frauenkircherl (von Alfred Lenz) Ausstellungen im Frauenkircherl
Die tote Gerichtslinde - sie lebe hoch!
Ausstellung des hist. Vereins im Frauenkircherl

......"Monstanz"


(ein Klick macht die Künstler gross. v.l.: Osterloher, Klemm, Fritz und Walde)

Zugegeben, Kulturreferent Sattelmeier steht dem Werkstoff Holz eher distanziert gegenüber. Das hat aber mit jenem Werkunterricht aus längst vergangener Jugendzeiten zu tun, als er entdeckte, dass ein Schnitt in den Finger weh tut.
Mit umso grösserer Bewunderung tritt er Personen, wie Wolfgang Fritz gegenüber. Dieser, ein ehemaliger Werklehrer im Erdinger Gymnasium, gehört zu jenen Mutigen, die sich mit Haut und Haaren dem Handwerlichem und eben jenem rindenumzogenen Pflanzenwerk verschrieben haben.
Dann wird, gerade nach Sturmschlagzeiten seine Wohnadresse "Am Holz 3" in Walpertskirchen dieser Leidenschaft gerecht. Garagen zu Werkstätten umgewandelt verwandeln verunglückte Baumriesen in Kunstwerke, erhalten neues Leben eingehaucht.
So geschah dies vor einigen Jahren auch mit dem ältesten und bekanntesten natürlichem Bau(m)werk der Kreisstadt, der Gerichtslinde an der Münchner Strasse, welcher am 11. März 1999, als längst unheilbar schwerkranker Patient den letzten Hauch seines annähernd tausendjähriges Leben liess.
Was wohl das älteste Geschöpf der Stadt erzählen hätte können, beginnend in einer Zeit vor seiner Gründung, die jüngst seine 775 Lenze feierte; an einer der wichtigsten Lebensadern, nahe des nur einige Jahrhunderte existenten Kapuzinerklosters neben der Zeit der Säkularisation auch die Kriege überlebte.
Claudius Stein versuchte sich als Rätsellöser um die Rolle der "Gerichts"-linde, jedoch waren die Quellen zu dürftig, gestand er. Zwar wäre er als ältester Baum bereits auf dem ersten überlieferten Stadtplan von 1668 gekennzeichnet gewesen, aber erst die Jahrhundertwende um 1900 zeigt eine Ansicht des damals schon schütter gewordenen Riesen, und erst seitdem wäre die Bezeichnung "Gerichtslinde" bekundet, was am wahrscheinlichsten mit der Errichtung des Landgerichts auf dem ehemaligem Klostergrung zu tun haben könnte. Zu jener Zeit gingen die Bauarbeiter nicht gerade zimperlich mit dem Lindengiganten um, wie der Magistrat der Stadt vermerkte, und ihn für sein letztes Jahrhundert zum immer anfälligeren Patienten werden liess.
So darf zumindest weiterhin spekuliert werden, dass unter der Erdinger Gerichtslinde nicht doch auch Gericht gehalten wurde, oder die weit ausladende Baumkrone schwedischen oder französischen Truppen gar als Hängevorrichtung für menschliche Körper diente.
Und so umgaben den nun in Stückchen und gar feinen Holzsand zerhackten und zerbröselten Koloss mit dem immer noch imposanten Hauptstück inmitten der Ausstellung doch auch weit verästelte Phantasien.
Deshalb versuchte sich die Ausstellung des historischen Vereins auch mit verschiedenen künstlerischen Sichtweisen; beteiligen sich neben Fritz auch Christa Walde, Brigitte Klemm und Helmut Osterloher mit ganz individuellen Beiträgen.
Es gibt wenige Lindenblüten, die zum Baum werden. Aber wie viele erreichen schon jenen Kult-Status, nach Lebensende ins Sakrale und Mystische erhoben zu werden?
Der Dank gilt insbesondere den Schöpferhänden eines Wolfgang Fritz, die keine Angst vor der Bearbeitung des Mediums Holz haben.

S6-Kulturforum Walter Koppe für xED