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podiumsdiskussion im stadttheater erding
bildungskonzepte und -politik im 21. jhdt.

- Was sollen Kinder heute lernen? 
- Welche Schule wollen wir? 
- Ändert sich die Kindheit? 
- Kann Schule in der Informationsgesellschaft noch mit traditionellen Bildungsmodellen funktionieren?..."


Als skandalösen Alleingang Bayerns bezeichnete Moderatorin Angelika Felixberger, langjährige Vorsitzende von Brücke e. V., zu Beginn der Podiumsdiskussion die Einführung von G8. Auf Dankebriefe vom Ministerium würde die Schulsozialarbeiterin gern verzichten. 
Eltern, aber auch Lehrer hätten es immer schwerer gegen eine saturierte Jugend. Den Bauern unserer zukünftigen Gesellschaft würde im Zeitalter von Superstar ein falsches Bild vermittelt, denn auf diese Weise scheinen Wege ohne Arbeit und Ausbildung möglich.
- Bedeuten die immer häufigeren Gewaltausbrüche in Schulen die Konfrontation mit der Realität?
Da die Mitarbeit der Eltern ab der 6. Klasse rapide abnimmt entfiele nun auf die Schulen immer mehr deren Rolle, nämlich einen Lehrauftrag fürs Leben zu bieten. Grad deshalb auch sei die Reduzierung der Schuljahre von 9 auf 8 Jahre kontraproduktiv, denn die Lehrer müssten mehr Zeit für die Schüler haben, um neben all dem Fachwissen das soziale Wesen und die Persönlichkeitsentwicklung stärker in den Vordergrund stellen zu können.
Für Sylvia Thies von der Montessori-Hauptschule geht es darum, die verborgenen Schätze der Kinder zu finden und zu fördern. Dies kann nur durch ein Klima des Sich-Wohlfühlens erreicht werden. Sie forderte einen Ort der Begegnung, der Spaß am Lernen macht.
Schüler wollen Anerkennung und Feedback. Erhalten sie das nicht, sinkt Ihre Leistung. Leistungsschwache Schüler wiederum sind disziplinlos und mobben andere, um diese ebenfalls zu schwächen. Motivation als zentrales Thema, Konzentration und Teamfähigkeit - das alles hat auch mit Lernerfolg, mit Pisa zu tun!
Beim Lernen spielen Emotionen eine Rolle, und diese sind altersspezifisch sehr unterschiedlich, so Schulpsychologe Alexander Geist vom Gymnasium Erding. Entsprechend müsste der Unterricht angelegt sein, und hier gelte es das richtige Maß zwischen Struktur und Freiheit zu finden. Doch dafür sei Zeit jenseits der Lehrpläne notwendig, und diese gibt es nun kaum mehr.
Auch Josef Hofstetter, Rektor der Hauptschule Taufkirchen betonte, dass es in den Schulen  darum gehen müsse, das Kind wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen, nicht das System. Es könne nicht mehr nur darum gehen, Wissen überzustülpen, sondern den Kindern Mut zu machen, eigene Ideen und Kreativität zu fördern. Um flexibler zu reagieren und den Lehrplan zu entrümpeln gäbe es zur Zeit leider zu viele bürokratische Hürden. Lehrer sollten auch nicht länger Einzelkämpfer sein, sondern ein Team von längerfristigen Begleitern eines Jahrgangs, um Kontinuität zu garantieren.
Um das Erlernen von Verantwortungsbewusstsein zwischen den Schülern geht es bei Montessori. Hier helfen über den Kontakt von vier Altersklassen Ältere den Jüngeren. 
Edi Speckmeier (rechts) meldete sich mit einer Kritik bezüglich der Lehrerausbildung zu Wort. Diese vermittle zu wenig psychologisches und pädagogisches Wissen, so der Grundschullehrer aus Egglkofen. Die Lehrer würden von der gesellschaftlichen Realität überfordert, denn die Vorstellung der Schule als Trichter des Wissens sei lange nicht mehr zeitgemäß.
Ob die Regierenden das auch wissen? Im Pisa-Siegerland Finnland jedenfalls gibt es bis zur 8. Klasse keine Schulnoten!

 


Bericht: xED, Walter Koppe