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Versuchstier Mensch - Krebs durch strahlende Handys?


Hermann Pröll auf der Veranstaltung des Volksbegehrens gegen Mobilfunk am 05.07.2005 im Gasthaus Mayr Wirt in Erding


Auf die Mobilfunkindustrie ist Hermann Pröll, Gemeinderat in Bockhorn, nicht gut zu sprechen - und er befindet sich damit in guter Gemeinschaft mit einer Reihe renommierter Forscher und Ärzte.
Zwar ließen sich, so Pröll, keine direkten gesundheitlichen Auswirkungen beweisen, doch immer mehr spräche dafür, dass die Strahlung der Sender bzw. der Empfangsgeräte den Menschen schädigen. Die thermische Wirkung auf die Haut, Störungen des Ionenhaushalts, des Stoffwechsels, der Nerven, der DNA oder der Augen seien unbestritten, damit seien Schlaf- und Konzentrationsstörungen wären die Folge.
Da es kaum Geld für gesundheitliche Untersuchungen gibt, könne man derzeit nur über die Höhe des Gesundheitsrisikos spekulieren. Jedenfalls sind Pröll die Grenzwerte viel zu hoch, um ein mehrfaches höher als in vielen anderen Staaten; außerdem würden viele Erkenntnisse, etwa aus Russland ignoriert.
Die Beweislage sei auch deshalb sehr schwierig, weil es hier um Langzeitwirkungen geht, die Krankheitserscheinungen damit erst nach Jahrzehnten ausbrechen lassen, und weil der Mensch in einer Umwelt lebt, die mit einer Vielzahl anderer Schadstoffen aufwartet. Damit gibt es kaum unbelastete Vergleichsgruppen, andererseits verursacht oft erst ein Mix von Belastungen eine Zunahme an Krankheitsfällen. 
Und trotzdem rechnet eine Reihe von Forschungsinstituten damit, etwa die im nordbayrischen Naila oder in Israel, dass sich das Risiko an Leukämie zu erkranken verdoppelt, wenn jemand nahe einer Sendeanlage wohnt.

Leider gibt es derzeit kaum Möglichkeiten, den Bau von Sendemasten zu verhindern. Das Baurecht ist lasch geregelt, und die Errichtung einer Anlage genehmigungsfrei. Auf dem ersten Blick scheinen Mobilfunkbetreiber sehr demokratisch vorzugehen, in dem sie den Bürgern bezüglich Senderort ein Vorschlagsrecht einräumen, jedoch warnt Pröll davor, dieses Angebot dann anzunehmen, denn dieses Recht könnte sich rasch zu einem Bumerang entwickeln. Wenn es etwa heißt: "Ihr wart es doch, die uns diesen Standort vorgeschlagen haben".
Die Sendemastenbetreiber nützen die derzeitige Unsicherheit, denn sie würden erst ab der Zeit schadenersatzpflichtig, wenn die Gesundheitsschädigung erwiesen ist. Und solange es kein Geld für Untersuchungen gibt, geht es nicht ums Thema Gesundheit, sondern schlicht um Marktanteile und Gewinn.

Was sollen Handy-Benutzer unbedingt beachten, wenn sie darauf angewiesen sind, lautet am Ende die Frage eines Besuchers?
Nicht innerhalb abgeschirmter Bereiche telefonieren, und unbedingt einen Moment warten bis man den Hörer ans Ohr hält, mahnt Pröll. Das Handy sucht
zunächst mit der höchsten Leistung den Senderkontakt, und reduziert diese erst, falls genügend Sendestrahlung vorhanden ist. Im Pkw oder in geschlossenen Gebäuden ist der Strahlungsbedarf ungleich höher als im Freien. Um Telefongespräche selbst in abgeschirmten Bereichen möglich zu machen, sei die Strahlung in Deutschland höher als anderswo. Das sei nur möglich, weil die Risiken und das richtige Verhalten nicht wirklich publik gemacht würden. Leider betrifft dies grad heute auch die meisten Jugendlichen. 
Gerade die Generation, bei der das Handys am meisten verbreitet ist, ist die von ihrer körperlichen Sensibilität und der unklaren Langzeitfolgen am meisten betroffen.

Da kein Vertreter der etablierten Lokalpresse anwesend war ist es natürlich schwierig, die Thematik - auch das Volksbegehren - in die Öffentlichkeit zu bringen. 

Walter Koppe

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