Auf die Mobilfunkindustrie ist Hermann Pröll, Gemeinderat
in Bockhorn, nicht gut zu sprechen - und er befindet sich damit in guter
Gemeinschaft mit einer Reihe renommierter Forscher und Ärzte.
Zwar ließen sich, so Pröll, keine direkten
gesundheitlichen Auswirkungen beweisen, doch immer mehr spräche dafür, dass
die Strahlung der Sender bzw. der Empfangsgeräte den Menschen schädigen. Die
thermische Wirkung auf die Haut, Störungen des Ionenhaushalts, des
Stoffwechsels, der Nerven, der DNA oder der Augen seien unbestritten, damit
seien Schlaf-
und Konzentrationsstörungen wären die Folge.
Da es kaum Geld für gesundheitliche Untersuchungen gibt,
könne man derzeit nur über die Höhe des Gesundheitsrisikos spekulieren.
Jedenfalls sind Pröll die Grenzwerte viel zu hoch, um ein mehrfaches
höher als in vielen anderen Staaten; außerdem würden viele Erkenntnisse,
etwa aus Russland ignoriert.
Die Beweislage sei auch deshalb sehr schwierig, weil es hier um
Langzeitwirkungen geht, die Krankheitserscheinungen damit erst nach Jahrzehnten
ausbrechen lassen, und weil der Mensch in einer Umwelt lebt, die mit einer
Vielzahl anderer Schadstoffen aufwartet. Damit gibt es kaum unbelastete
Vergleichsgruppen, andererseits verursacht oft erst ein Mix von Belastungen eine Zunahme an
Krankheitsfällen.
Und trotzdem rechnet eine Reihe von Forschungsinstituten damit, etwa die im nordbayrischen Naila oder in
Israel, dass
sich das Risiko an Leukämie zu erkranken verdoppelt, wenn jemand nahe einer
Sendeanlage wohnt.
Leider gibt es derzeit kaum Möglichkeiten, den Bau von
Sendemasten zu verhindern. Das Baurecht ist lasch geregelt, und die
Errichtung einer Anlage genehmigungsfrei. Auf dem ersten Blick scheinen Mobilfunkbetreiber sehr demokratisch vorzugehen, in dem
sie den Bürgern
bezüglich Senderort ein Vorschlagsrecht einräumen, jedoch warnt Pröll davor,
dieses Angebot dann anzunehmen, denn dieses Recht könnte
sich rasch zu einem Bumerang entwickeln. Wenn es etwa heißt: "Ihr wart
es doch, die uns diesen Standort vorgeschlagen haben".
Die Sendemastenbetreiber nützen die derzeitige Unsicherheit, denn sie würden erst ab der Zeit schadenersatzpflichtig, wenn
die Gesundheitsschädigung erwiesen ist. Und solange es kein Geld für
Untersuchungen gibt, geht es nicht ums Thema Gesundheit, sondern schlicht um Marktanteile
und Gewinn.
Was sollen Handy-Benutzer unbedingt beachten, wenn sie
darauf angewiesen sind, lautet am Ende die Frage eines Besuchers?
Nicht innerhalb abgeschirmter Bereiche telefonieren, und unbedingt einen Moment warten bis man den Hörer ans Ohr hält,
mahnt Pröll. Das
Handy sucht
zunächst
mit der höchsten Leistung den Senderkontakt, und
reduziert diese erst, falls genügend Sendestrahlung vorhanden ist. Im Pkw oder in
geschlossenen Gebäuden ist der Strahlungsbedarf ungleich höher als im Freien.
Um Telefongespräche selbst in abgeschirmten Bereichen möglich zu machen, sei
die Strahlung in Deutschland höher als anderswo. Das sei nur möglich, weil die Risiken und das richtige Verhalten nicht wirklich publik gemacht
würden. Leider betrifft dies grad heute auch die meisten Jugendlichen.
Gerade die Generation, bei der das Handys am meisten
verbreitet ist, ist die von ihrer
körperlichen Sensibilität und der unklaren Langzeitfolgen am meisten betroffen.
Da kein Vertreter der etablierten Lokalpresse anwesend war
ist es natürlich schwierig, die Thematik - auch das Volksbegehren - in die
Öffentlichkeit zu bringen.