"Wasser unterm Hammer"   
 

Wasser ist in Deutschland in der Regel noch ein öffentliches, kommunal verwaltetes Gut.
Seit deutsche Gemeinden in Schulden versinken und die EU auf Liberalisierung drängt, schreitet die Privatisierung des Wassers jedoch auch hierzulande voran.

Im Bluespunkt Oberdorfen startete am 11.10. 2006 die AG International Dorfen mit dem Thema "... damit aus Wasser Profit wird ..." eine neue Veranstaltungsreihe, die im Zweimonatsrhytmus (jeden 2. Mittwoch) fortgesetzt werden soll.

Im Mittelpunkt des Informationsabends stand die 2005 vom NDR produzierte Dokumentation "Wasser unterm Hammer" ("water makes money") von Leslie Franke und Hermann Lorentz, dessen Erfolg sich inzwischen an der Zahl der versendeten DVD-Kopien ablesen lässt.

Der Film zeigt die Auswirkungen der Privatisierung der Wasserversorgung in England. Weil das Reparieren der Rohre extrem teuer ist und den Gewinn der Anteileigner schmälert, versickert die Hälfte des kostbaren Trinkwassers in Londons Untergrund. Durch eine Verminderung des Wasserdrucks versucht die Betreibergesellschaft Thames Water (RWE) nun die notwendigen Arbeiten hinauszuzögern. Damit steigt zwar der Profit, das Wasser aber erreicht die oberen Stockwerke nicht mehr.
Die Kosten für die Gewinne der Aktionäre zahlen die Steuerzahler.

Hamburg, Berlin, Kiel, Münster, ... - Die negativen Erfahrungen aus London haben auch eine Reihe deutscher Städte zum Nachdenken veranlasst - manchmal allerdings zu spät, wie das Beispiel der Stadt Kiel zeigt. Hier wollte man Vorreiter beim Privatisieren sein, und trägt nun den größten Schaden. Auch zahlreiche Arbeitsplätze sind bereits verloren gegangen.

Mehr Info, u. a.: www.kernfilmproduktion.de/k04prodp.htm und www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID1333470,00.html

Bei der sich anschließenden Diskussion wurde die Frage nach dem lokalen Bezug gestellt. Wie etwa ist die Situation bei den Wasserwerken in Dorfen bzw. Erding, und welche anderen kommunalen Einrichtungen sind von der Privatisierung bedroht?
Wer verdient bei Privatisierungen von Gesundheit, Bildung, Rentensystem? Kommt auch hier die Gesellschaft für die Kosten auf? 

Die rund 20 Anwesenden entschieden sich denn auch dafür, die Gesundheitsreform zum Thema des nächsten Treffens zu machen. Aufgezeigt werden soll, wieso immer mehr Kliniken zur Aktiengesellschaft werden, siehe z. B. www.klinikheute.de.
Für den Fall, dass wir uns Gesundheit nicht mehr leisten können, am Ende noch ein
Beispiel, dass uns die Privatisierung selbst nach der letzten Ölung nicht mehr loslässt: Die Privatisierung der Friedhofsgärtnerei in Bielefeld 

- deshalb zuvor am 13.12.06 unbedingt noch in den Bluespunkt nach Oberdorfen


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