Auswechselbar und wie Tonspuren in der Endlosschleife die Sendungen von
Sabine Christiansen. So auch die vom 22.10.2006. Wie wenn die
Veränderungen der Globalisierung nicht seit den 90'ern voraussehbar
gewesen wäre (empfehlenswert hier "Die Globalisierungsfalle"
von Hans-Peter Martin und Harald Schumann von 1996). Der Zuseher stellt
sich also die Frage: Dummheit oder Absicht?
Anstatt endlich einmal eine Diskussion mit derlei kritischen Realisten -
und natürlich wird auch nie ein Albrecht Müller von den ebenfalls sehr empfehlenswerten
Nachdenkseiten (www.nachdenkseiten.de) eingeladen - dafür auch weiterhin
als Dutzendware jene Chefetage aus Politik, Wirtschaft, Lobby und
Beratern. Die Deutschland-Rettungs-AG, die stets das selbe predigten und
weiter predigen:
Die Wirtschaft muss wachsen, und dafür muss der "kleine
Mann" mehr arbeiten, weniger verdienen und seine selbstverschuldete
Arbeitslosigkeit mit Sozialhilfe bezahlen, so der Chor. Dass der kleine
Mann kaum Arbeit findet, und ob es der Wirtschaft beliebt, einen
50jährigen noch zu beschäftigen, ist fraglich. Trotzdem wird das Rentenalter
raufgesetzt, und man sollte sich drauf einstellen, sich um drei Minijobs
gleichzeitig zu prügeln.
Sabine Christiansen hat stets ihr Bestes gegeben, dass die Chefetagen
nicht mit Ihren Sendungen gestört werden. So wird man in dieser Runde
niemals hören, dass in den letzten zehn Jahren die Netto-Realeinkommen um
mehr als vier Prozent gesunken sind, während die Wirtschaft um 15 Prozent
gewachsen ist - mit den bekannten Ergebnissen. Wenn bei Christiansen nach
Schuldigen gefahndet wird, etwa in "Die Stunde der Wahrheit: Wie viel
soziale Gerechtigkeit können wir uns noch leisten?" oder:
"Gewerkschaften, Beamte, Politiker - Wer blockiert das Land?",
dann stehen die Antworten schon vor Sendebeginn fest. Die Talks sind
austauschbar. Da nie eine wirkliche Opposition zu Worte kommt, sondern
massenweise, wie eben wieder am 22.10. die Burdas und Sommers, oder J. Immelt, der sich selbst als
"Jünger des freien Markts" bezeichnet, so ist es kein Wunder, wenn am
Ende stets die Kleinen schuld sind. Und selbst die Regierung ("Lässt
die Regierung die deutsche Wirtschaft im Stich?") hindert die
Wirtschaft am Wachstum - weil sie sich immer noch nicht eindeutig genug
auf Seiten der Chefetagen stellt.
Wie gut, dass es
im Internet inzwischen Alternativen zur täglichen Manipulation gibt - und
natürlich weiterhin auch in vielen Bücherregalen.
Am
Ende noch ein interessanter Link über die Lobby, die hinter der Sendung von
Christiansen steht: www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23514/1.html
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