1. Mai-Kundgebung '07

im Gasthaus Grüner Hof
in Freising

 

 

xED-Bericht von Walter Koppe            



frech-bunt links-bayrische Unterhaltung: 
Otto Göttler & Sepp Raith: "Der Mensch braucht seine Utopie - aber dafür muas er scho wos doa"

 

 

Die Forderungen nach Sozialer Gerechtigkeit, nach Respekt und Guter Arbeit stand Vielerorts im Zentrum diesjähriger Veranstaltungen zum 1. Mai - so auch in Freising.
Ist unser Arbeitslohn gerecht? - Ab wann wird er sittenwidrig? 
Ist es gerecht, wenn eine Küchenhilfe in Landshut in einer 50 Stunden-Woche am Ende des Monats 600 € ausbezahlt bekommt, damit einen Stundenlohn von 2,79 € erhält?
Derlei Daten konnte man einem Faltblättchen der KAB, der 'Kath. Arbeitnehmerbewegung  München-Freising' entnehmen, das im Gasthaus Grünem Hof auslag. Dazu passend ein aktuelles Zitat des weisblauen Papstes, in dem dieser eine gerechte Entlohnung anmahnt, deren Höhe den Unterhalt einer Familie ermöglichen soll - wobei man die Summe des angemessenen Mindestlohns wiederum auf Seite Eins des Faltblättchens findet: "8,50 Euro pro Stunde"! 
Weshalb man wiederum nachfragen könnte, ob die katholische Kirche demnächst statt eine Wahlempfehlung für die Christsoziale Union abzugeben sich nun für die Wahl der Linkspartei ausspricht. Entsprechend war es kaum verwunderlich, dass in Freisings Tag der Arbeit die Redner der Linken in der Überzahl waren - und auch wenig Probleme darin fanden, die ver.de-Forderungen im Detail zu erläutern.

Guido Hoyer, DGB-Ortsvorsitzender und Linker Stadtrat in Freising mahnte die Bayrische Bildungspolitik an, die ein Gerechtigkeitsdefizit aufweist und soziale Auslese betreibt. Geld wäre genug vorhanden. Deutschland sei eines der reichsten Länder der Welt, die Gewinne der Unternehmen seien enorm, nur die Verteilung höchst ungerecht. Während Vorstandsgehälter in Millionenhöhe gezahlt werden boomt auf der anderen Seite der Billiglohnsektor.  

Freisings Bürgermeister Thalhammer (SPD) verglich die Einkommenssteuer eines durchschnittlichen Freisingers in den letzten Jahren, und stellt fest: der Airport sei nicht mehr nur Job-Maschine, statt dessen habe der Billiglohnsektor die Domstadt erreicht. 
Was innerhalb seiner Stadt früher selbstverständlich war: durch eigener Hände Arbeit genügend Geld für eine zufriedenstellende Existenz zur Verfügung zu haben, sehe er inzwischen immer weniger gegeben. "Ich hoffe, Ihre Forderungen werden gehört", gab er an die Bundestagsabgeordnete Kornelia Möller weiter.

Kornelia Möller, Bundestagsabgeordnete der Linken, nannte die drohenden Arbeitskämpfe bei Telekom als aktuelles Beispiel neoliberaler Politik. 
Erst jüngst hätte die Bundesregierung innerhalb einer aktuellen Stunde den Kurs des Vorstands der Telekom gestützt, damit der Arbeitsplatzvernichtung, Auslagerung von Arbeitsplätzen und Lohnkürzungen trotz Verlängerung der Arbeitszeit zugestimmt. 
Möller zeichnete ein Bild, wie Kinder von Hartz IV-Betroffenen bzw. der prekären Beschäftigungssituation ihrer Eltern leiden, wie sich wiederum deren Angst um den Arbeitsplatz auswirkt. Arme ohne Zukunftsperspektiven sterben früher, so Möller. Der Arbeitsmarkt sei derzeit wie eine verschlossene Tür: Die Jungen wollten rein, die Alten würden gerne raus, um den Jungen Platz zu machen, aber die Tür ist aus Gründen der Demographie abgesperrt.

Während Vorständler wie Ackermann oder Esser Gehälter in Millionenhöhe kassierten und seit der rot-grünen Regierung Großunternehmen jedes Jahr Milliarden-Geschenke gemacht würden, bleibt für das Ziel guter Arbeitsplätze und einer sozialen und gerechten Gesellschaft kein Geld übrig. 

"ARM trotz Arbeit" - Ralf Krüger trug seine Botschaft mit Großbuchstaben auf dem roten T-Shirt - wobei der stv. Verdi-Vorsitzende und FMG-Betriebsrat vor allem die zunehmende Einkommensschere der rund 27.400 am Münchner Airport Beschäftigten als Grund erkannte. 7 bis 8 Euro betrage der Lohn etwa für die im Sicherheitsbereich Beschäftigten, wobei er derlei eigentümliche Tätigkeiten des sich gegenseitigen Kontrollierens als "Schöne Neue Welt" bezeichnete. 
Das Stammpersonal dagegen würde immer häufiger durch Zeitarbeitsfirmen ersetzt. Hier sei der 6-Euro-Jobber schon fast zur Normalität geworden - und selbst die hätten die Hoffnung längst verloren, dass sich etwa eine Dritte Start- und Landebahn positiv für ihren Lohn niederschlägt. 
Bei den Arbeitsbedingungen sieht es ohnehin schlecht aus. Wenn manch Loader im Frachtraum eines Fliegers bereits mit 25 Jahren Probleme mit seinen Bandscheiben bekommt, soll dieser demnächst bis zum 67sten Lebensjahr mit dem Rollstuhl zur Arbeit kommen?, so Krüger, der mit einem Appell endete: "Bis zum nächsten 1. Mai müssen wir ganz dringend doppelt so viel werden".

Zu hoffen, dass bis dahin nicht im Gegenteil immer mehr Beschäftigte mürbe gemacht sind. Der Krankheitsstand, so niedrig wie nie, zeigt ja weniger, dass die Arbeitnehmer so furchtbar gesund sind, sondern dass sie Angst haben, und sich nicht wertgeschätzt fühlen.
Für eine lebenswerte Existenz aber ist auch Selbstwertgefühl und gegenseitiger Respekt notwendig. "Der Mensch braucht seine Utopie - aber dafür muas ma scho wos doa"!


Guido Hoyer

 



Dieter Thalhammer

 



Kornelia Möller

 



Ralf Krüger

 


 
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