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Die Forderungen nach Sozialer Gerechtigkeit, nach Respekt und Guter Arbeit stand
Vielerorts im Zentrum diesjähriger Veranstaltungen zum 1. Mai - so auch in Freising.
Ist unser Arbeitslohn gerecht? - Ab wann wird er
sittenwidrig?
Ist es gerecht, wenn eine Küchenhilfe in Landshut in einer 50
Stunden-Woche am Ende des Monats 600 € ausbezahlt bekommt, damit einen Stundenlohn von 2,79 €
erhält?
Derlei Daten konnte man einem Faltblättchen der KAB, der 'Kath.
Arbeitnehmerbewegung München-Freising' entnehmen, das im Gasthaus Grünem
Hof auslag. Dazu passend ein aktuelles Zitat des weisblauen Papstes, in dem dieser
eine gerechte Entlohnung anmahnt, deren Höhe den Unterhalt einer Familie
ermöglichen soll - wobei man die Summe des angemessenen Mindestlohns wiederum auf Seite Eins des Faltblättchens
findet: "8,50 Euro pro Stunde"!
Weshalb man
wiederum nachfragen könnte, ob die katholische Kirche demnächst statt eine
Wahlempfehlung für die Christsoziale Union abzugeben sich nun für die Wahl der
Linkspartei ausspricht. Entsprechend war es kaum verwunderlich, dass in
Freisings Tag der Arbeit
die Redner der Linken in der
Überzahl waren - und auch wenig Probleme darin fanden, die ver.de-Forderungen im Detail zu
erläutern.
Guido Hoyer, DGB-Ortsvorsitzender und Linker
Stadtrat in Freising mahnte die Bayrische Bildungspolitik an, die ein
Gerechtigkeitsdefizit aufweist und soziale Auslese betreibt. Geld wäre genug
vorhanden. Deutschland sei eines der reichsten Länder der Welt, die Gewinne der
Unternehmen seien enorm, nur die Verteilung höchst ungerecht. Während
Vorstandsgehälter in Millionenhöhe gezahlt werden boomt auf der anderen Seite
der Billiglohnsektor.
Freisings Bürgermeister Thalhammer (SPD)
verglich die Einkommenssteuer eines durchschnittlichen
Freisingers in den letzten Jahren,
und stellt fest: der Airport sei nicht mehr nur Job-Maschine, statt dessen habe der
Billiglohnsektor die Domstadt erreicht.
Was innerhalb seiner Stadt früher selbstverständlich
war: durch eigener Hände Arbeit genügend Geld für eine
zufriedenstellende Existenz zur Verfügung zu haben, sehe er inzwischen immer
weniger gegeben. "Ich hoffe, Ihre Forderungen werden gehört", gab er an die Bundestagsabgeordnete Kornelia Möller weiter.
Kornelia Möller, Bundestagsabgeordnete der
Linken, nannte die drohenden Arbeitskämpfe bei Telekom als aktuelles Beispiel
neoliberaler Politik.
Erst jüngst hätte die Bundesregierung innerhalb einer aktuellen Stunde den
Kurs des Vorstands der Telekom gestützt, damit der
Arbeitsplatzvernichtung, Auslagerung von Arbeitsplätzen und Lohnkürzungen
trotz Verlängerung der Arbeitszeit zugestimmt.
Möller zeichnete ein Bild, wie Kinder von Hartz IV-Betroffenen bzw. der
prekären Beschäftigungssituation ihrer Eltern leiden, wie sich wiederum deren
Angst um den Arbeitsplatz auswirkt. Arme ohne Zukunftsperspektiven sterben
früher, so Möller. Der Arbeitsmarkt sei derzeit wie eine verschlossene Tür: Die Jungen
wollten rein,
die Alten würden gerne raus, um den Jungen Platz zu machen, aber die Tür ist aus Gründen der
Demographie abgesperrt.
Während Vorständler wie Ackermann oder Esser Gehälter in Millionenhöhe
kassierten und seit der rot-grünen Regierung Großunternehmen jedes Jahr Milliarden-Geschenke
gemacht würden, bleibt für das Ziel guter
Arbeitsplätze und einer sozialen und gerechten Gesellschaft kein Geld übrig.
"ARM trotz Arbeit" - Ralf Krüger trug
seine Botschaft mit Großbuchstaben auf dem roten T-Shirt - wobei der stv.
Verdi-Vorsitzende und FMG-Betriebsrat vor allem die zunehmende Einkommensschere
der rund 27.400 am Münchner Airport Beschäftigten als Grund erkannte. 7 bis 8 Euro betrage der Lohn etwa für die im Sicherheitsbereich
Beschäftigten, wobei er derlei eigentümliche Tätigkeiten des sich gegenseitigen
Kontrollierens als
"Schöne Neue Welt" bezeichnete.
Das Stammpersonal dagegen würde immer häufiger durch Zeitarbeitsfirmen ersetzt. Hier
sei der 6-Euro-Jobber schon fast zur Normalität geworden - und selbst die
hätten die Hoffnung längst verloren, dass sich etwa eine Dritte
Start- und Landebahn positiv für ihren Lohn niederschlägt.
Bei den
Arbeitsbedingungen sieht es ohnehin schlecht aus. Wenn manch Loader im Frachtraum eines
Fliegers bereits mit
25 Jahren Probleme mit seinen Bandscheiben bekommt, soll dieser demnächst bis zum 67sten Lebensjahr
mit dem Rollstuhl zur Arbeit kommen?, so Krüger, der mit einem Appell endete: "Bis zum
nächsten 1. Mai müssen wir ganz dringend doppelt so viel werden".
Zu hoffen, dass bis dahin nicht
im Gegenteil immer mehr
Beschäftigte mürbe gemacht sind. Der Krankheitsstand, so niedrig
wie nie, zeigt ja weniger, dass die Arbeitnehmer so furchtbar gesund sind, sondern
dass sie Angst haben, und sich nicht wertgeschätzt fühlen.
Für eine lebenswerte Existenz aber ist auch Selbstwertgefühl und gegenseitiger Respekt
notwendig. "Der Mensch braucht seine Utopie - aber dafür muas
ma scho wos doa"!
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 Guido Hoyer
 Dieter Thalhammer
 Kornelia Möller
 Ralf Krüger
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