nächtlicher Kampfvon Walter Koppe
Frühschicht heißt für mich oft auch eine nächtliche Tour
d'Airport, also vom Erdinger Stadtteil Klettham an den 13 km entfernten Münchner Flughafen. Gut die Hälfte der
Strecke macht ein schmales Asphaltband aus, welches hinterm Weisbräu beginnend als Fahrradweg an
Niederding vorbei nach Oberding, und von dort weiter bis Schwaig führt. Auch
ein Gutteil des restlichen Stückes auf der ehemaligen Freisinger Straße bis zum Beginn des
Airport-Geländes ist heute vom Autoverkehr frei.
Seit über vier Jahren fahre ich diese Strecke, zu unterschiedlichsten
Schichtzeiten, und zu allen Jahreszeiten... Kurz vor Oberding plötzlich ein seltsames
Fauchen und Fiepen direkt vor mir auf der schwarzgrauen Fahrbahn. Ein Schatten bewegt sich, ein
zweiter windet sich unter ihm, dann huscht eine
dunkelschwarze Katzengestalt vom Licht des Fahrrads getroffen fluchend davon. Ich setze meine Fahrt fort, philosophiere ein bisschen, analysiere mein Verhalten. Habe ich nicht eben in den natürlichen Kreislauf eingegriffen? Ich nehme irgendeine einmal in diese Richtung gehende Diskussion auf, um mich ihr zu stellen und zu verteidigen: "Ja, ich habe eingegriffen! - und?" frage ich dazwischen. "Aber unterscheidet uns Menschen das nicht vom Tier? - Hieß Mensch sein nicht einmal menschlich handeln?" Dann finde ich den Vergleich zu ganz aktuellen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen. "Wurde mit Hilfe einer ganz ähnlichen Fragestellung nicht eine unsolidarische Gesellschaft legitimiert. Das Recht der Natur, des Stärkeren, des freien Markts, ...?", bis mir endlich auffällt, dass meine Tasche fehlt. "He, wo ist mein Ausweis, meine Geldbörse, ...?" Ich radle zurück. Am Ort des Kampfes finde ich einen dunklen
Schatten in dunkelgrauer Landschaft, reglos. |
Das
nächtliche Schlachtfeld samt Blutflecken kurz vor Oberding Stunden später
bei Tageslicht betrachtet.
Das Stück der anderen
Geschichte? |