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Die fast endlose Reihe der Namen kann sich
im Zelt kaum
jemand merken.
Natürlich begrüßt er den gesundheitlich angeschlagenen
Landtagsabgeordneten Schwimmer, so wie Werner Brombach, den Hausherrn
des Weisbräu-Zelts; und gleich beweist er auch Rechenkünste:
"3 + 4 = 7, ... natürlich auch
umgekehrt" - er spielt auf die Listenplätze der Erdinger Landtags- und
Bezirkstagskandidaten an, die sich damit leicht merken lassen. Als
letzten nennt er sogar Herbert Knur
- als "last not least"! Immerhin ist Berglerns
Bürgermeister für die meisten
Demonstranten verantwortlich, die zu den etwa 20 % der
Beckstein-Skeptiker im Zelt zu rechnen sind, sich in den
hinteren Bänken des insgesamt mit etwa 1200 Personen besetzten
Bereichs aufhalten. Das hintere Drittel ist leer.
Trotzdem scheinen die Organisatoren erleichtert. Es hätte schlimmer
ausgehen können.
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"Wir
leben im erfolgreichsten Bundesland Deutschlands, und vielleicht in
Europa. Und der Landkreis Erding gehört zu den erfolgreichsten von
Bayern. In Franken hätte man gern die Probleme von Erding".
Dies in Zusammenhang mit der eigenen Partei zu bringen ist die Formel,
die Beckstein nun bis zum Ende seines Auftritts in Variationen
durchzuhalten sucht; so ähnlich ins weißblaue Blut übergehen soll wie "Bayern
- Sommer, Sonne und CSU", oder "Brezn - Bayern
- Beckstein". Aber ist der Bierzelt-Bayer tatsächlich
so einfach gestrickt? Beckstein ist
immerhin Franke, er geht auf die Belastungen des Airports ein. "Natürlich verstehe
ich ...", betont er; er ist kein FJS; Beckstein wägt ab, mit "rechtsstaatlichen
Mitteln" soll alles geschehen - Wieso betont er das? Unterscheidet er
sich davon von Stoiber ("in 10 Minuten..."), wenn er den
Regionalplan nun doch noch einmal "überprüfen", sich mit
der Planfeststellung doch nochmal "auseinandersetzen" will? Dass
er mit manch seiner Argumente daneben liegt, dies aber als Wahrheit
verkauft - etwa über die Qualität der Arbeitsplätze am Airport,
lässt sich mit dem Wissen aus Hochglanz-Broschüren, sowie dem engen
Kontakt zum Management entschuldigen, dafür erntet er Beifall.
Von der Perspektive der Beschäftigten, die immer häufiger
Billiglohn-Unternehmen angehören, erfahren die Zuhörer nichts! Becksteins
Argumentieren und Abwägen gilt jedenfalls so ähnlich auch der A94.
Auch hier wird das Ergebnis mehr als
fragwürdig, wenn er nämlich "das Isental zum Bauernopfer fürs
Chemie-Dreieck um Burghausen" erklärt, und der Ausbau der
vorhandenen Bundesstrasse als Alternative nur deshalb nicht gelten
soll, weil die CSU-Landesregierung bereits zu viel Zeit, Energie und
Geld in die möglicherweise falsche Lösung Isental investiert hat, so dass eine Umplanung in
die sinnvollere Süd-Variante schlicht und einfach als eigene Niederlage gedeutet werden könnte. Wenn
Beckstein schon das Thema Verkehr - auch in Richtung Flughafen - als
größtes Regionalproblem erkennt, und neben dem Straßenneubau der FTO
den Ringanschluss der Bahn forcieren will... Beckstein. "Wir tun
ja alles was hilft, die Zahl der Pkw und Lkw zu reduzieren!" dann
fragt man sich als Initiator der größten Pendler-Mitfahrzentrale
Bayerns (siehe www.mifaz.de), welche gerade zur Hauptverkehrszeit den Verkehr in den
Regionen mit Unterstützung des Landes Bayern weit mehr reduzieren
könnte als es derzeit geschieht, statt dessen jede Kommune für sich das
Projekt bewerben muss (mittlerweile immerhin über 500) - im Gegensatz zum ähnlichen
Projekt in
NRW; dessen Initiator längst als gesellschaftlich anerkannter Fachmann
herumgereicht wird, um dessen Idee der Verkehrseinsparung zu bewerben.
Wieso übergeht man in Bayern also die billigste und ökol. sinnvollste
Lösung? Zumindest bleibt man aufgrund solcher
Punkte auch im Folgenden gegenüber kritisch - wie sich zeigen wird mit
Recht! "Sollte es sich herausstellen,
dass der Kerosinpreis auf 200 $ pro Barrel steigt, dann zögere ich
nicht, wie beim Transrapid zu handeln", so Beckstein, was
die Bedingungen für den Bau einer 3. Start- und Landebahn betrifft.
Doch was so klingt, als würden alte CSU-Standpunkte revidiert, ist
nichts als Augenwischerei, auch der eigenen Basis gegenüber; denn
es gibt kein Szenario, dass der Preis
für Kerosin innerhalb der nächsten Zeit diese Marke überschreiten könnte! - der derzeitige Preis liegt
zwar hoch, aber "nur" bei rund 100 $.
Beim Thema
Geothermie zieht Beckstein "den Hut vor den
findigen Leut' in Erding", weil sie als erstes "zwischen
München und Alpenrand" (? nun gut, Beckstein ist Franke!)
auf die Idee kamen. Wenn man nun aber weis,
dass die Firma Excon damals Erdöl suchte? Als nur warmes Wasser
heraus kam, waren die Stadtoberen erst mal irritiert und wussten lange nichts
damit anzufangen. Der zitierte Hut
kann also gar nicht breit genug sein, um das Motiv dahinter nicht zu
erkennen: "Ihr seid soo findig, liebe Leut, da kommt ihr auch mit solch
kleinen Belästigungen klar". Besorgten
Elterninitiativen, die ein Werbeverbot für Bier erreichen wollen,
erklärt Beckstein den Krieg: "Bier
ist in Bayern ein Grundnahrungsmittel" sagt der Weinkenner, weil er
mitten im Erdinger Weissbierzelt wohl kaum etwas anderes
sagen darf. Und er verdutzt die Anwesenden im nächsten Augenblick, wenn er der Bier-Lobby
gleich derlei entgegen eilt, als es ums Thema Straßenverkehr geht::
"Ein Maß bei Mann oder Frau geht noch!"
-? Und er steigert sich noch: "oder wenn er ein
paar Stunden da ist, auch zwei"!!!Auf
den gerade aktuellen Rücktritt von Kurt Beck geht Beckstein kaum ein, überhaupt ist
ihm die SPD nur indirekt der Rede wert - wenn es nämlich ums Verhältnis zur
Linken geht. "Gesine Schwan, nehmen Sie
Ihre Kandidatur zurück, wenn Sie nicht mit Hilfe der Linken gewählt
werden wollen!". Dann folgt der übliche Kreuzzug gegen die
Linken, jener
"Mauerbau-Partei" die "Nichts aus der Vergangenheit gelernt"
hat. An dieser Stelle wäre ein Vergleich zwischen der Linken und der Ost-CDU
angebracht,
oder die Motive, die konkret zum Ausdruck "Wendehälse" geführt
haben.
Statt dessen steigert sich Beckstein viel lieber beim Thema Zypries:
"Wie blöd hält die Hessen-SPD die Bayern, um ihre Entscheidung
zur Linken erst nach den bayrischen Landtagswahlen zu verkünden?". Stattdessen
fragen sich die Beschäftigten beim Bodenverkehrsdienst am Münchner Flughafen längst - die Bayrische Staatsregierung ist hier
Mehrheitseigner! -
wieso die Ausgliederung in eine Billigtochter erst nach den
Landtagswahlen beschlossen werden soll? Für wie blöd schätzt die
CSU hier die Beschäftigten am Münchner Flughafen? Während
Beckstein den Zuhörern die gut qualifizierten Arbeitsplätze vor
Augen malt, die er abhängig von einer 3. Start- und Landebahn (?) gern in
München ansiedeln möchte, übergeht er die Realitäten dort - dass
die Notwendigkeit einer solchen dritten Bahn auch durch Lohndumping,
kaum zumutbaren Arbeitsbedingungen und rekordverdächtigen
Krankheitsquoten erkauft wird, um damit die Nachfrage in diese
Richtung entsprechend zu steigern. In Becksteins Statistik über
den Wohlstand der Region sind dann auch solche Daten nicht
enthalten, welche eine Betriebsratsliste "Arm - trotz Arbeit"
zur stärksten Fraktion der FMG-Billigtochter mucground werden ließ. Dass der wachsende
Billiglohn- und Zeitarbeit-Bereich (bis zu 12-Tages-Schichten, 7-
Tage-Frühschicht ab 4 Uhr, ... kein Wort dazu bei Beckstein) mit
Kommunal-, Familien- Sozial- und Kulturpolitik zu tun hat, und der
Flughafen in Sachen Lohndumping damit auch gleich noch die Vorreiterrolle für die
gesamte Region einnimmt, dass das gesellschaftliche Gesamtgefüge der wachsenden
Unterschiede zwischen Oben und Unten vollkommen aus dem Lot zu gehen droht, all
dies passt nicht zum selbstgestrickten folkloristisch- bayrischem Bild
trachtledernder CSU, in der
die Kontraste des Schwarz-Weis doch sonst so ausgeprägt sind - etwa um beim Beruf der Bauern nicht die eigenen
CSU- Vertreter der
Agrarpolitik, sondern die ehemals zuständige Grüne
"Öko"-Ministerin Künast zur Vertreterin der
"Agrar-Industrie" zu erklären. Hier immerhin beinah
unbekanntes Insider-Wissen aus EU-Politik. Was ist das für eine seltsame
Drohung an die anderen Bundesländer:
"Ohne einen ausgeglichenen Haushalt wird Bayern keinen Euro an
andere zahlen!" - ? Wenn man weis, dass dieser
ausgeglichene Haushalt z.B. auf dem Rücken von Billiglohn
zustande kommt - Mehrheitseigner am Münchner Flughafen ist das Land
Bayern; Wenn man weis, dass durch die
Arbeitsbedingungen dort Krankheitsquoten von etwa 20 % verzeichnet werden,
für dessen Kosten wiederum die Beitragszahler zahlen. Möchte
Beckstein damit die anderen Bundesländer dazu zwingen, diese
Verhältnisse vollkommen ungerechter Lebensumstände zu kopieren? Bitte
Nein - der Verfasser dieser Zeilen arbeitet im Schichtdienst, kennt
Kollegen, die vor Kurzem erst, mit 24, 29, 52 Jahren verstorben sind!
- und niemand macht die realen Zahlen öffentlich ! Gegen
Ende des Auftritts steigert sich Beckstein in
fränkisch-wagnerianische Dramaturgie. Dazu eignet sich
die Ausländer-Thematik hervorragend: "Wir leben in Bayern sicherer als Anderswo. Eine
Koalition mit der FDP aber würde heißen: Bombenbastler überprüfen
ginge nicht. Wer aber unsere Gesetze nicht
achtet wird abgeschoben". - "Ausländer = Islamist = Terrorist", sind die
Parolen von Rechtsextremisten, wie z.B. von "Pro Köln", von
Le Pen, von Haider... Nein,
so meint es Beckstein natürlich nicht. Er erzählt von einer Türkin, die sich bei
Beckstein bedankt hatte, weil ihr in Bayern alle Möglichkeiten offen
stünden. - Und hier geht's zur Realität: Der Fall Soykan,
einer Erdinger Türkin, die aus Erding "entfernt" wurde... Wenn
Beckstein schon unsere demokratischen Werte in die Höhe lobt, wieso kein Wort
zur Versammlungsfreiheit, die er in Bayern gerade einschränken ließ.
Wenn das Ungleichgewicht zwischen Oben und Unten zunimmt, welche
Auswirkungen hat das auf den Wert unserer Demokratie? Wie sieht es mit
der Transparenz politischer Entscheidungen aus? Das
Mitgeschriebene inklusive all mitgedachter Gedankenstriche enden im
Schlussapplaus - etwas zögerlicher und gezwungener als CSU-Veranstaltungen der letzten
Jahre und Jahrzehnte. Die meisten Menschen im Zelt würden allerdings kaum offen
zu erkennen geben, falls sie hier irgendwo ins Zweifeln geraten wären. Gute Miene zum
undeutlich-unklaren Spiel?
Am Ende der Veranstaltung
fällt mir auf der rechten Seite des Ausgangs ein junger Herr auf, der eine Liste mit
Unterschriften betreut. Ich mache meiner zugegebenermaßen etwas
gespielten Enttäuschung Luft:
"Aber beim Strauss war's zimpftiger. Do war a Stimmung".
"Tja, den gibt's aber leider nimma" antwortet der. Wollen'S a für
die Pendler-Pauschale unterschreiben?". Ich:
"Dafür hob I scho' bei de Link'n unterschrieb'n,
nachdem die CSU die Pendlerpauschale abg'schafft hod. Während
sich mein Gegenüber still in den hinteren Bereich zurück gezogen hat,
nehm ich dann doch die Diskette "STOLZ
AUF BAYERN" mit. Darauf Blasmusik.
Draußen vor dem Zelt ist
es noch um einiges ruhiger, so kann ich verstehen, wie eine Lederhose zu
seinem Dirndl sagt: "Aber am End ist doch noch Stimmung aufg'hema".
"Stimmt", ergänze ich, "vor allem als es am End um die Ausländer
ging".
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