Joachim Ringelnatz - gelesen 
                                   von Klaus Schiermann 

Die schnellste Antwort auf die Frage: Wer war eigentlich Ringelnatz? könnte lauten: Das war Kuddel Daddeldu
Und auf die Frage nach Schiermann? Er kaldaunt gern, bezeichnet sich als literarischer Wiederkäuer. Auf jeden Fall wird beim Auftritt Schiermanns eine gewisse Seelenverwandtschaft sichtbar - was eben auch an der Qualität des Schauspielers liegen könnte - der den Abend damit zum Gesamtkunstwerk werden lässt, einer Komposition aus Wort und Sprache, Gestik und Mimik. Die Grundlage bildet die rücksichtslos- freie freche Sprache und den Wortwitz eines Ringelnatz, dem Schiermann Gestalt und Ausdruck verleiht.

Schiermann geht bei seinem humoristischen Vortrag chronologisch vor, gibt zunächst Episoden über das wilde und unerzogene Kind preis, dem - vielleicht auch wegen seiner schiefen Nase - die Schule eine Qual und Zeitverschwendung ist, in der Zeit von Kreide, Schwamm und Rohrstock immerhin zum Klassenclown avancierend bald an jedes Vorkommnis seinen Reim hängt, sich bei den Lehrern dafür unbeliebt macht; vom Gymnasium fliegt, weil er sich in der Schulpause von einer Samoanerin tätowieren lässt.
Die Zeit zwischen Wilhelm und Adolf ist so stürmisch wie die Folgezeit als Matrose auf rauer See. Schiermann zeichnet Landgänge in West-Indien und Britisch Honduras nach, Ringelnatz schlägt sich mit Dutzenden von Jobs durchs Leben, stürzt vom Baugerüst. Hunger, aber auch Alkohol waren ständiger Begleiter. In Etville spielt Ringelnatz als Kalif von Bagdad verkleidet den Bürgern üble Streiche. Wohl zum ersten mal in seinem Leben huldigte man ihm.
Ende der Zwanziger findet man Ringelnatz in der Künstlerszene Münchens wieder, er wird zum Hausdichter des Simpl, und tritt in Berlin zum ersten Mal als Kabarettist auf, kann von seiner Kunst endlich halbwegs leben. Doch das Glück ist nur kurz: Ab 1933 werden seine Auftritte von den Nazis als wehrzersetzend eingestuft, bereits ausverkaufte Auftritte werden abgesagt.
Hungrig und erschöpft tritt er nochmals in der Schweiz auf, wohin sich Freunde abgesetzt hatten. Noch einmal wird seine Not gelindert, doch bereits 1934 wird Ringelnatz im engsten Familienkreis beigesetzt.
Sein Name immerhin hat sich weit in die Gegenwart hinein gerettet. Klaus Schiermann zeigte eindrucksvoll die Gründe auf. 

 


Klaus Schiermann und Manfred Trautmann im Nov. 2003 Deine Meinung im S6-Kultur-Forum

Weitere Auftritte von Klaus Schiermann, z.B. zusammen mit Manfred Trautmann und Beate Welsch:
- 30.03.09, 17.30 Uhr im ev. Gemeindezentrum Altenerding: KikeriKiste - für Menschen zwischen 5 und 100
- 08.05.09, 19.30 Uhr in der Gemeindebücherei Neufahrn: "nachgelesen" - Erich Kästner

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