"Politik meets Hardrock" 
Podiumsdiskussion für Jung- und Erstwähler zur Bundestags- und Europawahl - mit den Direktkandidaten/-innen aller Parteien

 

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Plakat zur Veranstaltung

 


vergrößerte Umgebungskarte

 
Die vom Kreisjugendring Ebersberg, sowie den Jugendreferenten der Gemeinden Poing, Pliening und Finsing organisierte Veranstaltung wurde von Herrn Karg vom bayrischen Schulministerium moderiert.
Die Bundestagskandidaten von CSU, SPD, FDP, B'90/Die Grünen, Die Linke und ödp für den Wahlkreis Ebersberg/ Erding (Wahlkreis 214) sollten möglichst knapp Antworten zu den vom Moderator gestellten Themenblöcke geben. Zwischendurch, so das Konzept, hatte das ca. 17-24 Jahre alte Publikum die Gelegenheit, Fragen und Statements an die Kandidaten am Podium zu richten. Im Vorraum standen Info-Tische mit Material für alle Parteien bereit. 
Während die Begrüßung der Kandidaten bereits gegen 17.15 Uhr erfolgte, startete die Veranstaltung dann kurz nach 18.00 Uhr. Das Ende der Podiumsdiskussion war für ca. 19.45 Uhr vorgesehen, denn im Anschluss fand ab ca. 20.00 Uhr ein Rockkonzert mit den Gruppen "Executed" und "The Back's" statt. Während der Besuch der Podiumsdiskussion frei war, kostete das anschließende Konzert 3 € Eintritt.

Folgende sechs Kandidaten standen Rede und Antwort:
- Dr. Max Lehmer, Bundestagsabgeordneter der CSU
- Ewald Schurer, Bundestagsabgeordneter der SPD
- ... Fickenwirt, Bundestagskandidat der FDP
- Stefan Kistler, Bundestagskandidat von Bündnis 90/ Die Grünen
- ... Reindl, Bundestagskandidatin der ödp
- Walter Koppe, Bundestagskandidat von Die Linke

eigener Bericht

Nach der Veranstaltung wagte ich zu hofften, dass mein Part zur Veranstaltung auch von der Presse ähnlich positiv beschrieben würde, wie ich dies von den Anwesenden erfahren hatte. So erhielt ich als vierter in der Reihe den ersten Applaus des Abends. Aber auch Ingrids Resumé war recht positiv, mit ihr war ich eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung noch bei schönstem sonntäglichen Ausflugswetter am Taubenberg (bei Weyarn) unterwegs. Und auch, wenn ich ihrer Meinung nach zwischendurch etwas zapplig gewirkt habe, als ich z.B. ein wenig herumspaziert bin, weil mich die Antworten anderer Kandidaten schon etwas aufregten, so hatte ich dann vor allem die spontan-frechsten Antworten vor allem gegenüber den Abgeordneten Schurer und Lehmer parat.
Schurer machte ich gleich zu Beginn das Angebot, seine eben gegebenen Antworten zum Mindestlohn und sozialer Gerechtigkeit abkopieren zu dürfen - um Zeit zu sparen, denn schließlich habe die SPD die Themen zuvor ja auch von den Linken kopiert, während man solch linke Forderungen bis dahin doch als 'populistisch' brandmarkte...
Jedenfalls, nebenstehende Person (wir Kandidaten waren zu sechst an drei Tischen nebeneinander aufgereiht) machte wiederholt Anmerkungen wie: "der war gut", oder "bin der selben Meinung ..."; etwa als ich nach Lehmers Antwort: "Wir müssen noch mehr sparen" dessen Sparwahn karikierte: "Leider ist es viel zu lang schon politisches Konzept: 'Wir müssen noch mehr sparen - und zwar koste es was es wolle'".
OK, die Tendenz der Veranstaltung war vom Kreisjugendring EBE vorgegeben, damit handelte es sich auch weniger um eine weit ins Detail gehende Diskussionsveranstaltung, passte damit zum Ziel der Veranstalter, die Jugendlichen für politische Themen anzustoßen, passend zum musikalischen Rahmen HardRock, und so wurden auch vom Moderator teils sehr kurze Statements gestellt, die vor allem nebenstehende Person wiederholt sprachlos machte. Innerhalb deren speziellem Fachgebiet hätte diese durchaus die beiden Abgeordneten Schurer und Lehmer angreifen können - wenn man sich denn getraut hätte.
Als wir sechs jeweils einen Halbsatz zu ergänzen hatten, und mir der Moderator den Halbsatz hinüberwarf: "Was würden Sie antworten, wenn die Menschen Ihnen sagen 'Die da oben machen ohnehin was sie wollen?'", kam meine Antwort ohne einen Sekundenbruchteil abzuwarten: "Die haben recht", so dass das Publikum gleichfalls lachte wie klatschte; so dass Dr. Lehmer wiederum sogleich einen längeren Vortrag gegen meine Antwort startete, bis ich ihn unterbrach, dass es sich hier ja auch nur um einen spontanen Halbsatz gehandelt habe, den ich mit einem zweiten oder dritten Halbsatz wenigstens ein Stück weit erklären oder relativieren hätte können. So nutzte ich die Gelegenheit, meinte, "dass Politikverdrossenheit auch dadurch entsteht, weil sich zu viele Politiker bei Abstimmungen dem Fraktionszwang unterziehen, z.B  bei der Abstimmung zur Gentechnik". Mein Gegenüber stimmte zu.
Stefan Kistler von den Grünen fand ich noch am besten, weil dieser aufgrund seiner Spezialbereiche (katholischer Lehrer in einer Berufsschule) kompetent Themen der Jugendlichen aufgreifen konnte. Bereitwillig sprang er auch immer dann ein, wenn die andere Parteienvertreterin nicht weiter wusste - bis ich einmal anmerkte, er solle sich doch nicht zu sehr auf Kosten anderer profilieren.
Hinterher kam ich dann nochmal recht locker mit einigen Kandidaten und jungem Publikum ins Gespräch. Ein Kandidat ('wie ich dazu stehe, dass Vertreter konkurrierender Parteien hinterher noch ein Bierchen trinken gehen') hatte am Ende einen riesigen Hunger auf die von mir mitgebrachten roten Gummiherzchen "mit Herz und Verstand. Die Linke". Eine Jugendliche wollte wissen, wie man zum Schwangerschaftsabbruch steht ("möglichst umfassende Hilfe und Information, letzten endes aber das Entscheidungsmonopol der Mutter - in einer möglichst gerechten Gesellschaft sollte ein Kind kein Nachteil für Mutter bzw. Eltern sein"); ein anderer Jugendlicher aus dem Kreis der Jungen Union fragte, wie ich über einen möglichen Eintritt der Türkei in die EU denke ("zunächst einmal geht es darum, der Türkei die Kriterien für eine solche Aufnahme nahe zu bringen, so dass man sich dort weiter in Richtung Demokratie, damit auch Anerkennung von Minderheitsrechten, ... entwickelt. Hätte die Türkei dann irgendwann den europäischen Standard erreicht, würde sich die Frage neu stellen").
Nunja, der Abend war insgesamt ein eher lockerer Schlagabtausch, der mir auch deshalb relativ gut tat, weil es noch nicht soo um Inhalte ging, wie z.B. bei der Podiumsdiskussion des DGB am 17.07. in Erding. Deshalb vielen Dank auch für alle weiteren Tips, die ich inzwischen von kompetenter Seite erhalten habe!
Zumindest kennen mich nun schonmal die anderen Kandidaten, einschließlich derjenigen, die ein schönes Pöstchen im Bundestag besetzt halten. Auch wenn man ein Stück weit dran rüttelt ... sie werden das wohl auch die nächsten 4 Jahre tun. Trotzdem wär mir wichtig, die ganz wichtigen Gegenpositionen deutlicher wahrzunehmen. Das zu lernen gilt vor allem auch für die Möglichkeit der außerparlamentarischen Einflussnahme und direkter Demokratie. Viel mehr solche Veranstaltungen wären notwendig, um sich allmählich daran zu gewöhnen. Denn gerade ihr Jugendliche. Ihr seid die kommenden Wähler!