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eigener Bericht
Nach der Veranstaltung wagte ich zu hofften, dass mein Part
zur Veranstaltung auch von der Presse ähnlich positiv beschrieben würde, wie
ich dies von den Anwesenden erfahren hatte. So erhielt ich als vierter in der Reihe
den ersten Applaus des Abends. Aber auch Ingrids Resumé
war recht positiv, mit ihr war ich eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung
noch bei schönstem sonntäglichen Ausflugswetter am Taubenberg (bei Weyarn)
unterwegs. Und auch, wenn ich ihrer Meinung nach zwischendurch etwas zapplig
gewirkt habe, als ich z.B. ein wenig herumspaziert bin, weil mich die Antworten
anderer Kandidaten schon etwas aufregten, so hatte ich dann vor allem die
spontan-frechsten Antworten vor allem gegenüber den Abgeordneten Schurer und Lehmer
parat.
Schurer machte ich gleich zu Beginn das Angebot, seine eben gegebenen Antworten
zum Mindestlohn und sozialer Gerechtigkeit abkopieren zu dürfen - um Zeit zu
sparen, denn schließlich habe die SPD die Themen zuvor ja auch von den Linken
kopiert, während man solch linke Forderungen bis dahin doch als 'populistisch'
brandmarkte...
Jedenfalls, nebenstehende Person (wir Kandidaten waren zu sechst an drei Tischen
nebeneinander aufgereiht) machte wiederholt Anmerkungen wie: "der war gut", oder
"bin der selben Meinung ..."; etwa als ich nach Lehmers Antwort:
"Wir müssen noch mehr sparen" dessen Sparwahn karikierte: "Leider
ist es viel zu lang schon politisches Konzept: 'Wir müssen noch mehr sparen -
und zwar
koste es was es wolle'".
OK, die Tendenz der Veranstaltung war vom Kreisjugendring EBE vorgegeben, damit
handelte es sich auch weniger um eine weit ins Detail gehende Diskussionsveranstaltung,
passte damit zum Ziel der Veranstalter, die Jugendlichen für politische Themen
anzustoßen, passend zum musikalischen Rahmen HardRock, und so wurden auch vom
Moderator teils sehr kurze Statements gestellt, die vor allem nebenstehende Person
wiederholt sprachlos machte. Innerhalb deren speziellem Fachgebiet hätte diese
durchaus die beiden Abgeordneten Schurer und Lehmer angreifen können - wenn man sich
denn getraut hätte.
Als wir sechs jeweils einen Halbsatz zu ergänzen hatten, und mir der Moderator
den Halbsatz hinüberwarf: "Was würden Sie antworten, wenn die Menschen
Ihnen sagen 'Die da oben machen ohnehin was sie wollen?'", kam meine Antwort
ohne einen Sekundenbruchteil abzuwarten: "Die haben recht", so dass das
Publikum gleichfalls lachte wie klatschte; so dass Dr. Lehmer wiederum sogleich einen
längeren Vortrag gegen meine Antwort startete, bis ich ihn unterbrach, dass es
sich hier ja auch nur um einen spontanen Halbsatz gehandelt habe, den ich mit
einem zweiten oder dritten Halbsatz wenigstens ein Stück weit erklären oder
relativieren hätte können. So nutzte ich die Gelegenheit,
meinte, "dass Politikverdrossenheit auch dadurch entsteht, weil sich zu
viele Politiker bei Abstimmungen dem Fraktionszwang unterziehen, z.B bei
der Abstimmung zur Gentechnik". Mein Gegenüber stimmte zu.
Stefan Kistler von den Grünen fand ich noch am besten, weil dieser aufgrund
seiner Spezialbereiche (katholischer Lehrer in einer Berufsschule) kompetent
Themen der Jugendlichen aufgreifen konnte. Bereitwillig sprang er auch immer dann
ein, wenn die andere Parteienvertreterin nicht weiter wusste - bis ich einmal
anmerkte, er solle sich doch nicht zu sehr auf Kosten anderer profilieren.
Hinterher kam ich dann nochmal recht locker mit einigen Kandidaten und jungem
Publikum ins Gespräch. Ein Kandidat ('wie ich dazu stehe, dass Vertreter
konkurrierender Parteien hinterher noch ein Bierchen trinken gehen') hatte am
Ende einen riesigen Hunger auf die von mir mitgebrachten roten Gummiherzchen
"mit Herz und Verstand. Die Linke". Eine Jugendliche wollte wissen,
wie man zum Schwangerschaftsabbruch steht ("möglichst umfassende Hilfe und
Information, letzten endes aber das Entscheidungsmonopol der Mutter - in einer
möglichst gerechten Gesellschaft sollte ein Kind kein Nachteil für Mutter bzw.
Eltern sein"); ein anderer Jugendlicher aus dem Kreis der Jungen Union
fragte, wie ich über einen möglichen Eintritt der Türkei in die EU denke
("zunächst einmal geht es darum, der Türkei die Kriterien für eine
solche Aufnahme nahe zu bringen, so dass man sich dort weiter in Richtung
Demokratie, damit auch Anerkennung von Minderheitsrechten, ... entwickelt.
Hätte die Türkei dann irgendwann den europäischen Standard erreicht, würde
sich die Frage neu stellen").
Nunja, der Abend war insgesamt ein eher lockerer Schlagabtausch, der mir auch
deshalb relativ gut tat, weil es noch nicht soo um Inhalte ging, wie z.B. bei
der Podiumsdiskussion des DGB am 17.07. in Erding. Deshalb vielen Dank auch für
alle weiteren Tips, die ich inzwischen von kompetenter Seite erhalten habe!
Zumindest kennen mich nun schonmal die anderen Kandidaten, einschließlich
derjenigen, die ein schönes Pöstchen im Bundestag besetzt halten. Auch wenn
man ein Stück weit dran rüttelt ... sie werden das wohl auch die nächsten 4
Jahre tun. Trotzdem wär mir wichtig, die ganz wichtigen Gegenpositionen
deutlicher wahrzunehmen. Das zu lernen gilt vor allem auch für die Möglichkeit
der außerparlamentarischen Einflussnahme und direkter Demokratie. Viel mehr
solche Veranstaltungen wären notwendig, um sich allmählich daran zu gewöhnen.
Denn gerade ihr Jugendliche. Ihr seid die kommenden Wähler!
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