Von wegen Schlecker
- Das Billiglohnsystem ist längst auch innerhalb staatlicher Unternehmen etabliert

z.B. beim Bodenverkehrsdienst am Münchner Flughafen,
welches dem Land Bayern und dem Bund gehört 


hier ... hier ist der Flughafen München, zu 51 % im Besitz des Freistaates Bayern


Ich wundere mich derzeit über die riesigen Schlecker-Schlagzeilen.
Falls etwa Arbeitsministerin Ursula von der Leyen bzgl. Drogeriemarkt Schlecker "Schlupflöcher" beim Gesetz schließen möchte, sollte sie zumindest wissen, dass viele Landesregierungen wie in Bayern unter Seehofer dieses Schlupfloch selbst missbrauchen.

Ende 2008 wurde mir beim Bodenverkehrsdienst (Gepäckabfertigung) des Münchner Flughafen gekündigt. Danach sollte ich mich laut "Bundesagentur für Arbeit" über eine Zeitarbeitsfirma für die selbe Tätigkeit neu bewerben. Anstatt einer 38,5-Stunden-Woche in Schichtarbeit (1.400 € netto) wurde mir trotz längerer Arbeitszeit (40-Std-Woche) um ein Drittel weniger Lohn (950 € netto) wäre ich damit selbst zur Billig-Konkurrenz für meine ehem. Kollegen geworden. 
Inzwischen wurde ein Großteil der ehemals tarifvertraglich beschäftigten Kollegen bereits von Leiharbeitern ersetzt. Vor kurzem erfuhr ich, dass mit der Fa. Losch ein noch billigerer Anbieter als der bisherige Billiganbieter AVIA-Partner den Zuschlag erhielt.

Wenn man nun bedenkt, dass der Münchner Flughafen zu 51 % dem Land Bayern, zu 26 % dem Bund und zu 23 % der Stadt München gehört, und dass sich Horst Seehofer, Hausherr des Flughafens, gerne als soziales Gewissen der schwarz-gelben Regierung verkauft, empfinde ich die Diskussion um das Privat-Unternehmen Schlecker zwar richtig, aber trotzdem um eine ganze politische Dimension zu klein geraten.
Es sollte doch ein Unterschied sein, ob Privatinteressen wie Schlecker die gesetzlichen Schlupflöcher der Politik um des Profites Willen ausnutzen, oder ob Bund und Land die Aufzucht sich wert- und rechtlos fühlender Billig-Menschen zum Staatsziel erklärt, um dies auch noch selbst innerhalb ihrer direkten Aufsicht zu forcieren.

Die selbe Arbeit über Leiharbeit in Billiglohn
Am 20.03.2009 erhalte ich von der "Bundesagentur für Arbeit" den "Vermittlungsvorschlag",
mich für die selbe Arbeit zur Verfügung zu stellen - allerdings über Zeitarbeit und miesesten Lohn- und Arbeitsbedingungen - so ähnlich wie es nun "Schlecker" macht - siehe hier
Wie würdet ihr Euch verhalten? Antworten

Mein Fall wird Ausgangspunkt für ARD-Sendung "panorama"
 mucarbeiter.de wird zum Ausgangspunkt für die panorama-Sendung der ARD:
"Seehofers Sozialstaat: Lohndumping am Flughafen München", Sendetermin: 16.07.09,
Horst Seehofer, Hausherr der FMG gerät gegenüber der Redakteurin in Erklärungsnot,
und die ver.di-Liste gewinnt die BR-Wahl - siehe hier

alle weiteren Details meiner Kündigung hier: www.mucarbeiter.de

Walter Koppe

 

Antwort von Heinrich Birner, 
Geschäftsführer
ver.di-Bezirk München
Schwanthalerstr. 64
80336 München

Lieber Kollege Koppe,

Ich danke Dir für Deine Meinung. Mit deinen Hinweisen zum BVD bei der FMG sprichst du mir aus der Seele. Ich bin ja selbst seit Jahren an der Abwehrschlacht gegen Lohndumping am Münchner Flughafen beteiligt.

Für deinen Hinweis, Ministerpräsident Seehofer noch stärker ins Zentrum der Kritik zu rücken, danke ich dir ebenfalls. Wir werden das mit den ver.di-Vertrauensleuten bei der FMG diskutieren.

Allerdings teile ich deine Sichtweise zur Kritik an Schlecker nicht. Auch von einem Privatunternehmen erwarte ich, dass es rechtliche und moralische Spielregeln einhält. Insofern finde ich es richtig, dass Schlecker öffentlich an den Pranger gestellt wird.

Schöner Gruß,
Heinrich Birner