Der Wochenkommentar 

vom 18.09.2009

 

Wieso brauen wir eigentlich Politiker? Kommentar zu einer Frage, die auf yahoo-clever gestellt wurde, siehe hier

eine hoch spannende frage.
für mich gibt es nicht nur eine evolution, was die entwicklung der lebewesen bis zum menschen betrifft, sondern auch innerhalb einer menschlichen gesellschaft. 
das schließt die frage ein, wie lange religion notwendig ist. 
und schließlich geht es darum, dass die menschen irgendwann, nach vielen rückschlägen, eine gesellschaftsform finden, in der immer weniger regeln und politiker notwendig sind, weil die menschen den fairen verantwortungsvollen umgang miteinander ohne krieg finden. dazu ist mir jede riesig lange diskussion lieber als einfache parolen, denn nur über kommunikation kann man lösungen in richtung gesellschaftlicher fortschritte finden. nur wenn sich menschen ernst genommen fühlen, können diese ihre fähigkeiten optimal zu entwickeln - das geschieht derzeit überhaupt nicht, weil es politik ist, die schichten gegeneinander auszuspielen, und weil der eigenständig (autonom) denkende mensch auch gar nicht gewünscht ist, dafür der möglichst unkritische verbraucher, der sich von politik, medien und wirtschaft manipulieren lässt, und alle vier jahre am besten dort sein kreuzchen macht, wo es den derzeit mächtigen am besten passt. 
je klüger, fairer, selbstverantwortlicher und solidarischer sich aber die menschen verhalten, desto unnötiger werden auch diese politiker irgendwann. natürlich haben diese kaum interesse, ihre privilegien freiwillig aufzugeben, um sich selbst überflüssig zu machen.
deshalb müssen sich die menschen zusammenschließen. stuttgart 21 und die riesen-demo in berlin gegen die AKW-verlängerung sind gute beispiele dafür, dass die luft für die regierenden dünner wird. aber genauso hoffe ich auch auf solidarität, wenn es demnächst gegen die weitere streichung von sozialleistungen auf kosten von mövenpick & co geht.
das, was wir derzeit erleben, ist nicht das ende, sondern ein anfang. ich denke, derzeit entwickelt sich etwas neues. 
@nerone: die risiken kennen wir. deswegen gilt es gut aufzupassen!

 Walter Koppe, 18.09.2010

 

Lobbiysmus in Deutschland an der Tagesordnung?

Schon erstaunlich oder wie man sich im Atomstreit geeinigt hat!
Was meint ihr dazu?

Kommentar zu einer Frage, die auf yahoo-clever gestellt wurde, siehe hier

ich kopier an dieser Stelle mal eine ganz aktuelle Info von @Hacki rein:

Im August 2010 erwies sich die Allianz als sehr spendabel gegenüber den Parteien. Linke und CSU gingen allerdings leer aus.

Spenden ab einer Höhe von 50.000 Euro müssen dem Bundestagspräsidenten "unverzüglich" gemeldet werden - sie sind kurz darauf auf den Seiten des Deutschen Bundestags nachzulesen und werden regelmäßig auch in unserem Newsletter veröffentlicht.

Partei Betrag Spender
CDU 160.000 EuroVerband der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen
FDP 65.000 EuroDeutsche Vermögensberatung AG
GRÜNE 60.001 EuroAllianz SE
CDU 60.001 EuroAllianz SE
FDP 50.001 EuroAllianz SE
SPD 60.001 EuroAllianz SE
Quelle: Deutscher Bundestag

Interessanterweise hat die Allianz nichts mit dem Atomstreit zu tun. Es gibt überhaupt keine Versicherung, die mögliche Risiken versichern könnte, Schäden, die in in wenigen Jahren genauso möglich sind wie erst in Millionen Jahren. Erst weil die Möglichkeit völlig unkalkulierbarer Folgen außerhalb jeder Rechnung steht, wird Kernenergie ja auch so günstig gerechnet. Dabei ist wie immer: Die Gewinne werden privatisiert (Energie-Konzerne), die Verluste bzw. das Risiko trägt die Allgemeinheit.

Dass die FDP Geld grad auch aus dem Bereich Vermögensberatung bekommt - naja, das konnte man sich denken.
Lobbyismus nennt man aber auch die Millionen-Spende von Mövenpick an FDP und CSU, nachdem sich die beiden Parteien für die Senkung der Mehrwertsteuer im Hotelgewerbe stark gemacht hatten - bezahlt von der Allgemeinheit. 
Und so geht das weiter. Bei allen Privatisierungen ist Lobbyismus im Spiel. Im Bereich Gesundheit, Altersvorsorge, Bildung, Verkehr, ...
Allgemein gilt: Lobbyismus nutzt wenigen, aber schadet vielen!

@kapaun: Ich will darauf hinaus, dass eine Gesellschaft nur wachsen kann, wenn sich die Individuen nicht gegenseitig bescheißen oder ausspielen lassen, wie es derzeit Mode ist. Grundsätzlich wäre eine andere, eine reifere Philosophie notwendig, in der es nicht das Ziel der Klügeren und Reicheren ist, sich von den Schwächeren so weit wie nur möglich abzusetzen, sondern in dem man Rücksicht nimmt, um gemeinsam und sozial Zukunft zu gestalten. 
Das beantwortet dann auch die Frage zum Lobbyismus, der den reinen Zweck der Vorteilnahme eigener Interessen gegenüber anderer zum Ziel hat.

Quelle(n):

empfehlen möchte ich das eben erschienene Buch von Thomas Schuler: Bertelsmann Republik Deutschland - Eine Striftung macht Politik

@Herr Pilsner: Die Mehrheit der Deutschen hat 2009 die Lobbyparteien gewählt.
Weil ein Großteil der Medien selbst in diese Lobbyarbeit eingebunden ist (http://www.erding-life.de/xed/mediendemo… ). 
Wir bräuchten eigentlich ein vollkommen neues System der Information. Da hat aber unsere Lobby was dagegen

 Walter Koppe, 18.09.2010