Vernunft statt Prestige-Projekte
im voll besetzten Streibl-Saal in Dorfen liegt Stuttgart21 in der Luft 

Heiner Müller-Ermann: kämpferisch und zugleich nachdenklich

Trotz des parallel stattfindenden Qualifikationsspiels zur Fussball-EM am 12.10.2010 war der Saal in Dorfen einmal mehr voll besetzt; mit immerhin etwa 500 Plätze. 
Unter dem Motto "Vernunft statt Prestigeprojekte" stand die
Groß-Veranstaltung gegen die A94 im Isental. 
Neben Informationen zur aktuellen Lage, vor allem zum Prozess zum Abschnitt Pastetten - Dorfen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof am 21./22. Oktober waren Gäste wie Irmela Neipp vom Widerstand gegen Stuttgart 21 und dem Energieexperten Jörg Schindler aus Ottobrunn geladen. Letzterer, um über den Verkehr in den Zeiten nach dem Erdöl zu referieren. 

Auch wenn in wenigen Tagen vor dem Bayrischen Verwaltungsgericht die Fortführung des Teilstücks zwischen Pastetten und Dorfen beschlossen werden sollte, geht es inzwischen längst nicht mehr nur ums Urteil allein, denn der bayrischen Staatsregierung geht das Geld aus. 
Während man bis vor kurzem noch glaubte, die Isental- Autobahn bis 2018 fertig stellen zu können, ist inzwischen die Finanzierung des Baufortgangs gefährdet; fordert man von der Bundesregierung derzeit zusätzliche Mittel.
Auf jeden Fall, so Jakob Baumgartner, scheint der Termin inzwischen illusorisch, denn auch, wenn es gelingen sollte, das Projekt durchzudrücken, wird die A94 wohl erst ca. 2027 fertig sein. Bis dahin aber seien die meisten der derzeitigen Pendler aus Richtung Mühldorf wohl in Ruhestand. 
Auch deshalb könnte einzig der Ausbau der Trasse Haag die Lösung sein, denn im Gegensatz zur A94 könnte dort jedes  fertig gestellte kleine Teilstück sofort genutzt werden.
Manche der maßgeblichen Minister, die den Bau der A94 förderten, sind längst des Lobbyistentums überführt, So ist Werner Schnappauf von 1998 bis 2007 bayerischer Umweltminister, inzwischen Geschäftsführer der Deutschen Industrie (BDI), Ex-Bundesverkehrsminister Wissmann ist heute Präsident der Automobilindustrie. Andere haben erst den Bankenskandal mit ausgelöst, und müssen nun zwecks Weiterbau erneut beim Steuerzahler betteln.
Und hier, so machte
Irmela Neipp (links) vom Widerstand gegen Stuttgart 21 deutlich, ergeben sich doch bestimmte Schnittflächen mit den wesentlichen Kritikpunkten auch in Stuttgart, in dem wie beim Bau der A94 immer mehr Menschen nicht mehr alles unwiderrufen hinnehmen wollen - wenn etwa, wie in Stuttgart Jahrzehnte hinweg Fakten so hingetrickst werden, bis sie im Sinne der Regierenden und deren Lobbies am meisten nutzen.

Der Kontrast zwischen Information und dem bunten, sehr kreativ und unterhaltenden Programm war enorm 
Während man neben der Biermöslblosn auch Gerhard Polt schon zu den Gästen zählte, drehten diesmal Sepp Raith und Otto Göttler zu Bestform auf, und rissen das Publikum zu Beifallsstürmen hin.
Die Premiere eines technisch höchst professionell umgesetzten Kurzfilms (nautilusfilm) übers Isental war sehenswert
- an dessen Ende das Zitat von Horst Seehofer bitteres Hohngelächter erntete, als er von "nachhaltigem Handeln" als "Lebensgrundlage" sprach, "denn das sind wir unseren Kindern schuldig". Da waren eben zuvor noch in Kinder in lebendig farbenprächtigem Kontrast an einer Quelle der Isen zu sehen, die Wunder des Lebens mit erstaunten Augen betrachten. Wie lange wird das hier noch möglich sein?
Bedeutet Macht, Großprojekte durchzusetzen, ohne Rücksicht auf Grundsätze, und bleibt die Vernunft den Ohnmächtigen? 

links Jörg Schindler

Laut des Experten für Energieressourcen aus Ottobrunn wird derzeit für eine Zukunft geplant, die es so wie heute nicht mehr geben wird, denn was die Havarie der Ölplattform Deepwater erst vor kurzem zeigte (geschätzte Kosten: 20-30 Mrd. Euro), wird unser Öl immer schwerer gewinnbar, und damit kostenintensiver. Falls in einigen Jahrzehnten die A94 fertig gebaut ist, könnte die Energie zu teuer dafür sein, um diese auch benutzen zu können.
Nicht zukunftsfähig sein heißt nicht, gegen die A94 zu sein, sondern die Entwicklung der nächsten Jahrzehnte nicht wahrhaben zu wollen, so wie viele unserer derzeitigen Politiker. Und deshalb gehören sie abgewählt.

- Beitrag im YC-Forum: Stuttgart 21- Isental ...

Auch weiterhin sucht xED interessante Themen und Berichte, gerade auch im regionalen Bereich!
z.B. zum in Erding erstmals zu wählendem Jugendparlament
In den nächsten Wochen zieht "Medienforschung Burda" nach Erding. In wie weit erfüllen Medien immer konkretere Aufgaben, etwa wenn es darum geht, Informationen in eine bestimmte Richtung zu lenken? siehe dazu den xED-Bericht Mediendemokratie
Gerade unsere Region braucht eine linksalternative Presse! - dabei kann es nicht darum gehen, in allem perfekt zu sein - aber es geht darum, mit zu machen! - Ergreife die Chance! - Jetzt!

Politik auf xED

walterkoppe@yahoo.de