Kontakt und aktuelle Termine: www.astrosurf.com/esa
Astronomie ist, wenn sie im Freien ausgeübt wird, eine Schönwetter-Sportart. 
Weil der aus Südfrankreich stammende Dr. Christophe Claude beim süddeutschen Wetter zu häufig schon die Bekanntschaft geschlossener Wolkendecken gemacht hat, hat die Stadt Erding bei der Aufstellung der Teleskope mindestens ein Auge zugedrückt. Nun muss man keinen Antrag mehr stellen, um den roten Schrannenplatz an manch wolkenlosem Abend zu Nachtschwärmer-Zeiten kurzerhand zur Sternwarte
zu erklären.
Da Jupiter in seiner Umlaufbahn der Erde derzeit nahe ist, man ihn bereits mit bloßem Auge entdecken kann, öffnet der Blick durchs Teleskop dann erst recht die Tür zu phantastischen Welten: Egar ob die Schatten auf dem Jupiter, oder der Ring des Saturn, verursacht von seinen Monden, die gelblich schimmernde Venus, der rötliche Mars, auch Neptun und Uranus lassen sich damit finden - und gerade in diesen Wochen nähert sich der Komet Hartley 2 unserer Erde.

Obwohl der Sternenhimmel gerade im beginnenden Winter seinen besonderen Reiz hat, kann Astronomie bei Schlechtwetter aber durchaus auch im Trocknem stattfinden. 
Vor einigen Wochen erst wurden bei einem Vortrag in den Räumlichkeiten des Kunstvereins im Schönen Turm die galaktische Musik von Pulsaren auf sehr eindrucksvolle Weise hörbar gemacht. Und auch an diesem Abend in den Räumen der Volkshochschule erfolgte die Informationsübertragung auf akustischem Weg.

Den Worten des Astronomen zufolge passiert derzeit der immerhin einen Kilometer große 

Hartley 2-Komet die Erde in ca. 15 Mio. km Entfernung, und wird um den 28.10. mit bloßem Auge im Sternbild Zwillinge zu sehen sein. 
Claude informiert über Vorträge der benachbarten Sternwarten, etwa an der Hochschule in Rosenheim, beim Wasserburger Wildpark und beim Deutschen Museum in München. Unter den Sternenfans findet ein steter Austausch statt. Wobei auch der Kontakt untereinander ganz wichtig ist. So findet man über die www-Seite oben unter "Kontakt" eine Mailing-Liste, unter "Termine" alle interessanten Termine, um sich etwa kurzfristig über Aktivitäten innerhalb der eigenen Region und die Verwendung der verschiedenen Teleskope zu speziellen Zwecken austauschen zu können. 

Hobby-Astronomen unterstützen die Arbeit der Profis 
Christophe Claude berichtet darüber, dass Astronomie eine der wenigen Natruwissenschaften ist, welche Amateuren ein breites Betätigungsfeld bietet, um Profis bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die technische Entwicklung hat die Astronomie auch für Laien geöffnet, aber auch die Leistung von Rechnern und Kommunikationseinrichungen verbessert. Seit einigen Jahren gibt es bestimmte Programme, um Zeiten des ungenutzten eigenen PC's für Recherchetätigkeiten der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. 
Das Potential an Daten, die auf galaktische Besonderheiten hindeuten könnten, etwa ferne Pulsare, ist inzwischen derart gigantisch, dass nur ein kleiner Bruchteil von den Profis selbst ausgewertet werden kann. Um den Anteil für Untersuchungen zu erhöhen, kann jeder einzelne PC helfen - siehe: http://boinc.berkeley.edu
Aber auch die Beobachtung vieler Hobby-Astronome, die bereits über ein handelsübliches Teleskop verfügen, tragen inzwischen zum astronomischen Wissen bei, denn die Qualität der Ausrüstung wird immer besser, und sowohl Sterne, wie Asteroiden sind in unbegrenztem Maße vorhanden. Während selbst noch Krater auf dem Mond gezählt werden, oder Protuberanzen auf unserer Sonne, wurde von den ca. 100 Mrd. Sternen bisher gerade einmal ein Promille katalogisiert. Bahnen, Lichtkurven oder Lichtstärken von Kometen oder veränderliche Sterne dürfen bestimmt werden. Letzteres ist verdächtig, da es sich um den Schatten von Planeten handeln könnte - auf denen vielleicht fremdes Leben möglich sein könnte. Inzwischen gibt es ein global lückenloses "Monitoring" interessanter Objekte, etwa Super-Noven, welche zum Teil im Rahmen von wissenschaftlichen Institutionen wie dem American Association of Variable Star Observers (AAVSO), der europäischen Raumfahragentur ESA, oder der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft für Veränderliche Sterne e.V. (BAV) begleitet wird. 

Die Unendlichkeit des Kosmos 
Es dauerte bis ins 17. Jahrhundert, bis aufgrund allmählich besser werdender astronomischer Erkenntnisse die Vorstellung der Erde als einer Scheibe in einem geozentrischen Weltbild aufgeben wurde, und dass weder unser Heimatplanet noch unsere Sonne das Zentrum der Welt sind.

Gerade der Besuch einer Sternwarte, oder auch der Erdinger Sidewalker am Schrannenplatz zeigt uns ganz deutlich auch die Einzigartigkeit unseres winzig blau leuchtenden Punktes im Firmament. 
Der Wintersternenhimmel soll übrigens spannender sein als der im Sommer - was gar nicht mit der Menge an konsumierten Glühwein liegen soll, um der Kälte zu trotzen, so dass manch einer schon behauptet hat, plötzlich doppelt so viele Sterne zu sehen, als es sie ohnehin schon gibt. Der sogenannte Doppler-Effekt hat zwar auch mit einer veränderten  Wahrnehmung bei der Betrachtung von Sternen zu tun, trotzdem aber eine ganz andere Bedeutung.

xED am 21.10.2010