Die Menschen in Babel wollten hoch hinaus 
- auch die Juroren des KVE

Gerade auch im regional überschaubaren Kulturland stellen sich Fragen nach Größe. Im Rahmen der Vernissage des Kunstvereins Erding etwa jene, ob eine Ausstellung der Juroren größer sein soll als die der zuvor von ihr Jurierten - also sich im Gegensatz zur hier beschriebenen immerhin einem Wettbewerb der Jury stellen mussten. Weil manch Schublade zwar nicht zwingend im Rahmen von Vernissagen geöffnet werden muss, sein Inhalt der Sprengkraft wegen aber trotzdem ganze Räume ausfüllen könnte - Fragen einer Zweiklassengesellschaft etwa, wurde das Aufschieben der Schublade für die außerordentliche Mitgliedsversammlung des nächsten Tages aufgeschoben.
Unabhängig aller Fragen nach Demokratie, gerechtem oder unrechtem Empfinden, auch dem Gleichsetzen von gewählter Macht mit Qualität, und dass gerade an einer solch sensiblen Stelle weniger der Ausgleich nach Innen stattfindet, sondern nach Außen - so dass jeder Jurorkünstler auch noch einen Gastkünstler einzubeziehen darf - nicht einem Mitglied, so hat das Konzept eines solchen Einbeziehens und Türenöffnens natürlich trotz allem seinen berechtigten Reiz.

Das Verfahren des KVE wirft eine spannende Frage auf, die derzeit so ähnlich bis hinauf in höchsten gesellschaftspolitischen Diskussionen geführt wird - der Frage nach Legitimation, und weshalb auch der Gegenstandpunkt seine Berechtigung findet. Denn wenn der Kunstverein nicht nur als wabbelnder bunter Farbenklecks auf Leinwänden wahrgenommen werden will, sondern auch den Anspruch hat, Trendsetter gesellschaftspolitischer Themen zu sein, dann braucht es auch die sensiblen Pfadfinder als Themenlenker und Organisatoren, die enorm viel Zeit und Kraft in die Schale werfen - und die vorgestellten Jury-Mitglieder verfügen auch über die Kompetenz, die benötigt wird, wenn es darum gehen soll, öffentlichkeitswirksam wahrgenommen zu werden - im Interesse der Kunst allgemein. 

Die Frage ist, ob der schwierige Spagat zwischen jurierter Qualität und breiter Basisdemokratie gelingt, dem überregionalen Austausch und regionalen Interessen, dem zwischen Elite und Gemeinnutz - zwischen den Etablierten und dem Einbeziehen auch junger Künstler, inklusive der Auseinandersetzung mit teilweise vollkommen neuen Mustern im Kunstverständnis? 

In diesem Sinne gehen wir an dieser Stelle auf Entdeckungsreise, öffnen den Blick auf die ausgestellten Werke 
- vom 27.10. bis 02.11.2010 im Erdinger Frauenkircherl 



 

xED am 27.10.2010

Nachtrag zur Einbeziehung von Jugend: 
- Zwei Tage nach der Vernissage im Erdinger Frauenkircherl fand im Freisinger Schafhof am 28.10. eine Vernissage "transfer - spanien" von Stipendiaten aus dem Baskenland und Bayern. Hier ein paar Eindrücke der Vernissage des Künstleraustausches dort.
- In der Stadt Erding vor kurzem zum ersten Mal gewählt wurde ein Jugendparlament, siehe Hier. Auch über diesen könnten künftig gemeinsame Aktionen organisiert werden.