Ausstellungen Künstler-ABC Veranstaltungen

"Wie Bilder Sinn erzeugen" - Vortrag von Albin Zauner 


Gemütliches Ambiente im Schönen Turm - während durch das Tor darunter der Verkehr nach Amagedon floss, als Edvard Munichs "Der Schrei" per Lichtbildvortrag einer detaillierten Analyse unterzogen wurde


Genau wie die bewusst gesuchte Auseinandersetzung aktiv Kunstsinniger beim Betrachten edler Werke erlebt auch jeder passiver Konsument die Macht der Bilder - ein breites Betätigungsfeld für Werbepsychologen, Bilder optimal zwischen TV-Filmen, Zeitschriften oder auf großformatigen Plakatwänden zu platzieren. 
Und auch wenn am Ende die Produktwerbung kaum mehr etwas mit dem Produkt gemein hat, geht das Bild der Farben und Formen, des strahlenden Lächelns, der erotischen Versuchung, oder der gewagt provokanten Aussage im Unterbewusstsein doch kaufentscheidende Verbindung ein. Die Kunst am Ende ist dann die, wenn die Strategie erfolgreich ist.

Albin Zauner selbst ist Künstler - der als Kunsttherapeut die angerichteten Schäden an den Menschen zu korrigieren versucht. Spätestens an dieser Stelle sei darauf verwiesen: Kunst hat eben nicht den Anspruch, dieses Schwarze zu sein, sondern im Gegenteil das Licht ganz am Ende des Tunnels - was neben Mensch auch Autor und Redakteur anregt, dies letztendlich für sich zu interpretieren - möglichst frei!
Auch Zauner geht es darum, Bilder zu interpretieren; sie so zu lesen, als sei in ihnen ein Text versteckt, als verfüge das Bild über eigene Seele. Die Frage, frei nach W.J.T. Mitchell (Kunsthistoriker und Autor) also: Was will das Bild?
Zauner nimmt das Publikum mit, und zwar quer durch die Zeitrechnung. Auch der rational denkende Mensch des Heute verfügt in seinen tiefen Wurzeln noch über die Psyche und Spiritualität des Mittelalter. Kein Mensch würde dem Abbild der eigenen Mutter die Augen ausstechen - obwohl es sich doch lediglich um ein Stück Papier handelt. So verhält sich auch der Mensch der Gegenwart, als würde ein altertümlicher Woodoo-Zauber darüber liegen. Und auch deshalb hat der Betrachter immer noch die Tendenz, Materielles im Immateriellen zu entdecken; dem abstrakten Bild ein individuelles Eigenleben zu verleihen. 
Der Projektor wirft das Bild eines Schafes auf die Leinwand, und einem Gast im Publikum fällt auf: "Ist das nicht Dolli, der Clon?". Ganz plötzlich ist das Schaf nicht mehr nur ein Schaf, sondern beginnt das Eigenleben einer gesellschaftspolitischen Frage. 

Ist die Anordnung der Personen im Bildausschnitt aus Giottos "Judas Kuss" (links) zufällig, oder ergibt der Freiraum zwischen den Gesichtern von Jesus und Judas absichtlich die Form eines Kelchs?
Eine sogenannte Rückenfigur (rechts) nimmt den Betrachter in die Szenerie hinein - sehr bewusst. Caspar David Friedrich wurde mit dieser Idee zum Trendsetter. Doch ist die Zahl der Personen an einer Landzunge der Ostsee absichtlich mit der Zahl der einfahrenden Schiffe identisch? und: Woher kommt die innere Ruhe, die dieses Bild ausstrahlt?

Gegen Ende die Frage vom Anfang, denn immer mehr künstlerisch Kreative wenden sich dem Kommerz zu, als Inszenierer von Ware des Profits wegen.
Eine Stimme aus dem Publikum merkt beim Plakat für "push-up"-Unterwäsche von H&M die unkritische Haltung vieler junger Mädchen an: Mit der Marke werden auch gleich noch die Posen der Modelle mit übernommen. 
Über Geschmack jedenfalls lässt sich gut streiten: Benneton nutzt die Provokation als höchste Form der Aufmerksamkeit, wenn mit Plakaten H.I.V-Positiver  geworben wird - und damit die Frage aufwirft: Kunst "united" - tatsächlich und über alle Grenzen hinweg? 

walter koppe für xED

Ausstellungen Künstler-ABC Veranstaltungen