Genau wie die bewusst gesuchte Auseinandersetzung
aktiv Kunstsinniger beim Betrachten edler Werke erlebt auch jeder passiver Konsument die
Macht der Bilder - ein breites Betätigungsfeld für Werbepsychologen,
Bilder optimal zwischen TV-Filmen, Zeitschriften oder auf großformatigen Plakatwänden
zu platzieren. Und auch wenn am Ende die Produktwerbung kaum mehr etwas mit dem
Produkt gemein hat, geht das Bild der
Farben und Formen, des strahlenden Lächelns, der erotischen Versuchung, oder der
gewagt provokanten Aussage im Unterbewusstsein doch kaufentscheidende
Verbindung ein. Die Kunst am Ende ist dann die, wenn die
Strategie erfolgreich ist.Albin Zauner selbst ist Künstler -
der als Kunsttherapeut die angerichteten Schäden an den Menschen zu
korrigieren versucht. Spätestens an dieser Stelle sei darauf verwiesen:
Kunst hat eben nicht den Anspruch, dieses Schwarze zu sein, sondern im Gegenteil das Licht ganz am
Ende des Tunnels - was neben Mensch auch Autor und Redakteur anregt, dies letztendlich
für sich zu interpretieren - möglichst frei! Auch Zauner geht es darum,
Bilder zu interpretieren; sie so zu lesen, als sei in ihnen ein Text versteckt, als
verfüge das Bild über eigene Seele. Die Frage, frei nach W.J.T. Mitchell
(Kunsthistoriker und Autor) also: Was will das Bild? Zauner
nimmt das Publikum mit, und zwar quer durch die Zeitrechnung. Auch der rational
denkende Mensch des Heute verfügt in seinen tiefen Wurzeln noch über die Psyche und Spiritualität
des Mittelalter. Kein Mensch würde dem Abbild der eigenen Mutter die Augen
ausstechen - obwohl es sich doch lediglich um ein Stück Papier handelt. So
verhält sich auch der
Mensch der Gegenwart, als würde ein altertümlicher Woodoo-Zauber darüber liegen. Und
auch deshalb hat der Betrachter immer noch die Tendenz, Materielles im
Immateriellen zu entdecken; dem abstrakten Bild ein individuelles Eigenleben zu
verleihen. Der Projektor
wirft das Bild eines Schafes auf die Leinwand, und einem Gast im Publikum fällt
auf: "Ist das nicht Dolli, der Clon?". Ganz plötzlich ist das Schaf
nicht mehr nur ein Schaf, sondern beginnt das Eigenleben einer gesellschaftspolitischen Frage.
 Ist die Anordnung der Personen
im Bildausschnitt aus Giottos "Judas Kuss" (links) zufällig, oder ergibt der
Freiraum zwischen den Gesichtern von Jesus und Judas absichtlich die Form
eines Kelchs? Eine sogenannte Rückenfigur (rechts)
nimmt den Betrachter in die Szenerie hinein - sehr bewusst. Caspar David
Friedrich wurde mit dieser Idee zum Trendsetter. Doch ist die Zahl der Personen
an einer Landzunge der Ostsee absichtlich mit der Zahl der einfahrenden Schiffe
identisch? und: Woher kommt die innere Ruhe, die dieses Bild ausstrahlt?
Gegen Ende die Frage vom Anfang, denn immer
mehr künstlerisch Kreative wenden sich dem Kommerz zu, als
Inszenierer von Ware des Profits wegen. Eine Stimme aus dem Publikum merkt beim Plakat für
"push-up"-Unterwäsche von H&M die unkritische Haltung vieler junger Mädchen
an: Mit der Marke werden auch gleich noch
die Posen der Modelle mit übernommen. Über Geschmack jedenfalls
lässt sich gut streiten: Benneton nutzt die Provokation als höchste Form der
Aufmerksamkeit, wenn mit Plakaten H.I.V-Positiver geworben wird - und
damit die Frage aufwirft: Kunst "united" - tatsächlich und über alle
Grenzen hinweg?
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