Schlagzeile der Erdinger SZ am Jahresende 2010 .

doch Wird 2011 alles besser ?

Fragen, die am Ende eines jeden Jahres gern gestellt werden, beschäftigen auch xED alle Jahre wieder

Anlässlich des Jahreswechsels 2008/09 hatte xED Winfried Kretschmer eben solche Fragen gestellt (siehe xED-Bericht). 
Der Wirtschaftsexperte, leitende Redakteur und Geschäftsführer des Erdinger Online-Magazins changeX, welches sich gemäss Selbstverständis mit dem Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt, sowie Autor u.a. von "Science goes Business", hatte damals vielen Unternehmen Versäumnisse vorgeworfen, hatte den rauen Ton kritisiert, der in vielen Unternehmen herrscht, die alltägliche Missachtung und Schikane, die viele Mitarbeiter erleiden. 
Kretschmers Hoffnung fürs neue Jahr 2009 war, die Unternehmen würden Lehren aus den Fehlern ziehen, denn obwohl sich 2008 alles aufs Monetäre konzentrierte, gab es gerade hier die größten Fehleinschätzungen. Der Kreditsektor hätte sich zur ökonomischen Massenvernichtungswaffe entwickelt, deren Auswirkung sich 2009 erst richtig offenbaren könnte. Die Mitarbeiter, und die Menschen generell blieben dabei auf der Strecke. Eigentlich wäre es nun ganz wichtig, hier gegenzusteuern, innovative und kreative Menschen, Ideen, gerade auch unter den eigenen Mitarbeitern zu fördern. Grundvoraussetzung dafür sei in den Chef-Etagen und bei den leitenden Mitarbeitern mehr Mut, Offenheit und Toleranz im Denken, so der Erdinger damals. 


Erdings Wirtschaftsexperte Winfried Kretschmer stellte vielen Unternehmen bereits 2008 beim Umgang mit dem Personal ein schlechtes Zeugnis aus 


Die gesellschaftliche Realität des nächsten Jahres verlief allerdings vollkommen entgegengesetzt den Erwartungen Wilfried Kretschmers. Das Wort  "Betriebsratsverseucht" wurde von einer hoch qualifizierten Jury aus Sprachwissenschaftlern, Redakteuren und Sozialethikern zum "Unwort des Jahres 2009" gewählt, noch vor Begriffen wie "Bad Bank". Kaum ein anderer Ausdruck hätte den Umgang mit Mitarbeitern deutlicher machen können (zum xED-Bericht).

Interessant, dass das Unwort des Jahres erstmals am 14. Mai 2009 in der ARD-Sendung "Monitor" in Verbindung mit einer Baumarktkette gebraucht wurde, als ein Mitarbeiter von Abteilungsleitern berichtete, die den Begriff verwendet hatten.
Interessant deshalb, weil sich der Fall sehr gut im Erdinger Gewerbegebiet West ereignen hätte können. Lesenswert dazu das Rollenverständnis der regionalen Presse (zum xED-Bericht).

Ins selbe Jahr gerieten auch die eigenen Erfahrungen beim Bodenverkehrsdienst am Münchner Flughafen, und wurden zum bitteren Inhalt der ARD-Sendung "Panorama" - beispielgebend für noch viele ähnliche Fälle, etwa dem Fall Schlecker. Tarifvertraglich gekündigt, sollte ich danach über eine Leiharbeiterfirma zur Billiglohnkonkurrenz meiner ehemaligen Kollegen werden - Extremschichtarbeit für 7,38 € / Std. 
Funktioniert Wirtschaftswachstum nur mehr über Reallohnverlusts und Einsparungen im Sozialsystem? Jedenfalls fand sich kurz vor der Landtagswahl in Bayern "Seehofers Sozialstaat" plötzlich des staatlich geförderten Lohndumping konfrontiert (zum xED-Bericht).

Die Frage Kretschmers vom Anfang - in Richtung einer menschlich und ganzheitlich positiveren Philosophie, um darin auch innovative und kreative Menschen ins gesellschaftliche System zu integrieren - selbstdenkende Kreative eben nicht als Gefahr zu betrachten, und deshalb zu blockieren, sondern zum Vorteil des Ganzen.
Doch die Reife der Gesellschaft ist abhängig von denen, die entsprechende Entwicklungen entweder als Gefahr für den eigenen Status Quo betrachten (die typisch abwehrende konservative Grundhaltung) oder als Chance zulassen (progressive Grundhaltung). Die eigenen Erfahrungen sagen aus: Wer derzeit konstruktive Lösungen einbringt, gilt als Gefahr.
Eine Art Zeugnis als Kriterienkatalog für gesellschaftspolitisch Verantwortliche:
- Werden Vertrauen oder Missgunst geschaffen?
- Ist man auf Ausgleich bedacht, oder werden Gesellschaftsschichten gegeneinander ausgespielt, um gesellschaftliche Unterschiede zu vergrößern - auch des eigenen Vorteils wegen?
- Fördert oder reduziert es bestimmte Netzwerke der Abhängigkeit, Lobbyismus, auch zwischen lokaler Politik und der regional öffentlichen Meinung? 

Sendungen wie Panorama zeigen die Möglichkeiten und Chancen von investigativen Journalismus. Auch wenn nicht im eigenen Fall, so konnten manche Entscheidungen mit Hilfe des erreichten öffentlichen Drucks immerhin rückgängig gemacht werden. Da wie bei Eisbergen allerdings nur der kleinste Teil sichtbar ist, wären bei der breiten Basis ähnlicher Fälle die regionalen Medien so wichtig.

Allerdings stehen gerade hier immer mehr Journalisten nicht mehr auf Seiten der Menschen, sondern im Dienst mächtiger Interessen. Ein Beispiel bietet die monatlich erscheinende Hochglanzbroschüre "M Dialog", der selbsternannten "Nachbarschaftszeitung" der Flughafen München GmbH. Weniger dem ehrlichen Dialog zwischen Flughafen und der sogenannten Airfolgsregion um Erding und Freising, und erst recht nicht der Verbesserung teilweise erschreckender Arbeitsbedingungen der eigenen Mitarbeiter ist sie gewidmet, sondern dem positiven Erscheinungsbild mit steten Jubelmeldungen, wie "2010 wird ein Rekordjahr", um mit darin gesteuerter Information gegenüber der Region die 3. Start- und Landebahn zu rechtfertigen - steigende Umsatzzahlen, die in der  Realität mit Billigflug und Billiglohn erkauft werden. Die beschäftigten Journalisten sind dabei selbst Gefangene, haben nie die Funktion einer aufgeklärten und freien Berichterstattung, sondern sind mäßig bezahlte Handlanger von Machtinteressen. Preise gibt es nicht für guten Journalismus, sondern für möglichst gute Einflussnahme (siehe hier).

Gegen Ende dieser Rückschau zurück zur ersten Zeile, der dicken Überschrift dieses Artikels: vom Misstrauen in der Politik, und jenen der jungen Garde der Erdinger Union, welcher äußerlich so an den neokonservativen Zwei-Meter-Mann Missfeld erinnert. 
Numberger als Stellvertreter der politischen Macht im Rathaus am Ende des Jahres 2010 nutzt die seltene Gelegenheit der Selbstkritik - während eines sich selbst feiernden Stehempfangs der Jungen Union. In dem Bericht der Erdinger SZ geht er aber dann doch lieber nicht auf eigene Zuständigkeiten für dieses Misstrauen ein, zählt statt dessen lieber landespolitische Themen auf, etwa die Pleite der Landesbank mit der sich dadurch ergebenden kommunalen Finanznot, oder die Entscheidungen zur A94 und der Laufzeitverlängerung (siehe hier).

Dagegen könnte man zweifeln, ob derlei Selbstkritik dann auch zur Folge hat, künftige Umweltpreise der Stadt Erding nicht auch weiterhin auf sehr fragwürdige Weise an die eigene politische Lobby zu vergeben, also an den Bienenzuchtverein des benachbarten Gemeinderats, oder den ehemaligen Stadtrat und Initiator des Umweltpreises und seiner Pfarrei St. Martin 
- und eben nicht das mit Abstand erfolgreichste Projekt eines unabhängigen Selbstdenkers, dessen Idee bereits einen gesellschaftlichen Nutzen von einigen Mio € eingebracht hat (zum xED-Bericht), inzwischen aber von HartzIV lebt.
Die lokale Presse hatte wieder einmal rechtzeitig beide Augen zugedrückt, um die Öffentlichkeit im Dunkeln zu lassen; und zu zeigen: Die ökologisch innovativsten Bürger kommen ohnehin aus Rathäusern und Kirchen. Also liebe Leute, seid ruhig, und lasst Euch auch weiterhin brav von oben herab regieren.

Auch ja, Numberger ist nicht nur Vorsitzender einer traditionell-konservativen Partei, sondern sitzt auch im Vorstand des hiesigen historischen Vereins. Man könnte meinen, Erdings Vergangenheit mit inzwischen zwei Heimatmuseen hat auch im Jahr 2011 mehr zu sagen als Erdings Zukunft. 
Wer die Frage nach gegenwärtiger Kultur und Kommunikation stellt, könnte auch fragen, wieso das Konzept des Kultur- und Bürgerhauses in der alten Post trotz Hunderten von Unterschriften kein Gehör im Stadtrat fand (zum xED-Bericht), oder wieso auch der vierte Versuch der Reaktivierung des Stadttheaters an der Langen Zeile vor einigen Tagen (am 18.12.2010) erfolglos beendet wurde. Fehlt es aufgrund der konservativen Tradition an Offenheit für Neues, damit auch für die Bereitschaft zum Dialog, zur demokrartischen Transparenz, und damit auch für Bühnen? Wer nicht einmal spielerisch in neue Rollen schlüpfen kann, der wird es auch nicht in der Realität versuchen. Wäre aber genau das zum Anfang eines jeden Neuen Jahres nicht die sinnvollste aller Fragen: Quo vadis Erding?

  Jury zum Unwort des Jahres:: Sprachwissenschaftler verschiedener Universitäten,  Redakteure, Sozialethiker, ..



regionale Redakteure mischen sich in arbeitsrechtliche Angelegenheiten - häufig nicht zugunsten der Beschäftigten. Die Folge ...



... gekündigt mangels ausreichender arbeitsrechtlicher Vertretung
- im Juli 2009 in der Panorama-Sendung der ARD



Journalismus als Auftragsarbeit



"Wir haben verstanden"  als Selbsterkenntnis eines Stadtrats auf Stehempfang der JU ?



Die Realität aber sind nichtöffentliche Entscheidungen. 

Den Umweltpreis der Stadt Erding 2010 gewannen Stadt- und Gemeinderäte.
Die Teilnahme der MiFaZ wurde verschwiegen. Dabei hat das xED-Projekt aus Erding (oben: teilnehmende Kommunen, zum Vergleich der Lkr. ED) bis heute 550.000 l Sprit, 1.400 t CO2, 830.000 € Spritkosten, 7 Mio. Pkw-km = 50 Autos, ... eingespart.

 

Vor diesem Hintergrund bleibt das Hinterfragen hiesiger regionaler Politik, damit auch investigativer unabhängiger Journalismus ein Abenteuer, genauso wie wikileaks im Großen und Globalen ein wichtiges Stück demokratischen Fortschritt bedeuten kann - zwar nicht im Sinne der jeweils Mächtigen, so aber um so mehr für die von den politischen Entscheidungen Betroffenen. 

in diesem Sinne lebe die Hoffnung,
mit den besten Wünschen für 2011

walter koppe für xED

 

"Es würde völlig ausreichen, wenn wir einen wirklichen Journalismus hätten. Es wird ein bißchen vergessen, daß gerade bei der alltäglichen Korruption, der Ämterpatronage, der Vorteilsnahme, die Zeitungen dezent weggucken", aus "Die Deutschland-Akte" von Hans Herbert von Arnim. 

"Die Normalität der Politischen Korruption" von Dr. Thomas Wieczorek

 

Politik Mediendemokratie
- Wie uns Politik serviert wird
"Meinung für Alle - Auftragsarbeit"
(Roman zu
xED)
xED