|
Was, wenn der Träger für HartzIV-Maßnahmen
Menschen
aufgrund von Mobbing erst in HartzIV bringt?
... um nun wiederum darüber zu bestimmen, welcherlei Arbeiten diese
anzunehmen haben, damit auch welche Rechte, Pflichten und welches Ansehen als realgesellschaftlich definierte "Billigmenschen".
Als Initiator und Vorsitzender eines gemeinnützigen Vereins (mit Brutto e.V). gewann ich während meines Architekturstudiums einen
bundesweiten Innovationswettbewerb "für eine bessere Gesellschaft",
war danach Vorsitzender des regionalen "Erdinger Literatentreff e.V.",
und schrieb parallel dazu das Konzept der Pendler-Mitfahrzentrale MiFaZ.de,
welche heute in fast ganz Bayern, u.a. der Städten München und Nürnberg
zum Verkehrs- und Spritkostenteilen eingesetzt wird - der bisherige
gesellschaftliche Nutzen:
ca 3 Mio €.
Das Problem: Als Mitglied der Linken (u.a. als Bundestagskandidat im
Wahlkreis 214 Erding/ Ebersberg engagiert für eine bessere Gesellschaft, also u.a. gegen HartzIV,
Leiharbeit und Billiglohn) gab es von Gegenseite eine Reihe kommunaler
Aktivitäten, mich zu mobben. So wurde es unmöglich, das Unternehmen
MiFaZ in der eigenen Region aufzubauen. Nicht nur die Entwicklung des
Projekts, auch die Unternehmungsgründung verzögerte sich damit um ein Jahr,
die Folge war schließlich die Abgabe des Unternehmens. Das Büro mit
Arbeitsplätzen befindet sich heute in München.
Es gibt eine Reihe sehr bizarrer Erfahrungen, aber auch Details, welche
dies im Einzelnen belegen können, und die Zukunftsplanungen wie auch der
Wunsch nach einer eigenen Familie zunichte machten.
Details siehe z.B. auf http://www.erding-life.de/xed/mifaz-story.html
Walter Koppe für xED
"Sie phantasieren"
vom Umgang von ARUSO-Mitarbeitern gegenüber ARUSO-"Kunden"
Die Dame am Eingang gibt sich freundlich. Auf die Frage
nach einem kompetenten Gesprächspartner, über einen neu entstehenden
Nebenverdienst als Webdesigner zur Selbständigkeit zu kommen, hält sie kurz Rücksprache mit
einem Kollegen, und bittet mich dann in den Warteraum.
20 Minuten später begleitet mich der Mitarbeiter in sein
Büro. Noch irritiert mich nicht, dass die von meiner Seite ausgestreckte Hand
nur zögernd angenommen wird, oder auch wie der Mitarbeiter
jeden einzelnen Buchstaben meines Namens wie Hammerschläge in die Tastatur
klappert.
Während ich auf mein Anliegen zu sprechen komme, erhalte
ein Formularblatt, auf dem ich unterschreiben soll, auf dem anderen notiere
ich die Kontaktadresse einer Kollegin, die meine Fragen beantworten kann.
Der Herr, dem ich hier gegenübersitze, und das
erfahre ich jetzt, hat ein ganz anderes Anliegen. Auch das Blatt, welches ich
als kooperativer Bürger unterschrieben habe, verfolgt einen anderen Zweck, als
den ich erwartetet hatte. Und der Herr erklärt mir diesen nun.
Jeder Empfänger von Sozialleistungen hätte der
Gesellschaft gegenüber, die dies für mich leistet, auch bestimmte Pflichten.
Und eben dieser Konsequenz hätte ich mit meiner Unterschrift eben zugestimmt.
Ich stelle in den nächsten Minuten meine eigene
Sichtweise dagegen; dass es bei den von Ihrem Amt zu vermittelten Stellen nur um
Leiharbeit und Billigjobs geht, um Dumpinglohn gegenüber den noch
tarifvertraglich Beschäftigten. Ich erzähle von meinen Erfahrungen zwei Jahre
zuvor, welche eine Panorama-Sendung über Billiglohn am Münchner
Airport wert war.
"Panorama? Wovon reden Sie?", unterbricht
mich der Herr, und nennt mit Stolz die Zahl von "6 Millionen", das sei
die Summe der derzeit über Leiharbeit Beschäftigten. Und weiter: "Wir
halten uns hier nur an Recht und Gesetz".
"Billiglohn macht Billigmenschen", antworte
ich. "Es profitiert eben nicht unsere Gesellschaft. Diese Gesellschaft
zerfällt seit Jahren immer mehr in Arm und Reich.
"Was wollen Sie eigentlich. Es geht in ihrem Fall
nicht um Politik, sondern darum, dass Sie sich nur von Ihrer gesellschaftlichen
Verantwortung drücken wollen".
"Wenn Sie mich schon persönlich angreifen: Ich
hab meinen gesellschaftlichen Nutzen bereits eingebracht. Bayernweit wird ein
Projekt eingesetzt, ..."
"Wieso verdienen Sie dann nichts dabei?", macht sich mein Gegenüber nun lustig
Interessant in dem Zusammenhang, antworte ich, dass die
eigene Kommune inzwischen Träger
für Ihre Aruso-Stelle geworden ist, die mich erst in diese
Situation gebracht hat; damit auch zum Entscheider dafür, ob ich demnächst zur kommunalen Landschaftspflege
herangezogen werde.
"Sie phantasieren", unterbricht mich mein
Gegenüber, hämmert noch ein Stück heftiger seine Finger in die
Tastatur, diese Meinung laut wiederholend.
"Ich könnte das Gesagte gern mit Details unterlegen
- für den Fall, dass Sie das Gesagte tatsächlich nachprüfen wollten".
Doch statt dessen öffnet er die Tür, um
mich mit deutlichen Gesten hinaus zu komplimentieren.
"Aber dieses Interesse haben Sie halt
nicht", sind meine letzten Worte beim hinausgehen.
Draußen angelangt frage ich mich, welchen
gesellschaftlichen Nutzen ich als "phantasierender Leiharbeiter" haben
könnte.
Mir fällt nur jener ein, auch weiterhin auf ganz
reale gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen, denn die eigene Logik sagt mir, dass Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn
die Mitglieder dieser auch ernst
genommen werden, um sie nicht weiter möglichst
schwach und unterwürfig zu machen, sie statt dessen zu stärken, zu fördern und selbstbewusst zu
machen, weil nur selbstbewusste und ernst genommene Mitglieder einer
Gesellschaft dieser auch von Vorteil sein können.
Wie aber würden Psychologen stattdessen das derart
auffällige Hineinhämmern der Finger in die Tastatur deuten?
Sind das die Arbeitsplätze der Zukunft?
Welche Welt wollen wir eigentlich?

Vielleicht sollte man den Geist wieder über die
Materie stellen, um sie von der Enge eigener Scheuklappen zu befreien?
Vielleicht sollten wir uns wieder kreativ und
offen auf Seiten der Ideen und Ideale stellen?
Ist es nicht eben die
kreative Offenheit, die sowohl wichtig für eine gesellschaftliche
Weiterentwicklung stehen, sondern auch Projekte entwickeln, das ganze
unabhängig von privatem Gewinnstreben?
Ist dieses Denken nicht der Philosophie von Künstlern recht ähnlich, mit dem
Resultat, dass nebenbei auch manchmal vorhandene Strukturen in Frage gestellt
werden - was wiederum gerade bezüglich hierarchisch
ausgeprägter konservativer Strukturen und Netzwerke gerne als potentielle Gefahr wahrgenommen wird?
Warum wird das Potential positiver
Gesellschaftsveränderer so gern übersetzt mit dem genauen Gegenteil? - Etwa
weil Macht über Wahrheit, und damit über Deutungshoheit verfügt?
Walter Koppe für xED
|
|