![]() Plakat zur Veranstaltung
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Deutsch
In der geräumigen Wirtstube im Dörfchen Burgharting bei Schröding, bei Kirchberg, irgendwo zwischen Wartenberg, Vilsheim und Taufkirchen, im hintersten Winkel des Erdinger Holzlandes also, schienen die fast 100 Zuhörer am Ende der Veranstaltung erregt, empört und verstört. Das Bild, das Bergstedt, der Referent des Abends über die Netzwerke und Lobbyisten zur Gentechnik und letztendlich auch über die Gesellschaft insgesamt zeichnete, musste danach erst mal verdaut werden. Zunächst einmal spielten die Musiker mit den bayrischen Trachten auf. Dass im Kernland einer ehemals allmächtigen bayrischen Regierungspartei nichts mehr ist wie es einmal war, hörte und spürte man bereits beim ersten Liedtext "Startbahn 3", denen das Duo aus dem nahen Vilsheim gleich sagenhafte 27 Strophen gewidmet hatte. Zwar bereitete die Unruhe im Saal dem musikalischen Darbietungen bereits nach Strophe Nr. 13 ein Ende, doch der Refrain "O mei, o mei, was fallt denn euch bloß ei!" begann von da an erst, gedanklich zwischen den Köpfen und Wänden der Wirtsstube wider zu hallen. Zuvor lag es an Rainer Forster, Initiator regionaler Aktivitäten gegen Atomkraft wie Gentec, regionalspezifische Zuständigkeiten und Besonderheiten anschaulich darzustellen; etwa dass die Gemeinden Info-Veranstaltungen zum Thema Gentec generell als Nicht-Neutral betrachten, mit der Folge, damit auch nicht über Gemeindeblätter informieren zu müssen; oder dass sich das Landratsamt weigert, eine Beratungsstelle für Landwirte zum Thema einzurichten oder wenigstens Flyer auszulegen. Anträge der Grünen sowie ödp im Landratsamt seien wegen Nicht-Zuständigkeit durchgefallen - womit z.B. eine kompetente zentrale Stelle für Landwirte ausfällt, sich über den Erwerb gentechnikfreien Futtermittels informieren zu können. Da auch die hiesige Presse am Thema nicht
sonderlich interessiert scheint, wird natürlich jede Information auch gegenüber
dem Konsument schwierig.
Die wenigen, die wissen, dass inzwischen 80 % der gentechnisch veränderten
Futtermittel in der Massentierhaltung landen, kaufen beim Biobauern, der nur
GVO-freies Futtermittel verwendet, oder beim Metzger, der nur solche Tiere
schlachtet - doch das ist dann eben auch eine Sache des Geldbeutels Jörg Bergstett jedenfalls geht derlei nicht weit genug. In den letzten Jahren hat er mehr als reichlich Erfahrung mit der Agro-Gentechnik gesammelt, was dem Publikum in der Runde erst allmählich klar wird. Dies geschieht in den nächsten Stunden wie beim Einpassen von Puzzleteilen, die wie die Präsentation einer Detektivarbeit anmutet. Das Zusammenstellen von Belegen macht die Strukturen zwischen Geld und Macht anschaulich. Am Ende scheint vielen im Raum die Folge logisch, das den Referenten ein halbes Jahr "Knast" gekostet hat - weil dieser bei einer öffentlichen Aktion Gentechnikgerste beschädigt hat. Die
Frage nach der ganz wichtigen Auseinandersetzung zum Für und
Wider von Gentechnik ist schon so eine Sache: Während sich weder Kommunen per
Gemeindeblatt noch das Landratsamt zuständig sieht, weil man sich hier der
Gefahr einseitiger Informationen gegen Gentec aussetzen könnte, geben die
zuständigen Bundesstellen Millionen
für Werbemaßnahmen pro Gentechnik aus. Je schwächer der
Staat Heutzutage
sind manche Unternehmen sehr stolz Und
in der Politik erklärten sich bisher weder Ilse Aigners, noch dessen
Vorgänger Horst Seehofer und Vorvorgängerin Renate Künast für diese Praxis
zuständig. Wo Kontrollen eingespart werden, da verlieren die Menschen -
ob deregulierte Banken und Finanzmärkte oder Agro-Gentec. Vielleicht werden demokratische
Defizite auch deshalb überall geduldet, weil bereits weniger die mafiosen Strukturen
dahinter stören als jene, die diese
Strukturen aufdecken und öffentlich machen?
sehr spannend, sehr anschaulich, zum
weiter lesen: http://www.biotech-seilschaften.de.vu/
Walter Koppe für xED |