Plakat zur Veranstaltung

 


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Jörg Bergstedt, Buchautor, Anarchist

 


Rainer Forster, Burgharting

 


Rosi Reindl, Referentin und Organisatorin, ödp

Monsanto auf Deutsch

Referent Jörg Bergstedt zeigte auf der Informationsveranstaltung zur Agro-Gentechnik am 04.12.2011 im Gasthaus Forster in Burgharting mafiose Strukturen und skandalösen Zustände auf.

 

In der geräumigen Wirtstube im Dörfchen Burgharting bei Schröding, bei Kirchberg, irgendwo zwischen Wartenberg, Vilsheim und Taufkirchen, im hintersten Winkel des Erdinger Holzlandes also, schienen die fast 100 Zuhörer am Ende der Veranstaltung erregt, empört und verstört. Das Bild, das Bergstedt, der Referent des Abends über die Netzwerke und Lobbyisten zur Gentechnik und letztendlich auch über die Gesellschaft insgesamt zeichnete, musste danach erst mal verdaut werden.

Zunächst einmal spielten die Musiker mit den bayrischen Trachten auf. Dass im Kernland einer ehemals allmächtigen bayrischen Regierungspartei nichts mehr ist wie es einmal war, hörte und spürte man bereits beim ersten Liedtext "Startbahn 3", denen das Duo aus dem nahen Vilsheim gleich sagenhafte 27 Strophen gewidmet hatte. Zwar bereitete die Unruhe im Saal dem musikalischen Darbietungen bereits nach Strophe Nr. 13 ein Ende, doch der Refrain "O mei, o mei, was fallt denn euch bloß ei!" begann von da an erst, gedanklich zwischen den Köpfen und Wänden der Wirtsstube wider zu hallen.

Zuvor lag es an Rainer Forster, Initiator regionaler Aktivitäten gegen Atomkraft wie Gentec, regionalspezifische Zuständigkeiten und Besonderheiten anschaulich darzustellen; etwa dass die Gemeinden Info-Veranstaltungen zum Thema Gentec generell als Nicht-Neutral betrachten, mit der Folge, damit auch nicht über Gemeindeblätter informieren zu müssen; oder dass sich das Landratsamt weigert, eine Beratungsstelle für Landwirte zum Thema einzurichten oder wenigstens Flyer auszulegen. Anträge der Grünen sowie ödp im Landratsamt seien wegen Nicht-Zuständigkeit durchgefallen - womit z.B. eine kompetente zentrale Stelle für Landwirte ausfällt, sich über den Erwerb gentechnikfreien Futtermittels informieren zu können.

Da auch die hiesige Presse am Thema nicht sonderlich interessiert scheint, wird natürlich jede Information auch gegenüber dem Konsument schwierig. Die wenigen, die wissen, dass inzwischen 80 % der gentechnisch veränderten Futtermittel in der Massentierhaltung landen, kaufen beim Biobauern, der nur GVO-freies Futtermittel verwendet, oder beim Metzger, der nur solche Tiere schlachtet - doch das ist dann eben auch eine Sache des Geldbeutels
Während auch die gesundheitlichen Risiken der Gentec längst nicht geklärt sind, scheinet der Politik nicht die Risiken sondern die mögliche Verunsicherung bedenklich; womit die Gentec-Netzwerker gut leben können. Nun, wenn sich unbedingt jemand zum Thema informieren mag, kann das ja über Randmedien wie xED, oder auch ganz spezielle Themenseiten für Insider, konkret www.gentechnikfreie-anbauregion-erding.de - damit genug der demokratischen Meinungsvielfalt.

Jörg Bergstett jedenfalls geht derlei nicht weit genug. In den letzten Jahren hat er mehr als reichlich Erfahrung mit der Agro-Gentechnik gesammelt, was dem Publikum in der Runde erst allmählich klar wird. Dies geschieht in den nächsten Stunden wie beim Einpassen von Puzzleteilen, die wie die Präsentation einer Detektivarbeit anmutet. Das Zusammenstellen von Belegen macht die Strukturen zwischen Geld und Macht anschaulich. Am Ende scheint vielen im Raum die Folge logisch, das den Referenten ein halbes Jahr "Knast" gekostet hat - weil dieser bei einer öffentlichen Aktion Gentechnikgerste beschädigt hat. 

Die Frage nach der ganz wichtigen Auseinandersetzung zum Für und Wider von Gentechnik ist schon so eine Sache: Während sich weder Kommunen per Gemeindeblatt noch das Landratsamt zuständig sieht, weil man sich hier der Gefahr einseitiger Informationen gegen Gentec aussetzen könnte, geben die zuständigen Bundesstellen Millionen für Werbemaßnahmen pro Gentechnik aus.
So flossen alleine 1,5 Mio € über den GenTec-Befürworter Wolfgang Heubisch, der für die FDP im bayrischen Landtag sitzt, um mit der Philosophie für freie Märkte vor allem der Agrogentechnik in Bayern wieder neuen Schwung zu geben, und sich in Vorträgen über jene 80 - 90 % der Menschen zu beklagen, weil diese keine genveränderten Lebensmittel konsumieren wollen. Die steuerlichen Zuwendungen erscheinen mit diesem Hintergrund  immer noch viel zu gering, denn so Heubisch, es handle sich bei der Ablehnung der Agro-Gentechnik lediglich um ein Kommunikationsproblem.

Je schwächer der Staat
Wem nützt, wenn wirtschaftliche Interessen mehr Einfluss erlangen als die des Staates, also der Menschen, die diesen Staat ausmachen? Wem nütze, wenn Staat und Kommunen kaum mehr über ausreichende Mittel z.B. für Kontrollmechanismen verfügen?
Somit geschieht manchmal skurriles, wenn sich die Profiteure bestimmter Interessen nämlich gleichzeitig zu ihren eigenen Kontrolleuren erklären dürfen. Joachim Schiemann etwa ist sowohl Anbauer und Kontrolleur des eigenen Anbaus, dazu Grenzwertforscher, Treuhänder des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie (Entwicklung von gvo-Pflanzen), Experte und Mitglied u.a. im Lobbyverband "Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik" und Präsident beim EU-Lobbyverband. 
Dr. Hans-Jörg Buhk ist lange Jahre beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Zulassungsstelle für GVO) und tritt gleichzeitig in Werbefilmen für die Industrie auf.
In solchen Fällen erwirken europäische Genehmigungsbehörden wie die EFSA Durchwinkraten von 100 %, um gleich noch für einen Abbau der eigenen Kontrollen zu werben. 
Dann wundert auch nicht, wenn die Kontrolleure selbst nicht mehr kontrolliert werden, wenn auf Fragebögen der EU das Kreuz auf die Frage: "Haben Sie Kontakte zur Gentec-Lobby?" bei "Nein" landet. Und es wundert nicht, wenn inzwischen die zuständigen Gremien, also sowohl ZKBS (Zentralen Kommission für Biologische Sicherheit (ZKBS), BfR (Bundesamt für Risikobewertung) wie BVL von Gentec-Befürwortern besetzt sind. Dazu passt Eigenlob der BVL über die hauseigene Presseabteilung. "Durch Transparenz wird das Vertrauen in die staatlichen Einrichtungen gefördert", wobei: "Jeder kann bei jeder staatlichen Stelle Einblick erhalten". In der Realität werden Gentec-Kritiker aus Informationsveranstaltungen ausgeladen, und die Einblicke in gesetzlich öffentlich zugängliche Unterlagen müssen erst einmal langwierig mit Hilfe von Gerichten erkämpft werden. Gentechnikfreundliche Redakteure haben es da einfacher. Sie erhalten "Preise für objektiven Journalismus"

 Heutzutage sind manche Unternehmen sehr stolz
aufs optimale Einbinden der Medien für ihre Politik
siehe hier

Und in der Politik erklärten sich bisher weder Ilse Aigners, noch dessen Vorgänger Horst Seehofer und Vorvorgängerin Renate Künast für diese Praxis zuständig.
So wundert es auch nicht, wenn Abstandsregeln zu konventionellen Feldern vor allem dem Gewissen der Menschen dienen, um wie eine Art Placebo-Effekt zu funktionieren, mit dem realen Leben aber nicht viel zu tun haben. 
Auch wenn  man die meisten Menschen mit "Betreten Verboten"-Schildern und hohen Maschenzäunen und Windbarrieren vom größten Schaugarten der Gentec Europas im Dörfchen Üpplingen bei Magdeburg, einer von der EU ausgewiesenen Agenda21-Siedlung, fern halten kann, so wächst der Wildwuchs doch zwischen den Zäunen hindurch, und weder Nager noch Vögel oder Bienen halten sich an Gesetze und Sicherheitsmassnahmen, Samen und Pollen bitte nicht ins Umland zu transportieren. Die Frage lautet weniger, ob Auskreuzungen der Gentec bereits stattgefunden hat, sondern, ob. Die Frage ist, 

Wo Kontrollen eingespart werden, da verlieren die Menschen - ob deregulierte Banken und Finanzmärkte oder Agro-Gentec. Vielleicht werden demokratische Defizite auch deshalb überall geduldet, weil bereits weniger die mafiosen Strukturen dahinter stören als jene, die diese Strukturen aufdecken und öffentlich machen?
Mit Fördermittel reichlich belohnt werden dagegen gentec-freundlich eingestellte Hochschulen. Die Anmeldung eines Programms für transgene Gerste auf einer Ackerfläche von nur 9,6 m² erbrachte der Uni Giessen vor Kurzem 352.000 € Forschungsgeld. Viel Geld, gerade in Zeiten, in denen auch Hochschulen der Wind des Wettbewerbs immer stärker entgegen bläst. Es gilt auch hier sich wirtschaftlichen Überlegungen zu öffnen.

 

sehr spannend, sehr anschaulich, zum weiter lesen: http://www.biotech-seilschaften.de.vu/

Walter Koppe für xED