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25 Jahre
Bund Naturschutz
in Erding

Jubiläumsfeier am 23.10.01
in Erdings Stadthalle


v. l.: Weinzierl, Kratzer, Poeschl

Vizelandrat Dreier

H. v. Mengershausen

Hubert Weinzierl

Werner Meier
Informativ und unterhaltsam verlief die 25-Jahr-Feier der Kreisgruppe des Bund Naturschutz am 23.10.01.

Kreisvorsitzende Renate Poeschl begrüßte die fast zweihundert Gäste, unter ihnen Prominenz aus Politik wie Vizelandrat Dreier und einige Landkreisbürgermeister, und ganz natürlich auch aus den Reihen der Ökobewegung, z. B. den acht Ortsgruppen des BN.
Wie war das denn vor 25 Jahren? Auf der Suche nach neuen Flächen für einen in Riem aus allen Nähten wachsenden Flughafen war man im Erdinger Moos fündig geworden, wollte es allen Bedenken vor allem ökol. Art durchsetzen. Der Kampf gegen dieses Großprojekt vereinigte Ökologen, Linke wie Wertkonservative. Gemeinsam versuchte man das Dorf Franzheim zu retten, welches schließlich doch samt Kirche und Friedhof ausradiert wurde. Poeschl beklagte den Verbrauch und die Zerschneidung der Landschaft, auch durch die Vielzahl der seit dem genehmigten Gewerbeansiedlungen. Wenngleich das aktive Engagement wohl leider katastrophenabhängig sei, und einige Gemeinden im Flughafenbereich für den BN eher ein weisser Fleck scheint die Sensibilität der Kommunen zu steigen, grade bezüglich der A94, denn deren Problematik, z. B. durch Lärm und Verkehr bedrohen die Bürger immer direkter.
Auch die spezielle Nitratproblemartik für den Landkreis Erding, den rinderreichsten aber auch den waldärmsten in Bayern, sei ein Thema, das Poeschl Sorgen bereitet, und so kommt es, daß es grade in den letzten Jahren eine riesige Anzahl von Stellungnahmen des BN gab.

Alfred Dreier sah sich in der Defensive, und gab zu bedenken, daß die Entscheidungsträger alle Interessen abzuwägen haben, daß der BN zwar ein wichtiger Ansprechpartner für die ökologischen Belange wäre, daß Heimat aber eben auch ein Wirtschaftsstandort sei.

Helmbrecht von Mengertshausen, Protagonist der ersten Stunde, erinnerte sich an jenen heißen Sommertag, es war der 21. Juni des Jahres 1976, an die gemeinsamen Aktionen eines Pfarrer Gugglmoos aus dem damals noch existenten Dorf Franzheim, der agilen und beliebten Neufahrener Altbürgermeisterin Käthe Winkelmann, an Oskar Vincenti oder Wolfgang Joh. Bekh.
Während der Kampf gegen den Flughafen verloren ging, ist der gegen den Bau der A94 bis heute nicht entschieden, schloß er kämpferisch.

Hauptredner und BN-Landesvorsitzender Hubert Weinzierl unterstrich den Wert der lokal arbeitenden Gruppen und den des Ehrenamtes für die Gesellschaft, welches nicht mit Geld aufgewogen werden könne, deren Arbeitslohn aber viele Milliarden DM ausmachen würde. Auch Weinzierl kam recht eindringlich auf den Landverbrauch grade im Lkr. ED zu sprechen, der darin Spitzenreiter in Bayern sei. Damit einher gehe die Artenvernichtung, die wiederum grade in den letzten Jahrzehnten die höchste seit der Existenz dieser Welt sei, und meinte provokativ: "Was nützt es Wachstum zu produzieren, wenn es sich nicht mehr zu leben lohnt?"
Und dann erzeugt die Staatsregierung bunte Werbeprospekte mit Panoramen z. B. von Chiemsee oder Donau, die es allerdings nur mehr deshalb gibt, weil der BN die entsprechenden Grundstücke grade noch rechtzeitig aufkaufen konnte.
Weinzierl zeichnete Heimat als spirituellen Seelenzustand, mit dem wir und alle entsprechend sorgsam umzugehen haben. Doch leider sei momentan immer noch große Unvernunft die Realität; wenn Mobilität z. B. dafür genutzt wird um Mineralwasser aus Frankreich nach Bayern zu importieren - auf diese Weise werden dann eben neue Straßen benötigt.
Mit der ökol. Steuerreform und der Energiewende sei immerhin ein Pflänzchen auf den Weg gebracht worden, um Strategien zur Nachhaltigkeit zu entwickeln, um die Schöpfung zu erhalten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Nach der Halbzeitpause bei Gesprächen und Verköstigung durch die TAGWERK-Genossenschaft kam der Part an Kabarettisteund Liedermacher Werner Meier. Der seit 23 Jahren in Ottenhofen ansässige, ist im BN und im regionalen Bereich (immerhin als dritter Bürgermeister), aber auch als Fußballer der DJK aktiv, und derzeit mit seinem aktuellen Programm www.jawosammadenn.de auf Tour, welches er in Ausschnitten präsentierte.
So z. B. stellte er die Hominiden aus der steinernen Zeit vor, stellte die These auf, daß die Deutschen schon mit einem Intelligenzquotient auf die Welt kämen, welchen sich die anderen erst erlernen müßten. Allerdings würden die Handys aus irgendwelchen Gründen immer kleiner, und für die dickbratzigen Bayern kaum mehr zu verwenden.
Meier schlüpft in die Rolle eines Musikkenners, der uns über Bachs 9. Synphonie aufklärt, oder singt von "Gene-Bene", einem künstlich erzeugtem Arbeitskollegen, der seiner Firma gehört. Am Ende versöhnt er sich nicht nur mit allen Indern, sondern auch mit allen Fünfzigjährigen, wohl einem Großteil der Anwesenden, die er zum mitsingen animiert. Der neben Weinzierl eifrigste Applaus war ihm sicher.


Die Gewinner des Wettbewerbs "mehr Natur in Hof und Flur":
die Familien Feckl, Sellmair, Kratzer (v. l.)