Erdrutschartiges Ergebnis der Wahl zum Betriebsrat am Münchner Airport

Michael Börries wird neuer Betriebsratsvorsitzender

rechts Mahnwache für gekündigte Kollegen
v.l.: Kurtulan, Börries, Emmenegger

Hier das Ergebnis der Betriebsratswahl:
wehr.di          13 (10) Sitze
Anna Müller    3    (2) Sitze
Grassl             5  (10) Sitze
Plath/Siegl      4  
  (7) Sitze
Viechter          1     (-) Sitze
Hertz            
    1     (-) Sitze
Zwicklbauer
        (-) Sitze
Eichinger 
       0     (-) Sitze

Gesamt         27  (29) Sitze

 


Der bisherige Betriebsratsvorsitzende Willi Grassl wurde von den Wählern regelrecht abgestraft. Seine Wählerliste (bisher 10 Sitze) hat im Vergleich zur letzten Wahl die Hälfte der Sitze verloren und ist künftig nur mehr mit 5 Mitgliedern im Betriebsrat vertreten. Auch der Bündnispartner Siegl/Plath wurde "gerupft", und schrumpfte von 7 auf 4 Sitze.
Gewonnen hat vor allem die Ver.di-Liste (von 10 auf 13 Sitze), die zusammen mit der Liste von Anna Müller auf eine deutliche Mehrheit der 27 Betriebsräte kommt.
Was sind die Gründe? Grassl wurde seit Jahren eine Abhängigkeit vom Arbeitgeber nachgesagt. So stieg innerhalb kurzer Zeit dessen Entgeltgruppe von 5 auf 14.
Während der ver.di-Liste mit ihren Forderungen nach gerechtem Lohn und Zurücknahme der Kündigungen, auch per Warnstreik, Mahnwache (siehe unten), Podiumsdiskussion und einem Bericht in der
ARD-Sendung Panorama, sowohl regional wie bundesweit positive Aufmerksamkeit erzielen konnte. Viele Menschen solidarisierten sich mit den Forderungen nach einer gerechten Bezahlung, und der gekündigten Beschäftigten beim Bodenverkehrsdienst. 

Gewerkschafter werfen der FMG-Geschäftsführung im Streit um die Zukunft des BVD „menschenverachtendes Umgehen mit Beschäftigten“ vor. „Um die beabsichtigen Lohnkürzungen durchzusetzen versuchte die Geschäftsführung ihre Beschäftigten regelrecht weichzuklopfen“. Ursprünglich wollte die Geschäftsführung 96 Arbeiter wegen der Teilnahme an einem Warnstreik fristlos entlassen. 

Im zurückliegenden Wahlkampf hat die FMG-Geschäftsführung offen Stimmung gegen die ver.di-Kandidaten gemacht. Ein Geschäftsführer hat seine Teamleiter dazu aufgerufen, ihre unterstellten Beschäftigten davon zu überzeugen, nicht die ver.di-Listen zu wählen. In Unternehmenspublikationen wurden die arbeitgebernahen Kandidaten besonders hervorgehoben. Gipfel der Wahlbeeinflussung waren dann die fünf fristlosen Kündigungen von ver.di-Mitgliedern. Bei zwei weiteren ver.di-Aktiven beantragte die Geschäftsführung die Zustimmung des Arbeitsgerichts zur fristlosen Kündigung.

Eigener Bezug inkl. der Panorama- Sendung vom 16.07.09: siehe: yahoo-clever-Beitrag von "Hacki ..."

Als tarifvertraglich Gekündigter, der über eine Leiharbeitsfirma die selbe Arbeit wieder aufnehmen soll entstand ein Kontakt zur Redaktion der Panorama-Redaktion, in welchem im Rahmen der Sendung über die Situation beim BVD auch gekündigte ver.di-Betriebsratskandidaten vorstellt wurden. 
Als am Ende des Sendebeitrags Seehofer in seiner Funktion als bayr. Ministerpräsident Haupteigentümer des Münchner Airports über die Situation am Münchner Airport befragt wird, ist dieser sichtlich überrascht, weil bisher offenbar nur aus Hochglanzbroschüren der FMG unterrichtet, sich nun  bis 23.07. Bedenkzeit für die Beantwortung der von Panorama gestellten Fragen erbittet.

 

 

 

 

 

Folgendes erstes Statement von Michael Börries, dem künftigen Betriebsratsvorsitzenden direkt nach Auszählung der Stimmen:

Liebe Leserin, lieber Leser, 

gerade ist die Auszählung der Stimmen für die BR-Wahl bei der FMG zu Ende gegangen. Ich hatte die Ehre, die WEHR.DI!-Liste als Spitzenkandidat zu vertreten. Ich kann jetzt mitteilen, dass wir mit unserer Kollegin Anna Müller zusammen eine Mehrheit im neuen Betriebsrat errungen haben. 

Ich bedanke mich bei allen Wahlkämpfern, Unterstützern und Wählern für die gute und am Ende erfolgreiche Arbeit. Wir haben große Aufgaben vor uns und ich bin sicher, dass uns dieses Wahlergebnis die ideale Basis für weitere Erfolge bietet. 

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und sage vielen Dank! 

LG: Michael

 

"Wir werden nicht ruhen, bis alle wieder im Betrieb sind!"

Am Samstagnachmittag wurde die fünftägige Mahnwache für die
gekündigten Gewerkschafter beendet. "Die Aktion war ein voller
Erfolg," erklärte Jürgen Emmenegger, ver.di-Projektsekretär am
Flughafen. "Die Freisinger Bevölkerung hat durch viele Gesten,
Äußerungen und Unterschriften ihre Solidarität bewiesen. Es
herrschte viel Unverständnis über das Vorgehen der FMG-Führung.
Mich wundert, warum Dr. Kerkloh und seine Kollegen angesichts der
Aussichtslosigkeit die anstehenden Kündigungsschutzprozesse zu
gewinnen, diesen Imageschaden in Kauf nehmen." Im täglich
erscheinenden internen Pressespiegel der FMG wurden in den letzten Tagen
mehrere Presseberichte über die Aktion einfach unterdrückt. "Das
zeigt, dass bei einigen Verantwortlichen offensichtlich ein
Realitätsverlust eingetreten ist. Sie meinen, wenn sie der Belegschaft
die Wahrheit vorenthalten, kommt diese Wahrheit auch nicht zu Tage."
wundert sich der Andreas Faltermaier, Betriebsratsvorsitzender von
(genaue Bezeichnung), der mit einigen Kollegen zu einem
Solidaritätsbesuch vorbei schaute. Während der Woche zeigten sich
eine Reihe Politiker an der Mahnwache: MdL Christian Magerl, der
SPD-Bundestagskandidat Dörnhofer und MdB Ewald Schurer. Sein Kollege
Obermaier von der CSU lies Grüße ausrichten. Viele Freisinger
Stadträte aller Parteien erklärten ihre Unterstützung. Die
Kreisverbände Freising und Erding der Katholischen
Arbeitnehmerbewegung und 11 Pfarrer, Seelsorgerinnen und Diakone
forderten in einem Protestbrief an die FMG die Rücknahme der
Kündigungen.

In seiner Rede auf der Abschlussveranstaltung, erklärte Michael
Börries, ver.di-Betriebsrat: "Kündigungen wegen Teilnahme an einem
Streik zu dem die Gewerkschaft offiziell aufgerufen hat, sind
grundgesetzwidrig und zielen auf die Einschüchterung der Belegschaft.
Mit Angstmache und Einschüchterung soll Gegenwehr gegen die
Einführung von Dumpinglöhnen, die Umsetzung von
arbeitsplatzvernichtenden Sparmaßnahmen und den insgesamt immer
schlechter werdenden Umgang mit der FMG-Belegschaft verhindert werden.
Wir werden diese Gegenwehr gemeinsam mit unseren Kolleginnen und
Kollegen aber weiter ausbauen und nicht ruhen, bis alle Gekündigten
wieder im Betrieb sind!" Jetzt seien aber auch die Gesellschafter
gefordert. Es ginge nicht an, dass sie mit ansehen, wie die derzeitige
FMG-Führung mit ihren belegschaftsfeindlichen Maßnahmen das Image
des Flughafens weiter zerstört. "Wer so mit seiner Belegschaft umgeht,
kann diesen Imageschaden auch nicht durch Nachbarschaftssponsoring
wieder gut machen.", so Börries weiter. "Finanzminister Fahrenschon
muss durchgreifen und dem Spuk ein Ende machen."

aus verdi-freising.de

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