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Alle waren angespannt, auch der
kleine, bebrillte Unteroffizier neben mir, dem sein Befinden in großen Tropfen
von der Stirn perlte.
Der Abflug und die Landung. Die gefährlichsten Momente eines Fluges. Was für
ein ausgemachter Hohn! Von dem, was nach der Landung, vor dem nächsten Start
passiert, redet niemand. Heimkommen tun sie nämlich alle. Es ist nur eine Frage
der Form. Mal in sehr kleinen Stückchen, mal komplett, mit einem verwunderten
Ausdruck im Gesicht und einem kleinen Loch in der Stirn. Mal in einem Bodypack,
mal in Zinkeimern.
Dann gibt es die Schweine, Söldner ihrer selbst eigentlich, denen all das
nichts anzuhaben scheint, die, wohl mit unerschrockener Unsterblichkeit
gesegnet, unversehrt am Körper, die Seele schon lange tot, grinsend auf den
harten Sitzen über die, die nicht mehr lächeln können, wachten. Die Wächter,
die überlebt, die ihre Pflicht getan, ihr Soll dem eigenen Ego gegenüber erfüllt
hatten. Stumpfe Hüter des Blutzolls.
Andere, die neben ihnen, wachen ebenfalls über Zinkbehältnisse, unsichtbare
allerdings.
Säuberlich verknäult in diesen Urnen, ganze Welten des Bewusstseins. Nicht
dazu bestimmt, mit Erde überhäuft zu werden, nein kleberig und schleimig
haftend an der Wirklichkeit, sie verhüllend, zur Fratze gestaltend.
Doch ich greife vor.
Zuerst stiegen wir aus, in ein Spiegelpanorama heißer Luft hinein,
Staubkristalle inhalierend. Wie tumbe Enten, einer hinter dem anderen. Wie
Ameisen, unsere Last auf dem Buckel und im Hirn schleppend.
Die Unterkünfte. Deutsche Ordentlichkeit.
„Kameraden! Wir stehen vor einer schwierigen Aufgabe!“
Ja, Freunde, Mitmenschen, Enten und Ameisen für die Sache des Todes.
Wir alle sollen ihn geben. Sollen morden oder gemeuchelt werden. Die Hauptsache,
der Sensenmann bekommt genug zu saufen, von dem roten, dickflüssigen, heißen
Wein.
Die erste Patrouille. Zu Fuß. Hieroglyphen, unter Schädeln, turbanverhüllt, löchrigem,
gelben Grinsen. Seltsam, wie sie wissen, dass wir Frischfleisch sind.
Ein helles Beige der Ort, fast gelb, nein weiß schon.
Lehmige Fassaden, die sich gegenseitig stützen.
Blaue Tüchertupfer und metallisch erdige Sturmgewehre an fadenscheinigen
Kitteln schwingend.
Das Leben eines Mannes ist voller Schmerzen, sieh! Wir lachen drüber.
An den Feuern die Kinder. Braunäugig, einäugig, einarmig, dünnhäutig.
An den Brüsten der schalen Mütter Babys, ahnungslos und glücklich, sollte man
meinen, die hineinwachsen in eine Welt des Trübsals, die schon ihre Eltern
nicht mehr verstanden.
Was ist der Sinn? So schreien ihre Blicke.
Die Antwort sind ein paar Knaben. Ratatata! So spielen sie.
Ratatata! Die Essenz. Was sollte daneben nicht verblassen?
Der Wind hüllt unsere Uniformen ein, zerrt an Ihnen, als wolle er sie hinüberziehen,
mitsamt dem erbärmlichen Inhalt, in die Wüste, die Gott für die Oberschlauen,
die Überheblichen gedacht hat. Die Geröllfelder des Gewissens, die jeder zu
durchqueren gezwungen ist, die niemals enden.
Göttergleich marschieren wir durch die Straße, das Verderben in den Händen,
am Gürtel.
Olivgrüne Käfer, die ihre Kinder mit Scheiße füttern.
Eintopfmentalität im Land der Shishas. Die Augen rechts! Ab Null Uhr schießen
wir zurück! Verteidigt euer Vaterland!
Braun ist sie, die Landschaft, braun von unsren schweren Stiefeln, braun und
schmutzig rot. Die Luft erfüllt von Stahlpaketen. Wen triffts? Doch nur
Abstraktes!
„Kameraden! Wir stehen vor einer schwierigen Aufgabe!“
Wohlan, so hat der Herr für mich beschlossen, nicht weilen soll er hier.
Zwei Tage verbringe ich in diesem hohlen Traum, dann explodieren alle
Farben, scheinbar nur für mich.
Liege diesmal in dem Flugzeug, den rechten Fuß in Gips. Heimatschuss.
Doch meine Farbpalette, die bunte, hat man mit dunklem Grau getüncht, für den
Rest der Zeit. Da helfen keine Orden.
Dunkles Grau.
@Thom Delißen 092009
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