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Am 1. Dezember 1969 war es endlich soweit. Das erste Exemplar des Erdinger Jugendmagazins "eye" wechselte für 80 pf den Besitzer.
"Nach einigen Schwierigkeiten", wie Chefredakteur Franz-Xaver Mayer zugesteht, erschien dieses "Novum in Erding", um eine "lange bedauerte Informationslücke" zu schließen.
Konkret sollte die Zeitschrift mit einer Auflage von 1.200 Stück zur festen Institution werden, um über schulische Angelegenheiten, über verschiedene Ansichten zu jugendspezifischen sowie lokalpolitischen Fragen zu berichten und diese vor allem zur Diskussion zu stellen; denn natürlich (typisch 68) wollte man ein freies Forum für möglichst alle Jugendlichen schaffen, um darin zum politischen Engagement und zur aktiven Mitarbeit daran aufzurufen.
Doch bereits die zweite Ausgabe, erschienen im April 1970, fast drei Monate später als geplant, war die letzte, und Franz-Xaver Mayer stellt frustriert fest, daß von der anfänglichen Begeisterung zuletzt nur noch ein kläglicher Rest geblieben war.
Was war geschehen?
Hinterher ist man stets klüger und weise wird man im Alter. Die jugendlichen idealistisch-radikalen Vorstellungen grade zur freien Meinungsäußerung war jedenfalls mit dem realen Erding nicht vereinbar; die Symphatien der für die Werbeeinnahmen wichtigen Geschäftswelt stieß bereits nach dem ersten (äußerst) konsumkritischen Artikel "es ist ein Geist entsprungen" über ihre Grenzen; die schnell als "linksradikale Zeitung" ausgemachte Publikation wurde boykottiert.
Als weiteres Beispiel dafür: In der 2. Ausgabe wurde unter einer Übungsarbeit aus dem Deutschen mit dem Thema: "Was fordert der Beruf dem Sie zustreben von Ihnen, was bietet er für die Gesellschaft und was erwarten Sie von ihm für sich selbst." das Berufsbild eines Raubmörders beschrieben; begründet u. a. mit der Beseitigung des spätkapitalistischen Intrigantenklüngels. Wenn sich nun unterhalb jener "Übungsarbeit" eine Werbeanzeige der bayrischen Spezialität namens Erdinger Weissbier wiederfindet, ist dies in etwa so, wie wenn der Weißbräu terroristische Vereinigungen finanziert.
Natürlich blieb z. B. der SMV der Mädchenrealschule Hl. Blut gar nichts anderes übrig, als sich zu einzelnen Artikeln der "Eye" zu distanzieren. Der Bruch auch innerhalb des Redaktionsteams war vorprogrammiert.
Dies ist schade, da es Redakteure gab, die eine Spielwiese suchten, sich in unterschiedlichen Bereichen des Journalismus zu üben, und es ihnen auch durchaus glückte, eine ganze Reihe zum Teil kritischer Themen auch auf unverfänglicherere Art darzustellen.
Eye teilte mit seinen Vorstellungen, Idealen und Forderungen, sowie der Reaktionen das Schicksal auch manch weniger kritischer Zeitschriften. Ich selbst kannte die überregionale Jugendzeitung "Ran", die immerhin bis in die 80er-Jahre als kleine Alternative zu "Bravo" galt, und in München erschien zu jener Zeit die Wochenzeitschrift "Münchner Blatt".
Natürlich änderten sich irgendwann mal die Zeiten, kamen die Protagonisten wie ihre Stammleserschaft in die Jahre, ihre Ideale wichen der Realität oder kamen außer Mode, ...
Doch unabhängig davon war es für linksalternative Zeitschriften von je her schwierig, sich incl. ihrer Inhalte zu verkaufen. In einer wirtschaftsorientierten Welt ist man von Wirtschaftsseite abhängig.
Genau dies war der wesentlichste Fehler von "eye", weil man das in Erding falsch einschätzte - vielleicht einfach mit dem Recht jugendlicher Unbekümmertheit.
Heutige Jugendliche wundern sich, was die jungen Leute von damals bewegte, sich derart zu engagiert auch noch mit derart Power zwischen alle Stühle zu setzen.
Ihre Beweggründe grad auch Nachfolgegenerationen gegenüber sichtbar und begreifbarer zu machen, was nur im Kontext jener Zeit möglich ist, wird ebenfalls Aufgabe von xED.
Ein wenig dieser Tradition lebendig werden zu lassen, kann also nicht schaden - nicht um die Zeit zurückzudrehen, sondern um dadurch Geschmack auf eigenverantwortliches und kreatives Handeln, sowie Engegement zu fördern. Moden kommen und gehen - und können jederzeit wieder kommen.
Wenn dem so ist, bietet gerade auch das Medium Internet völlig neue Möglichkeiten der Kommunikation und des Austausches.
In dieser 68er-Tradition fühlt sich xED auch in soweit verbunden, um Ideen aufzunehmen, diese mit neuen Ausdrucksmitteln und Formen zu verbinden, sinnvolles Altes in Neues zu integrieren und fortzuentwickeln.
Später mehr: das "Eye" wird derzeit noch beäugt - was bei Interesse gern auch von anderen geschehen kann.
Hat jemand Tips zum weiterem Vorgehen? Kennt jemand weitere Publikationen zur Auswertung? auch Zeitzeugen, Fotos, ... bitte hier weiterleiten |
auszüge ausgabe 1 dezember 1969
 inhalts- verzeichnis
 es ist der geist entsprungen
 kriegsdienst-verweigerung
 schüler-gewerkschaft
 republikanischer club
 jusos

ausgabe 2 april 1970
 inhalts- verzeichnis






personen






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