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5. Erding in den 68er
wird fortgesetzt, sobald entsprechendes Material eingetroffen ist

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Die 68er erhalten derzeit durch die Diskussionen zur Vergangenheit grüner Bundespolitiker wie Fischer und Trittin große Aktualität.

Was war denn nun in Erding, während draußen vor den Stadttoren, z. B. auch in Richtung München die Welt brodelte, Spontis Polizisten verhauten -oder doch eher umgekehrt, ...?
Nun ja, in unserer beschaulichen Herzogstadt wurden weder Häuser besetzt, noch ging das Rathaus in einem Meer roter Fahnen unter. Am ehesten wäre hier auch zu jener Zeit ein Bauernaufstand zu erwarten gewesen...
Nein, in Erding wurde natürlich nicht Geschichte geschrieben, und doch ist es wert, einige Geschichtchen zu erzählen.

Zentrum hiesiger 68er-Bewegung war natürlich - und kaum anders zu erwarten - das Gymnasium; und wie es für Bewegungen ganz generell am sinnvollsten erscheint, die Turnhalle.
Dort fanden gegen den Vietnam-Krieg, die US-Marionette Schah von Persien, gegen altes Denken, verkrustete und autoritäre Strukturen in Politik und Schule sogenannte "Sit-In" statt.
Manche Aktionen von damals erinnerten an Ludwig Thomas Lausbubenstreiche. So wurden Schülerzeitungen zwar ganz rechtens dem Direktoriat vorgelegt, doch bis dahin waren jene Zeitungen bereits so gut wie ausverkauft. Ein anderes mal verschwanden ganze Klassen dem verkrustetem Mief wegen samt Tischen und Stühlen durch die Fenster in die Freiheit.
Das schlichte Grau der Nachkriegszeit hatte auch in Erding seine Farbtupfer erhalten, hatte sich wenngleich mit ein wenig Verzögerung zum Flower-Power gewandelt. Jungs provozierten mit langen Haaren, Mädchen kamen mal lausbubenartig in Jeans und mal im Minirock. Nebst dem Äußerlichen rebellierte die gesamte musikalische Szene. Laute Rock-Musik von den Beatles bis hin zu Jimmy Hendrix war Ausdruck dieser Rebellion, zu der die langen Haarsträhnen wie in Extase flogen, und ganz natürlich drehten in manchen Gruppen auch Joints die Runde.
Die Zeit der jugendlichen Rebellion gegen das Etablishments fand auch in Erding seine Protagonisten und Wortführer, und der Tod von Martin Luther King löste wohl die größte aller 68er-Demos der Stadt aus. Durch die Innenstadt zog ein beträchtlicher Zug, natürlich vor allem Schüler des Gymmasiums bis zum Grünen Markt, wo eine Kundgebung stattfand.

In den 70ern spaltete sich die Szene, wurde vor allem auch durch die Terroristenproblematik, bzw. -gesetze geschwächt. So schob sich die individuelle Selbstverwirklichung mehr in den Vordergrund. Immerhin gründeten einige der damaligen Gymnasiasten das autonome Jugendzentrum Picnic, andere den Hirschen. Manche zogen aufs Land, andere betraten den Weg der Institutionen, um die Politik in kleinen Schritten zu verändern, gingen vor allem zur SPD oder gründeten später mit den Grünen eine damals vollkommen neuartige, weil basisdemokratische Partei. Die einen wurden Redakteure, andere Lehrer, noch andere verschrieben sich der Kunst, und natürlich vor allem der Rockmusik.
Zahlreiche Lebensläufe auch in unserer Umgebung wären ohne diesen Kontext sicher ganz anders abgelaufen. So beeinflußten die 68er also durchaus das Leben auch im Erdinger Raum - und tun dies auch in der Gegenwart.

auch dieser Teilbereich von erdings jüngerer Geschichte befindet sich im Aufbau. Dabei können sich die 60er durchaus in die 70er hinein fortsetzen.

Derzeit wird das 1969 und 70 in zwei Exemplaren in Erding erschienene Jugendmagazin "Eye" ausgewertet. Ein Dank an den Besitzer des wervollen Originals Eduard Speckmeier, Frontmann der 1000 Heftl; außerdem auch an Johannes Hintermaier, der als Gymnasiast über die erdinger 68er eine Arbeit verfaßt hat, u. a. auf selbige Quellen zurückgegriffen hat und interessiert ist, sie ab ca. März oder April hier zur Verfügung zu stellen.

Die Geschichte geht weiter
Es ist durchaus möglich (immerhin bin ich Mitinitiator, und verstehe mich in der 68er-Tradition), daß unsere 2001 vom Erdinger Literatentreff gegründete Literatenzeitschrift "Gedanken-Sprung" noch später Ausdruck dieser Bewegung ist
- und dieser Gedanken-Sprung hat eben erst begonnen...

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das erdinger jugendmagazin


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