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düstere Stimmung am Airport
Europa-Kritik am Beispiel Flughafen-München
... und seine Folgen |
Unter den Beschäftigten, vor allem unter den Arbeitern im Bodenverkehrsdienst (da gehöre ich mit dazu), herrscht derzeit eine sehr aufgebrachte Stimmung.
Die Europa-Politik aller im Bundestag vertretenen Parteien hat es im Zug der Liberalisierung möglich gemacht, dass derzeit Billiganbieter auf den Markt drängen. Deren Lohn beträgt anstatt 1.400 unter 1.000 Euro. In Folge des Preiskampfs unter den Fluggesellschaften hat die FMG Verträge gekündigt, und hat vor kurzem selbst, um den Konkurrenten avia-Partner abzuwehren, mit MUC-ground eine eigene Billig-Tochter geschaffen. Aber es geht noch billiger: Arbeiter von Zeitarbeitsfirmen mit weniger als 7 Euro Stundenlohn werden beschäftigt.
Eine Folge davon: das Fliegen wird immer billiger, man rechnet mit immer mehr Passagieren. Nicht zuletzt diese Überlegungen führten nun zu den ganz konkreten Schritten in Richtung einer 3. Startbahn. Die Orte Eittingermoos und Schwaigermoos werden Franzheim damit wohl nur um eine Menschengeneration überdauern.
Derzeit prangert vor allem die SPD zwar diese negativen Folgen an, verschweigt aber, dass sie selbst hinter der derzeitigen Europapolitik inkl. der Liberalisierung steht. Zwar kritisieren vor allem die Bündnisgrünen die Erweiterung um eine Dritte Startbahn, doch in Brüssel sitzen sie längst selbst mit am Steuer dieser Liberalisierung, und sind damit für genau diese Folgen mitverantwortlich, die sie nun kritisieren.
Übrigens: Für die restlichen bei der FMG Beschäftigten hat die Gewerkschaft zwar ein Arbeitsplatzverhältnis bis 2008 erstritten. Aber was dann?
Die Politiker in ihren schicken Büros in Brüssel sind davon nicht betroffen. Von Ihnen fordert man weder Extrem-Schichtzeiten noch stellt man ihnen Billigkonkurrenz vor die Füße. Gerade die, die den Wettbewerb ausgerufen haben, sind vor sich selbst am meisten geschützt.
Ich meine, Europa ist eine schöne Idee, doch leider sieht die Praxis anders aus.
Für mich als direkt Betroffener ist es kein Wunder, dass die Zahl der Skeptiker inzwischen die Zahl der Befürworter übertrifft. Die derzeit im Bundestag vertretenen Parteien nehmen jedoch diese Meinung nach wie vor nicht ernst. So gibt es eine immer tiefer gehende Kluft zwischen den Meinungsführern in den Parteien und den von deren Politik betroffenen Menschen.
Während der letzten Betriebsversammlung Mitte Juni 2005 melde ich vor rund 700 Beschäftigten zu dieser Thematik, erhielt neben den beiden Betriebsräten mit den stärksten Beifall.
Ich versuchte als Beispiel die Folgen für die Öffnung deutlich zu machen. Zeichnete als Bild, wie sich die verschiedenen Anbieter gegenseitig auf die Füße steigen, wenn jedes Unternehmen eigene Fahrzeuge und Wägen einsetzen; meinte, daß die derzeitig bereits bestehenden Behinderungen zunehmen werden, auch der Verkehr und die Streckenlängen, denn jeder Anbieter muss überall auf dem Rollfeld vertreten sein; daß dies alles von der Logik her im Endeffekt natürlich mehr Kosten als Einsparung bringt, wenn man das System im ganzen rechnet. Jeder Anbieter braucht außerdem seinen eigenen Wasserkopf an Verwaltung. All diese steigenden Kostenfaktoren müssen an einer entscheidenden Stelle eingespart werden, so dass es für die Flugunternehmen im Endeffekt trotzdem billiger wird. Diese Stelle ist der Arbeiter. Die wirtschaftlichen negativen Auswirkungen wiederum treffen die Region. Denn natürlich wird weniger Geld ausgegeben. Wer von den Arbeitern kann sich noch eine richtige Wohnung, wer sich eine Familie leisten? Genauso werden Ausgaben für Kultur zum unerschwinglichen Luxus.
Ich selbst, Redakteur von xED, werde mich in den folgenden Wochen und Monaten für die Linkspartei engagieren. Nein, es geht hier weder um eine Plattform für 'blanken Populismus', und es geht nicht um das Engagement von ’Wegduckern’, wie es sich mache Politiker sehr einfach bei der Beschreibung von Aktiven dieses Kreises machen wollen, sondern es geht im Gegenteil darum, endlich jene Bedenken vorbringen zu können, die in anderen Parteien auch weiterhin nicht ernst genommen werden.
Genau der letzte Punkt bot für mich den Ausschlag,
Walter Koppe für xED