Irak-Krise:
Weltweite Rezession und Arbeitslosigkeit im Kriegsfall
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Frankfurt/Main (dpa) - Der
drohende Irak-Krieg stürzt die Weltwirtschaft in ein unkalkulierbares Risiko.
In den international renommierten Denkfabriken, in Forschungsinstituten sowie
bei den Volkswirten der Großbanken wird derzeit fieberhaft über die
Auswirkungen eines Militärschlages gegen Bagdad gerätselt. Aus allen
vorliegenden Szenarien geht aber hervor: Der Ölpreis wird drastisch steigen -
offen ist nur, auf welches Niveau, und wie lange der Preis für das schwarze
Gold neue Höchststände markiert.
Von dieser Entwicklung
hängt entscheidend Ausmaß und Dauer der negativen Einflüsse auf die
Weltkonjunktur ab. Schon heute machen sich die Vorboten eines 2. Golfkriegs
bemerkbar. Die Aktienkurse purzeln, die internationale Leitwährung Dollar
verliert gegenüber dem Euro an Wert, und der Ölpreis hat mit mehr als 30 Dollar
pro Fass ein Zwei-Jahres-Hoch erreicht. Die Verbraucher spüren die
Spitzenpreise bereits an den Zapfsäulen der Tankstellen.
Die Optimisten -
insbesondere in den USA - setzen auf die
überwältigende militärische Schlagkraft der einzigen Weltmacht. Ähnlich wie im
1. Golfkrieg 1991 könnte ein Sieg der Amerikaner in wenigen Wochen erzielt und
der Irak-Konflikt rasch beendet werden. Wieder fallende Ölpreise, steigende
Aktienkurse und eine positive Verbraucherstimmung legten dann die Basis für
einen beschleunigten Konjunkturaufschwung.
Doch die Zahl der Skeptiker
steigt, vor allem, weil die Ausgangsbedingungen derzeit völlig anders sind als
vor zwölf Jahren. Die international geschlossene Front nach dem Einmarsch des
Irak in Kuwait fehlt. Damals - nach dem Fall der Mauer - war das
Wirtschaftsklima geradezu euphorisch, Japan noch eine robuste Volkswirtschaft und
Deutschland profitierte vom Einheitsboom. Beide Länder konnten sich noch mit
dem Etikett «Konjunkturlokomotive» schmücken.
Das Platzen der weltweiten
Aktienblase, Finanzskandale in den USA, die Terror-Attacken vom 11. September
2001, Firmenzusammenbrüche in Serie und ein allgemeines Stimmungstief treffen
die Weltwirtschaft diesmal in einer angeschlagenen Verfassung. Zusätzlich ist
die Handlungsfähigkeit der amerikanischen Notenbank mit einem Leitzins von nur
noch 1,25 (Anfang 2001: 6,0) Prozent äußerst begrenzt. Auch militärisch ist die
Ausgangslage verändert. Für Saddam Hussein geht es um die «letzte Schlacht»,
die eine Politik der «verbrannten Erde» wahrscheinlicher macht.
Vor diesem Hintergrund
nehmen zunehmend auch Horrorszenarien Gestalt an: Der Krieg dauert länger als
sechs Monate, der Einsatz von Massenvernichtungswaffen sowie massive
Terroranschläge weltweit gefährden die Ölversorgung. Ölpreise von 40, 60 oder
gar 80 Dollar je Barrel werden zumindest zeitweise nicht ausgeschlossen.
«Gelingt es nicht, einen politischen Flächenbrand im Nahen Osten zu verhindern,
wird die Weltwirtschaft in die Rezession abgleiten», fürchtet Prof. Michael
Hüther, Chef-Volkswirt der Frankfurter Deka Bank.
Darüber hinaus sind auch
die Kosten des Krieges zu bewältigen. Das US-Repräsentantenhaus geht von
bescheidenen 50 bis 60 Milliarden Dollar für die Entsendung der Militärverbände
aus. Michael O'Hanlon von der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution
veranschlagt dagegen schon mehrere hundert Milliarden Dollar. Neben den
unmittelbaren Kosten für den Krieg und eine mehrjährige Besetzung müssten auch
die indirekten Folgen berücksichtigt werden. «Die Angst vor weiteren
Terroranschlägen, ein starker Rückgang des Verbrauchervertrauens,
Ölpreis-Schocks sowie Einbrüche bei den Fluglinien mit entsprechenden
Auswirkungen auf die Tourismus- Industrie», bilanzierte er in einem
«Handelsblatt»-Interview.
Ein rasant steigender
Ölpreis würde nicht zuletzt die Bundesrepublik in einer äußerst schwierigen
Lage treffen und die Arbeitslosigkeit weiter erhöhen. Die zusätzlichen
Öl-Milliarden fließen in die Lieferländer und werden über höhere Sprit- und
Heizölrechnungen unmittelbar dem privaten Verbrauch entzogen. Schon 2002 war
die Verweigerung der Konsumenten - neben rückläufigen Investitionen - die
Achillesferse der deutschen Konjunktur.
Das Miniwachstum von 0,2
Prozent resultierte ausschließlich aus der guten Nachfrage des Auslands nach
Produkten «made in Germany». Im Falle eines nachlassenden Welthandels würde der
Exportmotor aber ebenfalls ausfallen. Ganz gleich, welche Szenarien am Ende
Realität werden - im Falle eines Irak-Kriegs ist das prognostizierte Wachstum
für Deutschland von etwa 0,7 Prozent 2003 schon Makulatur. Bei sinkender
Wirtschaftsleistung wäre dies die dritte - von insgesamt fünf - Rezessionen in
der Nachkriegszeit, die von einem Ölpreisschock maßgeblich ausgelöst würde.
Aus „Yahoo“ vom 29.01.2003