Vorläufiges Konzept eines Kultur- und Bürgerhauses in der ehem. Post Erdings (Stand: 07.11.02)

1. Stadt und Kultur
2. Standort
3. Gebäude
4. Funktionen
5. Träger
6. Finanzierung


1. Stadt und Kultur

Erding zählt heute 32.000 Einwohner, kann in den nächsten Jahren auf über 40.000 Einwohner anwachsen. Eine Stadt dieser Grösse und dieser Wachstumsprognosen benötigt nicht alleine Wohnraum, sondern auch Strukturen, um grad auch den Neubürgern ein Zentrum der Kommunikation zu bieten. Sinnvoll wäre es, an diesem Ort Organisationen und z. B. kulturell, sozial und ökologisch tätige Gruppen und Vereinen kostengünstig Platz zu bieten. Nebst dieser Institutionen würden vor allem Bürger und Neubürger profitieren.
Was für gebürtige Erdinger bereits schwer ist, sich einen Überblick über regional tätige Vereine und Initiativen zu verschaffen, stellt auch für diese Vereine und Initiativen ein grosses Hindernis dar: Peinlich, wenn Initiativen ähnliches planen, doch keine von der anderen weiss und z. B. Lesungen (wie wiederholt geschehen) am selben Tag stattfinden, ...
Ein gemeinsames Haus, auch der Vereine, könnte hier manch Missverständnis lösen: statt eingeschränktem "Kästchendenken" wäre plötzlich Raum, um sich abzusprechen, Kontakte zu knüpfen, abzustimmen, gemeinsam Werbung, Aktionen oder Veranstaltungen zu organisieren, auch nach Absprache gemeinsame Räumlichkeiten zu nutzen.
Die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung grade bei den diesjährigen Kommunalwahlen ist ein Zeichen für die derzeit sehr mangelhafte Integration von Neubürgern. Entsprechende Angebote, wie es ein Kultur- und Bürgerzentrum bietet, würden die Integration fördern, indem sie Perspektiven aufzeigt und Möglichkeiten des Engagements schafft.
Zwar gibt es mit Stadthalle und Stadttheater, sowie auch in einigen Gastronomiebetrieben Möglichkeiten, Kulturereignisse stattfinden zu lassen, doch liegen diese sämtlich im gehobenem Niveau, dagegen gibt es kaum Raum für Nachwuchskünstler. Zwar bietet Erding dem Star Michael Mittermeier eine Bühne, als Nachwuchskünstler hatte der Dorfener in der nahen Kreisstadt aber kaum Auftrittsmöglichkeiten.
Um diese strukturellen Notwendigkeiten und kulturellen Marktlücken herum haben sich unsere Überlegungen zu dem Konzept eines Kultur- und Bürgerhauses in der ehemaligen Post fokussiert.


2. Standort

Der Standort der alten Post ist für die Funktion eines Kultur- und Bürgerhauses ideal geeignet.
Das Gebäude liegt verkehrstechnisch gesehen außerordentlich günstig; einerseits durch seine unmittelbare Nähe zur S-Bahn in Richtung München ist es daher auch für viele Bürger der südlichen Stadtteile, für Jugendliche und Neubürger leicht erreichbar (auch ohne Pkw und Verkehrsbelastung); andererseits gibt es hier Parkplätze; welche grade dann von Pendlern frei werden, wenn in einem Kultur- und Bürgerhaus der Betrieb für diese Schichten interessant wird. Das heißt, es würden kaum zusätzliche Stellplätze notwendig.
Der direkte S-Bahn-Anschluss vereinfacht es Publikum aber auch Nachwuchskünstler bis aus der Münchner Umgebung anzulocken. Nur ein Beispiel sind die Kontakte des Erdinger Literatentreff, die bis nach Heimstetten und Germering reichen.
Um auch diesen überregionalen Austausch zu fördern, und dies gilt wohl auch für andere Vereine, wäre das Gebäude der alten Post der ideale Standort.
Sollte irgendwann einmal ein Kultur- und Bürgerhaus an einer anderen Örtlichkeit in Erding geplant werden, kann dies gerade an den verkehrstechnisch zu schaffenden Maßnahmen und Stellplatznachweisen scheitern.


3. Gebäude

Das Gebäude bietet insgesamt über 1000 m² Raum. Geschosse wie langgestreckte Gebäudeform ergeben Möglichkeiten der Gliederung und Teilung in bestimmte Funktionsbereiche.
Die alte Post war ein Gebäude der Kommunikation (per Brief). Unser Vorschlag, eigentlich nichts grundlegend Neues zu schaffen, zeigt sich z. B. an der Begrenztheit von Umbaumaßnahmen: Raumhöhen, Raumaufteilung, oder die Erschliessung der Sanitäranlagen. Vieles kann beibehalten werden; teilweise könnten Einbauten, wie Postschliessfächer weiter benutzt werden, und zwar von Vereinen, welche Gemeinschaftsräumlichkeiten (z. B. der große Raum im Obergeschoss) für Büros oder Veranstaltungen nutzen, um hier ihre Unterlagen bis zum nächsten Treffen abzuschliessen.

Als mögliche Ausbaustufe könnte man (bei längfristiger Nutzung sinnvoll) das Gebäude auf seiner Rückseite öffnen. Aufwand und Kosten, z. B. für eine durchgängige Passage am Eingangsbereich könnte man evtl. später bei genügend Publikumsinteresse und Finanzierungssicherheit vornehmen. Auf diese Weise würde man Störungen vom sensibleren Gebäudefrontbereich nehmen. Die Wohnbebauung im Rückbereich liegt weit entfernt, und innerhalb gewisser Toleranzen wäre dort auch Lärm und Kommunikation im Freien möglich, mit Sitzmöglichkeiten, evtl. Schach mit Großfiguren, ... Ein neuer Eingangsbereich mit direktem Weg zur S-Bahn (nach rechts), zu Parkplätzen (nach links) würde entstehen.


4. Funktionen

Ein Kultur- und Bürgerhaus sollte folgende Funktionen umfassen:

a) Dachgeschoss
Im Dachgeschoss könnten (voll ausgebaut) drei Wohnungen Platz finden, zwei über die Erschliessung des Haupttreppenhauses (eine ist dort vorhanden), über dem separaten Aufgang im Norden könnte eine weitere Wohnung (Hausmeisterwohnung, da Zugang zu allen Geschossen) Platz finden.

b) Obergeschoss:
Büro- und Versammlungsräumlichkeiten für Vereine

c) Erdgeschoss (z. T. Obergeschoss):
Räume und Bühne für Veranstaltungen, Musik, Theater, Kabarett, Kleinkunst, Bilder- oder Fotoausstellungen, Jazz-Frühschoppen, Lesungen, Liederabende, Filmvorführungen Informationsveranstaltungen, Diskussionen, Workshops, ...

d) Erdgeschoss:
Gastronomiebereich: "Kulturcafé" in (, bzw. rund um) der ehemaligen Schalterhalle.
Hier wird der Raum mit normaler Gaststättenbestuhlung, gleichzeitig als Zuschauerraum benutzbar, mit einer Bühne (am dafür bestgeeignetsten Platz). In Verlängerung dieses Veranstaltungsraumes (oder einem anderen Platz, der sich anbietet) entsteht der Tresen für den Ausschank.
Der gastronomische Betrieb sollte mit allerdings gemäßigten Preisen auf Nonprofitbasis arbeiten. (Profit nur als Anlage zur Finanzierung laufender und absehbarer Kosten und Erhaltung und Erweiterung des Kulturbetriebes).
Die "Initiative Bürger- und Kulturhaus Erding" hat sich bereits mit 35 Brauereien in Verbindung gesetzt, um Interesse zu testen, und konkrete Vorschläge, auch was die Finanzierung betrifft, einzuholen. Fünf leitende Angestellte verschiedener regionaler Brauereien haben bereits, wohl unter Berücksichtigung der hervorragenden Lage, ohne Zögern eine Finanzierung der Inneneinrichtung und sonstiger notwendigen Umbaumaßnahmen (Sanitäranlagen) ins Auge gefaßt. Sinnvoll könnte hier auch eine Kooperation mit einer Brauerei vor Ort, zum Beispiel dem "Erdinger Weissbräu" sein.
Laut Aussagen verschiedener Brauereien würde sich die Einrichtung eines gemütlichen, mit gepflegtem Ambiente versehenen kleinen gastronomischen Betriebes (ohne Küche, - angeboten werden sollen nur Snacks) auf ca. 30.000.- Euro belaufen. (Andere Brauereien sprechen von ca. 10.000 Euro)
Diesen Betrag (der sich sicherlich durch handwerkliche Eigeninitiative erheblich reduzieren ließe ), sind die Brauereien bereit vorzufinanzieren.

e) Kellergeschoss:
Band-Übungsräume und weitere Räume für Workshops, als Lagerräume zur Nutzung von Vereinen und Organisationen, sowie einer "Selbsthilfe-Werkstatt"


5. Träger

Die Organisation bezüglich der Räumlichkeiten könnte ein Trägerverein aus den sich beteiligenden Vereinen und aktiver Bürger übernehmen, dessen Ausschüsse oder Beauftragte im Einzelfall für die Organisation und Ablauf von Veranstaltungen Entscheidungen treffen.
Die Initiatoren der Kultur- und Bürgerhaus-Idee verfügen hier bereits über eine Vielzahl von Kontakten zu Künstlern, Musikern und Literaten, aber auch in Richtung Kleinkunst und Kabarett, und könnten sich vorstellen, diese hier einzubringen. Natürlich müssten diese Aktivitäten auf ehrenamtlicher Basis durchgeführt werden.


6. Finanzierung

Die Finanzierung würde neben der Vermietung von Wohnraum und Büros bzw. sonst. Räumlichkeiten für Vereine (allerdings zu günstigen Konditionen) über einen gastronomischen Betrieb erfolgen; ein Kulturcafé, welches auch durch die Vernetzung von Kultur- und Bürgerhaus sich in den späteren Abendstunden durchaus in eine Art gut laufende Kultur- und Insider-Kneipe mit entsprechenden Einnahmen entwickeln kann.
Durch die diversen o. a. Veranstaltungen sind weitere Einnahmen zu erwarten (Eintrittsgelder, wenn auch sich in kleinem Rahmen bewegend).
Sich ergebende Synergieeffekte sind letztendlich Kostenreduzierer - wenn sich gemeinsame Aktionen und Arbeitsabläufe ergeben und vereinfachen, gemeinsam Räumlichkeiten nutzen lassen, ...
Des weiteren könnten Mitglieder und zukünftige Nutzer durch Mithilfe an Umbaumaßnahmen und sonstige Eigen- oder Mitarbeit Kosten reduzieren. Hier gibt es bereits konkrete Angebote.
Wie wir erfahren haben, könnten für diese Bereiche durchaus finanzielle Zuschüsse bzw. Fördermittel von Land oder Bund beantragt werden (Das Kinocafé im kleinen Taufkirchen gewinnt mit ähnlichen Teilkonzepten Preise!).
Bei der gastronomischen Einrichtung geht uns nicht darum, einen Wettbewerber gegen hiesige Gastronomiebetriebe aufzubauen, sondern darum, eine Nachfrage- und Marktlücke zu füllen, um damit Bürgern mit neuen Angeboten vom heimischen Fernsehapparat weg zu locken, oder manch Fahrt nach München überflüssig zu machen.

Es geht für uns auch nicht darum, einer berechtigten Forderung nach günstigem Wohnraum zu widersprechen, doch halten wir Standort und Beschaffenheit des Gebäudes für ungeeignet; die Kosten für eine derartige Nutzungsänderung auch zu hoch.
Im Gegenteil: durch den Einzug von Vereinen im ehem. Postgebäude würde geeigneter Wohnraum frei (z. B. des "Mütterzentrum e. V." Am Rätschenbach 1) , ohne dass dafür erst umfangreiche und teure Umbaumaßnahmen notwendig würden.