Allgemeines zur Premiere am 10.07.:
Die Aula war gleich bei der Prämiere, wie auch bei der letzten Vorstellung Brechts Dreigroschenoper vor einigen Monaten voll besetzt. An den drei Tagen der Aufführung kamen jeweils über 500 Zuschauer.
Trotzdem erlaubt Akustik wie Rhetorik der Darbietenden (erstaunlich mal wieder die schauspielerische Leistung!) bis auf die hintersten Plätze gut ausreichendes Hörvergnügen, jedoch liegt die Hauptbestuhlung in einer niedrigen Senke, was die Sicht vor allem der weiter hinten Sitzenden doch sehr eingeschränkte - grade wenn es dann auch noch galt, die langsam dahinkrabbelnde Schildkröte Kasiopaia zu entdecken.
Außerdem stören die mittig angeordneten Säulen, und je nach Handlungsschwerpunkt muß sich ein Teil des Publikums dann entscheiden, entweder links oder rechts darum herum zu blicken.
- und trotz alledem eignet sich der Raum durchaus für Theateraufführungen. Vor allem, wenn diese einmal nicht voll besetzt sein sollte. Aber dafür, daß es in diesem Bereich auch zukünftig Abstriche gibt, wird die Qualität der Aufführungen sorgen.
Stück und Aufführung:
Michael Ende ist es in seinem Stück "Momo" geglückt, ganz aktuelle Gesellschaftskritik in ein Märchen zu verpacken, welches gerade Kinder verstehen; einerseits weil sie die Hauptbetroffenen sind, andererseits weil er deren Sprache trifft, sie mit zauberhaften Bildern und Fabelwesen in den Bann schlägt.
Schwerpunkt ist die Handlung rund um das Mädchen Momo, gespielt von Susanne Schneider, doch manche Frage, wie die nach der Zeit wird singend gestellt, und tänzerisch gelöst - oder in Meister Horas Stundenhaus, begleitet vom rhytmischen Ticken der Uhren; die andere nach Herkunft der grauen Männer mit dem Zeigefinger auf uns selbst, denn jeder von uns ist für die Gesellschaft verantwortlich.
Eindrucksvoll karikieren die grauen "Zeitsparer" die rein wirtschaftlich denkende Unternehmergarde und Rationalisierer, für die Zeit in Sekundenzahlen berechnet lediglich Geld bedeutet, und für die alle Menschlichkeit fremd ist.
Sie haben offenbar in ihrem Tun Erfolg. Darum haben Eltern immer weniger Zeit für ihre Kinder, und auch die werden bald in Schablonen gepreßt - denn natürlich ist auch Spielen verlorene Zeit.
Anfangs wehren sich die noch in einer imposanten Demo, mit Plakaten und Musik. Doch auch das hilft nichts, und schließlich steht Momo ziemlich alleine da.
Wunderbar erfrischend selbstsicher spielt Benedikt Wille den Polizisten, der die Personalien von Momo aufnehmen soll, und wegen der ungenauen Daten lautstark aus der Haut fährt.
Gelächter kommt aber auch auf, als die eher stille Schildkröte Kassiopeia, bei der Zeit-Meisterin mit einem Freßnapf voller Salat bedacht wird.
Bilder zu "Momo" (ein Klick vergrößert sie)